Borgsjåbrotet – Grenzgipfel zwischen Telemark und Buskerud

Nach unserer tagelangen Anreise mit Auto, Nachtzug und Fähre sind wir endlich in Norwegen angekommen – unserem diesjährigen Sommerziel. Für drei Wochen weilen wir also im Norden und freuen uns auf Temperaturen, die teilweise weit unterhalb der 20°C liegen.

Unsere erste Nacht verbringen wir in Austbygde an einem kleinen Campingplatz direkt am See Tinnsjå. Am nächsten Tag führt uns unsere Fahrt weiter in Richtung Norden. Bevor wir unsere nächste Unterkunft in Geilo erreichen, wollen wir noch eine kleine Wanderung einschieben. Mit dem Auto geht’s also zum Småroe hyttegrend. Dort werden wir gleich von einer kleinen Wandertafel empfangen, die uns nochmals eine Übersicht der Wanderung auf den Borgsjåbrotet gibt.

In doch recht frischen Wind, aber bei Sonne laufen wir also los – in kurzen Hosen und Softshelljacke. Der gut sichtbare Trampelpfad führt uns mit einer leichten Steigung bis zum See Borgsjå. An einer kleinen Hütte halten wir uns am rechts weiterführenden Pfad. Hier ist es immer noch sehr flach und auch sehr nass. Wir hüpfen über Wasserläufe und versuchen, nicht allzu tief in vor Wasser triefenden Wiesen unterzugehen.

Nach kurzer Strecke wird es dann langsam etwas steiler und der Weg führt in einem grossen Linksbogen weiter bergauf. Das Gelände ist überall leicht kuppiert und wir können von hier noch gar nicht genau ausmachen, wo genau unser Gipfel ist. Wir kreuzen den “Store Nordmannssleppa” – anscheinend ein Weitwanderweg aus früheren Zeiten. Vielleicht von Wikingern und Co.? Anscheinend trifft man am Weg auch immer wieder auf alte Gräber – schlauer bin ich mit meinen wenigen Norwegischkenntnissen (und Google Translate ) auf den entsprechenden Internetseiten leider auch nicht geworden. Aber für uns ist dieser Weg im Moment auch nicht interessant. Wir queren ihn nur und können auf der gegenüberliegenden Seite unserem Pfad weiter folgen.

Mittlerweile sind wir doch schon ein bisserl unterwegs und legen eine kleine Pause ein. Aus Nordwest zieht gerade eine Regenfront heran und so nutzen wir die Pause auch gleich, um Regenjacken und lange Hosen anzuziehen. Die super tollen Regenhosen haben wir schlauerweise im Auto gelassen. Mist. Aber da hilft alles Ärgern nix, wir stehen am Berg und der Regen kommt so oder so. Also laufen wir weiter Richtung Gipfel – und schon fängt es an zu regnen. Unsere Hosen sind natürlich sofort durchnässt, denn es kommt ein richtiger Schauer aus den dicken grauen Wolken über uns. Der kalte Wind, der uns um die Nase blässt, macht die Sache natürlich nicht angenehmer.

Ein Stück weiter oben kommen wir an einem kleinen Denkmal und einem Haufen Blechschrott vorbei. Auf der Wandertafel im Tal hatte ich gelesen, dass irgendwann 1954 hier ein Militärflugzeug während einer Übung abgestürzt sein muss. Die Reste liegen hier auf einer Fläche von 100x100m immer noch herum. Direkt am Absturzort gibt es anscheinend eine Kiste mit weiteren Informationen und einem Gästebuch. Allerdings haben wir dort nicht hineingeschaut. Ein trostloser Anblick, so im strömenden Regen. Wir stapfen also weiter und jeder versinkt für sich unter seiner Kapuze in Gedanken, bis – ja, bis ich den Weg aus den Augen (oder aus dem Sinn) verliere.

Wir laufen der Spur nach, die am vielversprechendsten aussieht, stehen aber trotzdem irgendwann im Gemüse. Naja, ist hier nicht all zu schlimm, es ist ja alles leichtes Wiesengelände. Wir nehmen einfach die “Direttissima” zum Gipfel und wenige Minuten später stehen wir zum Glück schon oben – am Steinhaufen. Es fällt mir ein bisschen schwer, unser Ziel als Gipfel zu bezeichnen. Vielleicht trifft die Bezeichnung “höchster Punkt unserer Wanderung” schon eher zu. Denn unser Ziel liegt auf einem breiten Hügel und eigentlich erkennen wir nur durch den Steinhaufen und der kleinen Box mit dem “Gipfelbuch”, dass wir genau hier “oben” sein sollen.

Der Regen hat mittlerweile aufgehört und wir können die Kapuzen abziehen. Zitternd stehen wir im Wind und mampfen unsere Salamibrötchen. Nachdem sich die Regenwolken verzogen haben, bietet sich hier ein wahnsinnig toller Rundumblick in die Fylker Telemark und Buskerud. Fylker sind die Provinzen, in die Norwegen aufgeteilt ist. Lange halten wir es hier oben aber leider nicht aus, denn uns ist kalt. Als wir ein paar Minuten später unseren Rückweg antreten, kämpfen sich bereits die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolken und wir geniessen tolle Ausblicke. Die Sonne tut auch unseren nassen Hosen gut. Zusammen mit dem stetig heftiger werdenden Wind trocknen diese zum Glück rasch ab und wir frieren mit jedem Höhenmeter, den wir absteigen, etwas weniger.

Im Abstieg nehmen wir den gekennzeichneten Weg und dank unserer GPS-Uhren finden wir auch genau den Punkt, an dem ich den eigentlichen Weg im Aufstieg verloren habe. Hmmm, die spärlichen Markierungen sind hier wirklich schlecht auszumachen und die Spur, der wir dann hinterher gelaufen sind, in der Annahme auf dem richtigen Pfad zu sein, sieht auch in der Sonne verlockend aus, um dort weiter zu laufen. Also alles halb so wild. Kurz darauf kommen wir wieder in die Gegend des früheren Flugzeugabsturzes und entdecken noch viel mehr Teile, als wir während unseres verregneten Aufstieges gesehen haben.

Wir laufen weiter und können jetzt die Sonne, die uns von vorne anscheint und die restlichen feuchten Nähte an den Hosen trocknen lässt, in vollen Zügen geniessen. Der Weg führt uns wie im Aufstieg wieder an die kleine Hütte heran, am Borgjå See vorbei und über die lange Ebene zurück zur Strasse.

Vor dem nächsten Regenschauer erreichen wir das Auto, verstauen unsere Rucksäcke und machen uns auf den Weg nach Geilo, wo unsere Ferienwohnung in Havsdalsgrenda auf uns wartet.

Details zur Tour

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