Mit Schneeschuhen von Oberiberg zur Furggelenhütte

Schnee

 

Nach einem verheissungsvollen Start in den Winter 2017/2018 ist Frau Holle seit Silvester irgendwie ziemlich besoffen und bekommt nicht mehr allzu viel Sinnvolles auf die Reihe. Nachdem sie den Schalter für massiven Dauerregen und Sturm erwischt hat, kommen nun frühlingshafte Temperaturen und (zu) viel Sonne hinzu. Und der Regler für Föhn ist ja auch nie weit – ein bisschen warmer Wind kann ja an einem Samstag wie heute auch nicht schaden.

Und so begab es sich zu der Zeit, dass Maria – nein, Marina und ich am Frühstückstisch sitzen und unschlüssig sind, was man mit so einem warmen Tag anfangen soll. Langlaufen hat sich seit dem Regen erstmal erübrigt, die Loipe ist zwar offen, aber die Bedingungen sind eher überschaubar. Für eine Skitour haben wir zu lange gepennt und mit den Kajaks trauen wir uns nicht auf den See, wegen dem Föhnwind. Nachdem ich gestern joggen war und offensichtlich alt werde (den letzten Kilometer habe ich mit akut einsetzenden Knieschmerzen humpelnd wie ein alter Mann zurückgelegt) fällt diese Art von Aktivität für heute mal aus. Wir einigen uns dann aber darauf, dass wir mal den Schneeschuhpfad ab Oberiberg zur Furggelenhütte in Angriff nehmen könnten. Gut geeignet für altersschwache Greise wie mich und auch für Langschläfer eine gute Option. Abgesehen davon können wir direkt von zuhause aus los laufen und müssen uns nicht in die lange Schlange von Autofahrern einreihen, die wieder mal den Weg aus dem Unterland hinauf in die Berge gefunden haben.

Nach dem Frühstück machen wir uns also auf den Weg und machen sofort nach dem Loslaufen einen Fehler: wir nehmen eine kleine Abkürzung über einen Fussweg direkt an der Minster entlang. Während wir knietief in Schneelöchern versinken, macht sich denn auch prompt mein Knie bemerkbar und mein Vertrauen in die geplante Aktion schwindet zusehends dahin. Das mühsame Stück ist glücklicherweise nicht allzu weit, dann erreichen wir erstmal wieder die Strasse, die aber ätzend glatt ist. Wenig elegant retten wir uns auf trockenen Asphalt und gelangen nun bald an den eigentlichen Ausgangspunkt unserer kleinen Tour. Ein kleines Stück neben der Talstation des Laucheren-Sessellifts des Skigebiets Hoch-Ybrig startet der gut markierte Weg und steigt immer den rosafarbenen Pfosten folgend westwärts an in Richtung Furggelenstock.

Wir legen unsere Schneeschuhe an und starten bei warmen Temperaturen in einer gut erkennbaren Spur den Aufstieg. Aus alpinistischer Sicht ist die Tour – nun ja, überschaubar – aber genau das macht es heute auch für uns aus. Ohne grosses Nachdenken kann man einfach den vorhandenen Riesenfussabdrücken vorangegangener Schneeschuhgänger folgen und sich dabei ein der Ruhe und Stille der Natur bewegen. Um uns herum sind noch ein paar weitere Personen unterwegs, ein Skitourengänger überholt uns, aber insgesamt herrscht einfach Ruhe und wir entfernen uns stetig vom laut hörbaren Kratzen der Skifahrer, die mehr oder weniger gekonnt seitlich die harten Pisten abrutschen und sich in die langen Schlangen an den Liften einreihen.

Nach einiger Zeit passieren wir die Heikenhütte auf 1334 m Höhe. Vor uns können wir nun eine Dreiergruppe beobachten, die ohne Schneeschuhe unterwegs ist und dementsprechend dämlich wirkt bei dem Versuch im weichen Schnee an Höhe zu gewinnen. Das Verhältnis liegt ungefähr bei eins – zwei – knietief einbrechen, manchmal auch schlechter. Keine Ahnung, warum sie sich das antun. Beim Vorbeigehen erklärt sich die Situation dann aber: es sind Engländer.

