Paris – eine Welt für sich

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Nachdem wir uns letztes Jahr ein ganz eigenes Bild von Venedig verschafft haben, steht dieses Jahr schon wieder eine Metropole auf unserer Reiseliste. Wir haben uns für drei volle Tage aufgemacht, um Paris zu erkunden. Die Stadt der Liebe, der Kunst, des Baguettes und des Eiffelturms. Was wir gefunden haben? So einiges!

Wieder haben wir An- und Abreise, Unterkunft und Programm individuell und ganz nach unseren Vorstellungen zusammengeschustert und die Stadt auf unsere Art entdeckt. Zur Vorbereitung haben wir zwei Bücher genutzt und ein bisschen Internetrecherche betrieben. Neben dem Fettnäpfchenführer für allgemeine Infos sowie Do’s and Don’ts haben wir uns noch ein Buch über Spaziergänge in Paris zugelegt. Auf einen genau getakteten Sightseeingplan haben wir allerdings verzichtet. Viel mehr wollten wir uns treiben lassen und die Stadt mehr oder weniger „per Zufall“ erkunden.

12. April: Bienvenue à Paris

Unser Anreise – teils TGV, teils Regionalzüge – im April 2018, ist zum Glück nicht auf einen der gehassten Streiktage gefallen und so sind wir einigermassen entspannt am Gare de l’Est angekommen. Schnell ein Metroticket gezogen und schon standen wir eine halbe Stunde später mit Hilfe unserer Smartphone Offline Karte vor unserem Hotel Le Tsuba.

Nach einem geduldigen Check-In inspizieren wir kurz unser Zimmer, aber danach laufen wir direkt los, hinein in die Stadt. Zum Arc de Triomphe sind es nur wenige Minuten vom Hotel und so ist dies unser erster Anlaufpunkt. Als eine der Top-Sehenswürdigkeiten werden wir am Arc de Triomphe sofort konfrontiert mit dem Massentourismus und dem unglaublichen Autoverkehr dieser Stadt. Der gesamte Place Charles de Gaulle ist überfüllt – mit Autos, Rollern, Bussen und drum herum Fussgänger an Fussgänger und Touristen-Gruppen. Wir suchen uns unseren Weg durch die Massen und versuchen beim Strasse überqueren nicht von den kamikazehaften Rollerfahrern überfahren zu werden. Aber wir lernen schnell.

Achtung! Eine rote Fussgänger-Ampel in Paris bedeutet lediglich, dass man sich vergewissern sollte, dass alles frei ist, bevor man die Strasse überquert.

Nach einigen Ampeln erreichen wir die Avenue des Champs-Élysées, der wir nun bis zum Place de la Concorde folgen. Wir kommen vorbei an unzähligen Bekleidungsgeschäften, Flagship-Stores internationaler Marken und gefühlt extrem überteuerten Touristen-Imbissbuden und Restaurants. Die Strasse, die Teil der Axe historique ist, ist sicherlich eindrucksvoll und trägt zum markanten Stadtbild von Paris bei. Aber wir fragen uns schon, ob sie wirklich so eine „Prachtstrasse“ ist, wie sie stets bezeichnet wird. Das ist wohl Ansichtssache, für uns ist sie eher eine überteuerte Einkaufsmeile.

Wir beschliessen von hier wieder Richtung Hotel zu laufen und gehen erst einmal durch den Jardins des Champs-Élysées. Anschliessend kommen wir noch eher zufällig am streng bewachten Élysées-Palast vorbei und schlängeln uns weiter kreuz und quer durch die Gassen. So kommen wir noch an der ein oder anderen Botschaft vorbei, die offenbar zu einem grossen Teil in diesem Stadtbereich stehen. Am Ende stehen wir wieder am Place des Ternes – und gleich um die Ecke ist unser Hotel.

Im Hotelzimmer geniessen wir ein bisschen die Ruhe, bevor wir uns wieder auf die Socken machen, um uns ein leckeres Abendessen zu suchen. Da wir völlig planlos sind und Restaurant aussuchen in Paris eine Sache für sich ist, fahren wir einfach ein bisschen mit der Metro (bis Saint Lazare) und streifen dann durch die Gassen. In einer kleine Strasse finden wir an einer Ecke einen Italiener, der uns ganz gut gefällt. Es gibt auch noch ein paar freie Tische und so sind wir kurze Zeit später mit Pasta und Pizza (ja, gar nicht so französisch) gut versorgt. Im Anschluss geht’s mit der Metro wieder zurück und wir fallen beeindruckt, satt und müde in unsere Betten. Bonne nuit, Paris!

