Holprige Wanderung am Gross Aubrig

Nachdem Marina mit Patrick bereits vergangenes Jahr, beziehungsweise sogar schon dieses Jahr am 02. Januar eine Wanderung auf den Gross Aubrig gemacht hat und ich noch nie dort war, machen wir uns heute bei leicht bedecktem Himmel auf den Weg ins Wägital. Über die Sattelegg fahren wir hinüber ins verschlafene Nachbartal und parkieren kurz hinter dem Tunnel beim Schrähoger, auf der anderen Seite der Staumauer.

Ich hasse Situationen, wenn man sich an bestimmten Engstellen immer exakt trifft. Klassisches Beispiel: ich bin mit dem Velo auf einem Fahrradweg unterwegs, vor mir geht eine andere Person  auf meiner Seite. Hundertprozentig exakt da, wo ich sie überholen würde, kommt einem dann eine andere Person (die einzige andere Person seit geraumer Zeit natürlich) entgegen und man trifft sich fröhlich zu dritt genau an der Stelle der gehenden Person. Ich muss deswegen abbremsen, habe schlechte Laune und frage mich, ob es da jemanden gibt, der das alles genau so berechnet.
Hier bei unserer Wanderung gibt es eine Variation dieser Situation, bei der es sich um eine enge Brücke handelt, auf der uns ein Auto mit Anhänger und darauf geladenem Boot entgegen kommt. Die Brücke ist genauso schmal, dass man nicht wirklich aneinander vorbei kommt und der gute Mann muss natürlich auch noch ein paar Mal hin und her rangieren. Wir stehen derweil relaxed (Marina) respektive tierisch genervt (meine Wenigkeit) herum und warten, dass wir die Brücke überqueren können.

In entsprechend mässiger Stimmung starten wir kurz darauf den Aufstieg Richtung Gross Aubrig über einen – “Wanderweg”. Verblocktes Bachbett würde es wohl besser treffen. In Richtung Schrä (ja, das Hüttchen heisst wirklich so, wir sind im Wägital, nicht vergessen…) führt der markierte Weg einfach schnurgerade den steilen Hang hinauf. Das tut er in einer kleine, schmalen Rinne, die rund einen Meter tiefer als das Gelände drumherum liegt und mit Steinen und grossen Felsblöcken gefüllt ist. Da wo keine Steine im Weg liegen, ist es dann wunderschön matschig und die Dornen, die von den Rändern herabhängen und mir ins Gesicht… Wie auch immer. Ein Scheissweg, ich bekomme noch schlechtere Laune und eine herannahende Krise zwischen den beiden Wandersleutchen zeichnet sich langsam ab. Sie wartet aber noch ein paar Minuten, bis wir Schrä hinter uns gelassen haben und sich der “Weg” im Wald noch steiler, dafür breiter und noch verblockter und nerviger, wie eine Steinschlagschneise weiter den Hang hinauf murkst. Meine Kommentare bezüglich diesem ganzen Mist lassen die Stimmung dann vollends in den Keller kippen und auf unserer GPS-Aufzeichnung sieht man später einige Kringel und Hin-und-Her-Bewegungen, kombiniert mit einer verlorenen Viertelstunde an Zeit ohne nennenswerte Vorwärtsbewegung.

Nachdem wir unsere Krise überwunden haben, geht es (schweigend, die Nachwehen sind noch da) weiter hinauf, bis wir bei der Alp Bärlaui den Wald verlassen und über eine riesige Weide (muss schön sein hier im Sommer, wahrscheinlich alles voll mit Mutterkühen…) unterhalb des Gross Aubrig hindurch queren. Aus vereinzelten Sätzen werden längere Satzkombinationen werden Dialoge, die nicht so eintönig sind und von beiden Seiten mehr als ein “Ja” oder “Nein” oder noch besser “Keine Ahnung!” beinhalten. Es verspricht noch ein richtig guter Tag zu werden.