“Die Spinnen, die Briten!” (Obelix in “Asterix bei den Briten”)

Immerhin haben sie ihren Hund an der Leine: das gesamte Gebiet rund um den Furggelenstock ist Wildruhezone und darf speziell während der Wintermonate nur auf den ausgewiesenen Routen begangen werden. Hunde dürfen nur angeleint mitgenommen werden, was unserer Meinung nach auch richtig ist. Wer es bezweifelt, darf gerne mal zu Fuss im Tiefschnee mit voller Geschwindigkeit (keine Angst, die wird sehr klein sein) mehrere hundert Meter weit rennen. Wenn man noch nicht an Herzversagen krepiert ist, kann man sich vielleicht vorstellen, welchen riesigen Energieaufwand es für die Tiere bedeutet, zu fliehen. Und nein, die Wildtiere wissen nicht, dass euer Bettvorleger natürlich ganz brav ist und wie so ziemlich jeder Hund auf’s Wort hört. Fiffi selber weiss das wahrscheinlich auch nicht…

Kurz bevor wir in den Wald im Bereich Leimgütsch eintauchen, machen wir eine kleine Pause und stärken uns mit Banane und Apfel. Meine Knie machen mir ein wenig Sorge, es ziept doch recht und ich bin mir nicht sicher, wie sich das bergab auswirken wird. Kurz spiele ich mit dem Gedanken, lieber hier umzudrehen. Ich habe keine Lust, am Ende mit dem rot-weissen REGA-Vogel, der gerade über uns hinweg fliegt, den Weg ins Tal antreten zu müssen. Aber irgendwie wird es schon gehen, immerhin habe ich ja auch meine beiden Stöcke dabei und man kann das Tempo ja auch ganz gut kontrollieren. Also steigen wir weiter auf und erreichen bald den schon von Wanderungen und Trailrunning-Aktivitäten aus dem Sommer bekannten Rücken, wo von rechts her der Wanderweg aus dem Surbrunnentobel her kommend auf die Schneeschuhroute stösst. Hier geht es nun einige Mal bergauf und bergab, in lichtem Waldgelände und mit dem Furggelenstock schon in Sichtweite auf der linken Seite von uns. Ein entgegenkommender älterer Mann entpuppt sich als “Patroulliengänger”, der offenbar wirklich kontrolliert, dass sich die Leute an die hier geltenden Regeln halten und zum Beispiel auf den markierten Routen bleiben. Er will uns eine Karte aus dem Gebiet mit Schneeschuhrouten mitgeben, aber wir lehnen danken ab, da wir die hiesige Gegend doch recht gut kennen.

Nun ist es nicht mehr weit bis zur Furggelenhütte auf 1526 m Höhe. Wir setzen uns aber kurz davor unseren Endpunkt für heute. Auf den Furggelenstock wollen wir ohnehin nicht (zum einen waren wir schon zigmal da oben und zum anderen ist der Gipfelanstieg von dieser Seite aus mit Schneeschuhe nicht unbedingt besonders angenehm) und ohne Geld gibt’s auch in der Hütte nichts zu holen. Kurz spielen wir mit dem Gedanken, auf der anderen Seite abzusteigen und mit dem ÖV ab Brunni wieder zurück nach Hause zu fahren. Dank SBB-App ginge das auch ohne Geldbeutel problemlos, aber die Verbindungen sind nicht so gut und wir müssten relativ lange in Einsiedeln warten. Das gefällt uns nicht so und wir machen uns nach einem leckeren, von Marina belegten Sandwich wieder an den Abstieg.

Es geht wider Erwarten erstaunlich gut mit meinen beiden Beinscharnieren und so steigt denn auch meine Stimmung im Verlauf des Abstiegs deutlich an. Ab und zu halten wir an, um ein paar Fotos zu machen. Während wir im Aufstieg nur im Wollshirt unterwegs waren, macht sich nun langsam der Föhnwind bemerkbar und wir legen doch noch eine weitere Schicht Bekleidung an. Über den Gipfel hinter dem Riemenstaldener Tal sowie Clariden & Co. sieht man schön die Föhnwalze hängen. Aber noch haben wir hier schönen Sonnenschein und angenehme Temperaturen.

Nachdem wir wieder offenes Gelände erreicht haben, machen wir nochmal eine kleine Pause und setzen dann unseren Weg ins Tal fort. An einer Verzweigung kurz nach der Heikenhütte halten wir uns nun nach links und nehmen den ebenfalls markierten Abstieg ins Spätzeren (einem kleinen etwas erhöht gelegenen  Ortsteil von Oberiberg) in Angriff. Nun steht uns nur noch eine kleine Rutschpartie auf der teilweise schattigen Strasse bevor, bevor wir wieder durch den Ort marschieren und kurz darauf wieder unser Zuhause erreichen. Eine schöne, kleinere Unternehmung mit Einkehr- und Gipfelmöglichkeit und quasi keiner lawinenbedingten Gefährdung in einer ruhigen Landschaft – wir können diese Schneeschuhwanderung zur Furggelenhütte nur weiterempfehlen.

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