Piz Lagrev

#storySchnee

„Nee, der Schnee ist doch gerade echt schlecht.“
„Skitour? Ist doch alles grün …“

Jaja. Sieben Uhr am Sonntag Morgen, ich hole Silvan in Pfäffikon am Bahnhof ab. Noch etwas verpennt laden wir die Ski ein und machen uns auf den Weg ins Engadin. Via Thusis und Savognin geht es nach Bivio und noch ein Stück hinauf, bis wir über den Julierpass drüber sind. Südseitig: grün. Nordseitig: weiss. Piz Lagrev: nordseitiger Aufstieg, oben geht es über einen kleinen Gletscher. Na, dann mal los. Wir machen uns soweit fertig, fellen auf und stapfen los. Ausser uns steht nur ein Auto auf dem Parkplatz, es scheint also kein Gedränge zu geben, wie es hier im Hochwinter durchaus üblich ist.

Anfangs geht es durch blockiges Gelände (das kann ja was werden in der Abfahrt) hinauf. Die Schneedecke ist nicht überdimensional dick, aber hier im Engadin liegt momentan der meiste Schnee und sie ist gut gesetzt. Wir queren ein paar alte Lawinenkegel, bevor es eine Steilstufe hinauf geht, wo wir dann auf – Pulverschnee treffen. Juchuii! Das könnte bis oben jetzt so bleiben – tut es auch. Die Rechnung geht voll auf, nordexponiert, hoch und relativ windgeschützt – der Schnee von vor zwei Wochen hat sich komplett gehalten. Wir machen eine kurze Trinkpause, bevor es ein paar Meter zu einem kleinen Bach hinunter geht. Mit Fellen an den Ski abzufahren ist immer etwas unelegant, aber zeitsparender, als dauernd die Felle ab und wieder dran zu machen.

Ab hier spuren wir selber, da uns die bereits vorhandene Spur von der Routenführung nicht so zusagt. An einem kleinen See entlang geht es durch fluffigen Schnee weiter. Kurze Passagen sind etwas windgepresst, aber es geht gut voran. Wir wechseln uns mit Spuren ab, so kommen wir gut voran. Wieder geht es auf altem Lawinenschnee hinauf, ein grösseres Schneebrett hat sich hier vor einiger Zeit gelöst. Auch gut, was weg ist, ist weg.

Die letzten Meter hinauf auf den Grat sind ziemlich eingeblasen, schon von unten sieht man, wie der Wind den Schnee in den Hang weht. Wir gehen einzeln durch diese Engstelle hindurch, es hat hier gute 35° Hangneigung, da sollte möglichst nichts rutschen. Oben trifft mich dann voll der Föhn, ich warte noch, bis Silvan auch oben ist und dann steigen wir noch ein paar Meter hinauf zu einer Wettermessstation. Hier machen wir Pause und besprechen kurz, ob wir überhaupt noch auf den Hauptgipfel gehen wollen, was sich im Winter mit Ski nicht lohnt, denn man muss ohnehin zu Fuss einige hundert Meter einen breiteren Felsgrat entlang stapfen, um dann 30 Meter höher zu stehen. Dazu sind wir auch nicht so motiviert und wir machen ein paar Fotos, Blödsinn, Kopfstände (Silvan) und fellen ab. Ich rutsche schon mal ein paar Meter hinunter, weil ich mich wundere, wo die einzelne Frau, die wir irgendwo im Aufstieg mal überholt hatten bleibt – nicht dass da was schief gelaufen ist. Ich kann aber niemanden sehen, auch keine frischen Lawinenabgänge. Vielleicht ist sie irgendwo zwischendrin umgedreht und schon wieder abgefahren. Ein kurzer Check mit dem LVS-Gerät bringt im oberen Hang auch nichts, wird schon passen.

Silvan kommt auch runtergefahren und wir fahren einzeln den ersten kritischen Hangbereich wieder ab. Dann wird der Hang breit und hat ideale Skineigung, jodelnd geht es durch feinsten Pulver hinunter Richtung See. An dessen linken Ufer entlang queren wir weiter oben, um dann nochmal einige schöne Hänge hinunter wedeln zu können. Würde uns ja wirklich ankotzen, wenn wir heute irgendwo daheim hocken würden und denken würden, dass überall schlechter oder kein Schnee liegt. Hihi … Wir fahren das letzte Stück zu der Steilstufe ab. Hier wird der Schnee dann eher hart und wir müssen einige Meter auf dem alten Lawinenschnee abfahren. Geht ziemlich in die Beine, das viele Rumgehüpfe auf dem harten Zeugs. Unten rutschen wir dann vorsichtig die letzten Meter in der Blockhalde wieder zum Parkplatz, bis auf einmal Schaben am Stein ging bei mir alles gut, auch Silvan hat nur zwei- oder dreimal eine Tretmine erwischt. 14 Uhr, wir sind wieder unten und hatten eine herrliche Skitour.

Noch ein paar Fotos machen, Material verräumen und dann geht es wieder zurück.

Einen kleinen Zwischenstopp machen wir noch bei Tinizong, wo es vor ein paar Tagen Steinschlag auf die Strasse gab, ist schon ein ziemliches Haus, was da liegt. Weil sie das Ding nicht so einfach wegschleppen können, weil der Brocken zu schwer ist, haben sie kurzerhand eine kleine Umgehungsstrasse geteert und der Fels liegt jetzt erstmal da als Touristenattraktion.

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