Über einen mässig erkennbaren Weg haben wir nun ein sinnlos aufgestelltes Wanderschild erreicht, wo wir nun steil nach oben (und steil heisst hier wirklich “Gib ihm, solange es noch leicht unter 90° ist, ist es okay!”) steigen und nach einem weiteren netten Stück Weg die obere Alp auf 1560 m Höhe erreichen. Hier geht es dann – richtig, in Falllinie weiter hinauf, soweit so gut, nur dass der Weg nun quasi gar nicht mehr erkennbar ist. Aber wir haben glücklicherweise nur noch rund 120 Höhenmeter vor uns. Die Kuppe flacht mehr und mehr ab und wir erreichen irgendwann (immerhin bei passabler Stimmung) ein windschiefes Ding von Gipfelkreuz und einen langen Stacheldrahtzaun, damit die ganzen Viecher hier im Sommer nicht den Abflug über die Nordwand des Gross Aubrig machen.

Pause, essen, gucken. Was man halt auf einem Gipfel so macht. Mir gefällt’s hier nicht. Erstaunlich viele Leute sind hier oben, dafür dass das so ein Kackhaufen von Berg ist. A propos Kackhaufen: man sollte aufpassen, wo man seinen Rucksack ablegt, sonst liegt der und am besten noch gleich das Essen in einem der vielen Schafhäufchen. Gibt schöne Magen-Darm-Infektionen, da geht richtig was!

Die Sonne ist auch nicht da und durch den Wind ist es unangenehm kalt. Beste Voraussetzungen also, diesen lieblichen Ort alsbald wieder zu verlassen. Über eine Alternativroute (die ist dann der Einfachheit halber gar nicht mehr markiert) steigen wir über eine nervig steile und verkorkste den Westgrat wieder ab und erreichen bald P. 1513. Ab hier geht es im Matsch bis P. 1439, von dort aus quer durch den Matsch zu P. 1439 (der heisst wirklich genau gleich, hier haben die Wägitalerianer dann einfach aufgehört, ihren Matsch mit richtigen Namen zu benennen, weil es eh keinen Sinn macht). Ab jetzt beginnt (endlich ) der Abstieg.

Über Eggstofel (Mutterkühe im Sommer, Ausweichen durch a) über einen Stacheldrahtzaun springen oder b) kilometerlangen Umweg in Kauf nehmen) steigen wir ab, bis kurz vor Rohr Kuhglocken läuten. Hach ja. Wunderschöner Tach heute. Und siehe da: eine riesige freie Alpfläche, eine kleine Weide und genau da hindurch führt der verfluchte Wanderweg. Mitten zwischen den Viechern hindurch. Das sehe ich mal gepflegt überhaupt nicht ein und wir spazieren um die Weide drum herum, mitten durch die Wiese. Nicht schön, aber hier ist heute irgendwie einiges nicht schön. Danach folgt ein unglaublich steiler Kiesfahrweg hinunter zu P. 1083. Beim Gehen rutscht man bei jedem Schritt nahezu aus, wunderschön. Bei P. 1083 zweigt links der Wanderweg ab und führt durch den Wald weiter hinunter, direkt unterhalb einer Stromleitung entlang. Nicht weiter erwähnenswert, nur das in unserem Fall selbige plötzlich bedrohlich an Spannung verliert und uns beinahe auf die Köpfe fällt. Fluchtartig erreichen wir Brandhalti und damit wieder das Seeufer, wo wir nun noch leicht verwirrt und kopfschüttelnd den letzten Kilometer zurück zum Auto laufen.

Ich mag diesen Berg nicht. Ich mochte das Wägital noch nie, aber seit heute braucht’s schon einige Motivation, damit ich mich dort hinbegebe. Manche Sachen heute waren sicherlich hausgemacht, aber so eine Serie an lieblos hingeworfenen “Wanderwegen” habe ich wirklich selten gesehen. Das Tal ist schon ein bisschen der Arsch der Welt, aber ehrlich gesagt wundert mich das auch irgendwie nicht.

Details zur Tour

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Sattelegg

Als Kantons-Feiertäglerin hab ich heute frei, während Falko arbeiten muss. Die freie Zeit und das gute Wetter nutze ich für eine längere Rundfahrt über die Sattelegg aus dem Wägital.

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