13. April: Zwischen Rummel und Ruhe

Nach einer erholsamen Nacht im Le Tsuba Hotel checken wir erst einmal das Frühstücksbuffet – und sind begeistert. Es gibt alles, was man sich nur wünschen kann. Leckeres Baguette, Konfitüre, Honig, Müsli, Wurst und Käse – die üblichen Verdächtigen eben. Aber auch gutes Rührei und Speck, Pfannkuchen, Crêpes und die süssen pain aux raisins sind vertreten. Dazu einen guten Kaffee und ich bin glücklich.

Gute gestärkt verlassen wir anschliessend das Hotel und fahren mit der Metro bis zur Station Lamarck – Caulaincourt, direkt „hinter“ der bekannten Zuckerguss-Kathedrale Sacré-Cœur. Über kleine und erstaunlich ruhige Gassen suchen wir uns den Weg zu einem weiteren Top-Touristenpunkt von Paris. Da die allermeisten Besucher jedoch von der Südseite zur Kirche kommen, ist es auf der Rückseite in den mit Kopfsteinpflaster gesäumten Gässchen entspannt und idyllisch. Erst wenn man in unmittelbare Nähe der Wallfahrtskirche kommt, wird es voller und touristisch geprägt. Direkt vor der Kirche ist ein schöner, grosser Platz, der genügend Raum zum Staunen und Betrachten lässt.

Da Sacré-Cœur auf der höchsten Erhebung von Paris, dem Montmartre, steht, haben wir von hier eine herrliche Sicht über die Stadt – ganz ohne Eintrittspreis!

Die Besichtigung der Kirche überlassen wir den anderen Touristen. Wir verabschieden uns vom Rummel der Rue Lamarck und lassen uns wieder treiben.

Auf dem weiteren Weg entdecken wir an einem kleinen Platz einen Bäcker, der zeitlich gerade richtig für ein verspätetes z’Nüni kommt. Wir mögen die klitzekleinen Läden, die vollgestopft sind mit vorzüglichen Baguettes, knusprigen Broten sowie allerlei Süssem und Sandwiches. Wir decken uns für’s Mittagessen ein, setzten uns auf eine Bank und schauen dem Treiben um uns herum zu, während wir uns die belegten Baguettes schmecken lassen.

Satt und zufrieden machen wir uns wieder auf den Weg. Über ein paar Umwege finden wir die berüchtigte Moulin Rouge mit ein paar Fotoknips-freudigen Touristen davor. Sehr toll finden wir diesen Anblick allerdings nicht und gehen unbeeindruckt weiter. Hmmm. Highlight? Fehlanzeige.

In Paris ist gefühlt immer viel los. Um uns ein bisschen Ruhe zu gönnen suchen wir den Weg zum Montmartre Friedhof – denn wenn man eines auf Friedhöfen findet, ist es sicherlich Ruhe. Und so ist es auch. Nur 100 Meter von Moulin Rouge entfernt, kommt man über eine kleine Strasse zum Eingang eines der grössten Friedhöfe in Paris. Auch diverse bekanntere Persönlichkeiten haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden, wie zum Beispielt Heinrich Heine oder Dalida. Auf unserem Streifzug entdecken wir dann sogar zufällig Dalidas Grab, genauer nehmen wir es aber nicht und streifen einfach ziellos durch die verwundenen Wege. Auch den viele herrenlosen Katzen, die offenbar seit vielen Jahren den Friedhof bevölkern, laufen wir über den Weg, bevor wir uns wieder in Richtung Ausgang bewegen.

Anschliessend geht es kreuz und quer durch die Stadt, wir peilen die Seine an – aber nur ganz grob. Dabei kommen wir am La Fayette Kaufhaus vorbei und streifen die Oper, bis uns schliesslich nur noch der Jardin des Tuileries von der Seine trennt. Wir machen im Park noch eine kurze Pause, essen unser restliches Baguette und füllen Wasser an einen der rund 1’000 grünen Trinkwasserbrunnen nach. Weiter geht’s: über die Brücke Passerelle Léopold Sédar Senghor, eine schön gestaltete Brücke aus Metall und Holz, gelangen wir ans linke Seine-Ufer.

Wir biegen nach rechts ab und laufen eine ganze Weile am Ufer entlang. Auf der gegenüberliegenden Seite spitzt die Fahne auf dem Dach des Musée de l’Orangerie über die Baumwipfel. Wir laufen unterhalb der Pont de la Concorde und der Pont Alexandre III durch und geniessen den Platz und die ruhigere Umgebung hier am Fluss. Die am Ufer festgemachten Hausboote ziehen immer wieder unsere Aufmerksamkeit an – vor allem die kreative Gestaltung der Oberdecks.

