Trailrunning rund um Euthal und auf den Chli Aubrig

Wenn man in Euthal steht und seinen Blick nach Osten richtet, schaut man in einen Talkessel hinein, der links und rechts von bewaldeten und mit Alpflächen garnierten Hügeln begrenzt wird und hinten seinen majestätischen Abschluss in Form des 1642 m hohen Chli Aubrig findet. Nachdem nun mittlerweile die Schneeschmelze so weit fortgeschritten ist, dass man ohne grösseren Schneekontakt bereits in die Berge gehen kann, mein Rennvelo im Service und mir langweilig ist, mache ich mich vom Parkplatz in Euthal aus auf den Weg in den Talkessel hinein. Bewaffnet mit Laufschuhen und Trailrunning-Rucksack, wohl wissend, dass mir die Beine bei meiner Rückkehr hierher wohl ziemlich weh tun werden…

Die ersten ein, zwei Kilometer geht’s joggend auf der Strasse und am Eubach entlang bis zu P. 934, wo rechts der Wanderweg in den Chilentobel abzweigt. Hier steigt der Weg nun steil an und aus meinem langsamen Tempo wird ein noch langsameres Alibi-Joggen. Ich bewundere da manchmal die Personen, die zum Beispiel am Grossen Mythen innerhalb von rund 35 Minuten von Brunni aus bis auf den Gipfel rennen – und da meiner Meinung nach wirklich joggen müssen. Irgendwie schwer vorstellbar und mir gelingt das bei solchen Steigungen absolut nicht (oder würde es nur für ein paar hundert Meter, dann wäre ziemlich schnell Schluss mit lustig). Es ist eher ein sehr schnelles Gehen vom Tempo her und irgendwo gibt es dann auch den Punkt, wo ich vom Joggen aufs schnelle Gehen wechsle, da ich damit insgesamt schneller voran komme und weniger Energie in sinnloses Hüpfen vergeude.

Im Moment hier im Chilentobel bin ich aber noch im Laufschritt unterwegs, passiere die kleine Metallbrücke bei P. 1080 und wende mich dann links hinauf zur Vorder Chrummflue. Hier versperrt mir ein grosser Nadelbaum den Weg, der einen der Winterstürme nicht überstanden hat. Man kommt aber ganz gut drum herum und ich arbeite mich weiter hinauf bis zur Alphütte und einer kleinen Scheune wenige Meter daneben. Hier überhole ich eine ältere Frau, die aus dem Schatten der Scheune hervortritt und mich besorgt mustert – in der Annahme, ich sei eventuell das Muni aus dem Stall, was hinter ihr her sei. Bin ich aber nicht, ich bin nur ein bisschen bescheuert und renne hier den Berg rauf.

Beim Trittli muss ich zwecks weiterer Energiezufuhr einen Müsliriegel in den Apparat werfen, was sich im schnellen Gehtempo besser machen lässt. Und weil es so ein bisschen weniger anstrengend und der Weg bis zum Gipfel noch weit ist, belasse ich es auch dabei und jogge nur noch ein kurzes Stück, wo der Weg kurz etwas flacher ist. Langsam nähere ich mich so der Querung unterhalb der Wildegg, die wie immer um diese Jahreszeit noch unter einer Schneedecke liegt. Der Schnee trägt aber gerade noch so und so komme ich halbwegs trockenen Fusses bis an den Beginn des sausteilen Hanges, der mit Unmengen von lila und weissen Krokussen übersät ist. Marina und ich kommen mittlerweile oft einmal am Anfang vom Jahr hierher, weil der Teppich aus Krokussen so schön aussieht. Heute bin ich nun aber erstmal alleine hier und scheuche mich nun den steilen Rücken hinauf, der mich direkt bis hinauf zur Wildegg auf 1505 m Höhe führt.

Hechelnd komme ich dort an, muss nochmal um ein paar alte Schneefelder herum navigieren und nehme dann den letzten Abschnitt des Weges hinauf zum Gipfel des Chli Aubrig in Angriff. Wieder zwischen Joggen und Gehen wechselnd, erreiche ich schnell die letzten steilen Meter, die mich nach gut einer Stunde auf den bereits schneefreien Gipfel des Chli Aubrig hinauf führen.

Am Gipfel gibt es erstmal eine Pause. Neben meinen schmerzenden Beinen geniesse ich die Sicht in die noch recht verschneiten Berge weiter südlich. Die meisten anderen Wanderungen sind bisher nicht wirklich möglich, zu viel Schnee hat der Winter 2017/2018 gebracht (was ja an sich auch eine gute Sache war). Aber hier in den Voralpen werden nun langsam die ersten Touren möglich und ich freue mich nach über sechs Monaten Schnee bei uns zuhause über den langsam beginnenden Frühling und Sommer.

Nachdem eine Banane aus meinem Rucksack ihren Dienst getan hat, mache ich mich an den Abstieg. Joggend geht’s nun ab hier durchgängig hinunter – der steile Abstieg vom Gipfel erfordert immer volle Aufmerksamkeit, um nicht unbeabsichtigt auf dem Allerwertesten die Hänge hinab zu rauschen. Kurz bevor ich wieder auf den Weg gelange, der von links von der Wildegg her kommt, passiere ich zwei ältere Herren auf dem Weg zum Gipfel. Dann bin ich auch schon an der Weggabelung und muss erneut einem umgestürzten Baum ausweichen, der in der Querung zwischen Chli Aubrig und Chrähwäldli (zwei „ä“ in einem Wort bringen auch nur die Schwyzer unter…) den Weg unter sich begraben hat. Dank etwas Schnee geht das aber noch recht gut und nachdem ich mich in einer matschigen Passage mehrere Male nur mit Ach und Krach vor einem Schlammbad retten kann, erreiche ich die bereits erwähnte kleine ä-lastige Alphütte auf 1349 m Höhe.

Während ich hier rechts haltend zur Sattelegg abbiegen könnte, halte ich mich links und muss erneut ein paar schmerzhafte Höhenmeter hinauf joggen, bevor es dann mehr oder weniger auf gleicher Höhe auf einem Alpwirtschaftsweg bis zur Alp Stöfeli entlang geht. Ab der Alp Chleriweid muss ich dann nochmal rund 100 Höhenmeter ansteigen, die sehr steil sind und den mittlerweile etwas geplagten Beinen nochmal alles abverlangen. Ab hier geht es dann aber nicht mehr weiter hinauf und ich kann die nächsten Kilometer via Sattelchöpfli etwas mehr geniessen – bis ich zum steilen Wanderweg hinab zum Sihlsee und dem Steinbachviadukt gelange. Ich jogge hier auch noch hinunter, merke aber schon, dass mir das in den nächsten Tagen ein Andenken bleiben wird in Form von ziemlich schmerzenden Oberschenkeln (was es dann auch prompt drei Tage lang tat).

Ab dem See muss ich nur noch wieder retour nach Euthal laufen, bevor es bei nun schon sehr sommerlichen Temperaturen am Eubach wieder zum Parkplatz zurück geht.

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