Kurz nach der Fussgängerbrücke Passerelle Debilly kommen wir dann am Wahrzeichen der Stadt vorbei und stehen vor dem Eiffelturm. Hier ist es jetzt auch wieder wesentlich touristischer, es sind viele Leute unterwegs und wir suchen uns unseren Weg. Wir wollen aber nicht auf den Turm, das ist uns zu teuer – und wenn man oben steht sieht man ja den Turm nicht mehr. Also schleichen wir eine Runde durch den gute gefüllten Park Champ de Mars, knipsen ein paar Alibi-Fotos und stromern anschliessend weiter durch die Gassen.

Mittlerweile ist es Nachmittag und der Hunger treibt uns erst mal wieder Richtung Seine. Wieder am Ufer angelangt, muss sich Falko noch ein wenig gedulden mit der Suche nach einem leckeren Z’Vieri. Ich muss erst einmal ein Foto von der Pont de Bir-Hakeim machen. Warum? Weil dies eine der wenigen Stellen ist, an welchen die Metro den Untergrund Paris‘ verlässt und ans Tageslicht kommt, um die Seine zu überqueren. Zum Glück sind die Verbindungen so stetig, dass wir nicht all zu lange warten müssen, bis die nächste Metro vorbei kommt und ich mein Foto knipsen kann.

Anschliessend überqueren wir selbst die Pont de Bir-Hakeim und laufen einfach weiter gerade aus. An der Station Passy tritt die Metro aus dem Tunnel ins Freie. Die Hochstation kann man beidseits über Treppen oder sogar über zwei Rolltreppen erreichen. Falko ist sportlich – mir tun mittlerweile die Füsse weh. Nur wenige Meter danach erreichen wir den Place du Costa Rica und hier finden wir dann auch die nette kleine Crêperie framboise – genau das richtige. Erschöpft setzen wir uns an einem kleinen Tisch und freuen uns über den schönen Platz. Für Falko gibt’s classique avec beurre sucre und für mich avec Nutella. Und dann sind wir erst einmal glücklich.

Um noch etwas Zeit zum Entspannen zu haben, bevor wir dann ein Restaurant für den Abend suchen, wollen wir jetzt erst einmal zurück zum Hotel. Wir folgen der Rue Benjamin Franklin und stehen dann plötzlich am Palais de Chaillot. Von hier aus hat man einen fantastischen (und mal wieder kostenlosen) Blick auf den Eiffelturm in seiner vollen Grösse. Wir freuen uns über den schönen Ausblick, aber da die Füsse langsam wirklich weh tun, bleiben wir hier nicht mehr lange stehen, sondern suchen unseren weiteren Weg. Über die Avenue Kléber gelangen wir wieder zum Arc de Triomphe und kurz darauf zu unserem Hotel. Duschen – ausruhen.

Am Abend finden wir mit dem Kirane ein wirklich gutes indisches Restaurant. Etwas müde und hungrig freuen wir uns über unser leckeres Abendessen!

14. April: Auf grünen Pfaden

Über Nacht konnten sich unsere geplagten Füsse erholen, und so machen wir uns nach dem Frühstück wieder auf, einen neuen Teil von Paris zu erkunden. Heute suchen wir uns unseren Weg mit der Metro bis zur Station Bel-Air. Wir laufen jedoch nur ein kurzes Stück den Boulevard de Picpus entlang, bevor wir auf die Promenade Plantée abbiegen. Von diesem grünen Spazierweg quer durch das 12. Arrondissement haben wir in Spaziergänge in Paris gelesen und wollten diese grüne Ader unbedingt selbst erkunden.

Der insgesamt vier Kilometer lange Weg wurde auf einer ehemaligen Eisenbahntrasse angelegt und führt durch mehrere kleine Tunnel. Der gesamte Abschnitt ist reichlich mit bewachsenen Bögen, Bäumen und Blumen bepflanzt, es gibt Wasserbecken und auch einen kleinen Wasserfall in einem Tunnel. Quasi eine kleine Oase mitten in der Stadt.

Aus der Vogelperspektive blicken wir zwischendurch immer wieder auf Strassenfluchten unter uns.

Teilweise führt der Weg zwischen Gebäuden hindurch, die so angelegt wurden, als hätte sich der Weg dort eingeschnitten. Am Ende entlässt uns der Weg in das üblich geschäftige Paris an der Kreuzung von Avenue Daumesnil und Rue de Lyon.

Wir gehen weiter Richtung Place de la Bastille, quer durch kleine Strassen und Gässchen, bis wir am Centre Pompidou ankommen. Ein Blick auf die Karte verrät uns, dass auch Les Halles nicht weit ist. Ein kurzer Gang durch einen Teil des riesigen Einkaufszentrums begeistert uns aber nicht wirklich. Wir widmen uns lieber wieder dem oberirdischen Teil der Stadt und laufen kreuz und quer durch die Gässchen des 1. Arrondissement. Herrlich verwinkelt und kleinräumig ist es hier.

Später halten wir uns wieder Richtung Seine und überqueren den Fluss auf der Pont Louis Philippe. So gelangen wir auf die Île Saint-Louis und weiter über die Pont Saint-Louis auf die Île de la Cité. Und was findet man hier (neben sehr, sehr vielen Touristen)? Natürlich die Kathedrale Notre-Dame de Paris. Aber auch hier machen wir uns nicht die Mühe, einen Versuch zu Starten um ins Innere zu gelangen. Die Besucherschlange reicht einmal quer über den Platz. Warum sich so viele Menschen ihre doch wohl begrenzte Zeit in Paris mit Schlange stehen vertreiben, ist uns wirklich ein Rätsel. Wir begutachten den monumentalen Bau von Aussen, aber das reicht uns dann auch.

Weiter führt uns unser Weg über die Pont Neuf zurück zum rechten Seineufer. Wieder ein Blick auf die Karte – der Louvre ist nicht mehr weit. Im Innenhof begutachten wir natürlich die Glaspyramide. Bei einer Pause auf einer Parkbank ganz am Rand lassen wir unseren Gedanken und Augen freien Lauf und sehen dem regen Treiben auf dem riesigen Platz zu. Es ist ein Kommen und Gehen, Selfies hier, Selfies da. Endlos viele Selfie-Stick- und Souvenier-Verkäufer, rennende Kindern und müde Touristen.

Wir werden langsam selbst müde und beschliessen, quer durch die Stadt in Richtung Hotel zu laufen. Und natürlich hoffen wir, noch auf eine heiss geliebte Crêperie zu stossen, um für den Heimweg gestärkt zu sein. Und kurz darauf haben wir sie auch schon gefunden. Le Cap Breton – eine kleine, sehr gemütliche Crêperie mit einer feinen Auswahl. Mein Highlight – Crêpes mit Spekulatius-Aufstrich! WOW!

Gestärkt sind wir dann doch noch für eine weitere Erkundung bereit. Nachdem wir gestern schon daran vorbei gelaufen sind, statten wir den Kaufhäusern La Fayette heute einen Besuch ab. Da wir aber nicht wirklich etwas suchen, schlurfen wir ein wenig ziellos durch die Gänge und Auslagen. Alles schön, aber auch das gleich wie in jeder anderen grossen Stadt. Also doch Rückzug ins Hotel, der Zuckerschub lässt nach und wir brauchen doch mal eine Pause im Hotelzimmer.

Am Abend entscheiden wir uns für ein kleines Restaurant in der Nähe des Hotels. Der Service ist zwar okay, aber das Essen und die Einrichtung leider nur so lala. Wir sind nicht zufrieden mit unserer Wahl und ärgern uns ein bisschen. Dafür hatten wir während des Essens gute Unterhaltung: unser Fensterplatz hat es uns ermöglicht, die „Parkkünste“ der Pariser live und hautnah mitzuerleben. Frei nach dem Motto „Was nicht passt, wird passend gemacht“ lässt sich auch ein VW Sharan in eine Lücke bringen, die vorher als (für deutsche/schweizer Verhältnisse) normaler Parkplatz für einen Smart gereicht hat. Einfach einmal hinten, einmal vorne dran fahren und die anderen Autos ein wenig zur Seite schieben, dann ist doch für alle Platz. Beeindruckend. Ob ich so auch durch die Fahrprüfung gekommen wäre?

15. April: Zwischen Business-Quartier und vermeintlich grünen Oasen

Frühstücken und los – auch heute ist das wieder unser Motto. Mit der Metro geht’s diesmal aus dem Zentrum, über die Seine, bis zur Station des gleichnamigen Hochhausviertels La Défense. Es ist noch früh und so sind nicht all zu viele Touristen unterwegs. Zudem ist Sonntag, also bleiben auch die Massen an Angestellten aus, die in dieser Bürostadt arbeiten und wir haben hier tatsächlich ein wenig unsere Ruhe. Fast für uns ganz alleine steigen wir die Treppen zur Grande Arche hinauf. Nur wenige Leute stehen am Kartenverkauf für den Fahrstuhl an, der unter dem Bogen markant nach oben führt. Wir bleiben aber lieber unten und geniessen die Ausblicke in alle Richtungen.

Die Grande Arche – quasi der Arc de Triomphe in modern – ist Teil der bereits oben erwähnten Axe historique. Wenn wir Richtung „Zentrum“ blicken, können wir von hier den Arc de Triomphe erkennen. In die andere Richtung ist der Ausblick nicht ganz so spektakulär, aber dennoch schön. Da das Les Quatre Temps auch Sonntags geöffnet hat, schlendern wir anschliessend noch ein wenig durch die Gänge, bevor wir unseren weiteren Weg wieder im Freien fortsetzen. Immer der Axe historique Richtung Triumphbogen entlang laufen wir an riesigen Bürogebäuden und diversen Skulpturen vorbei. Sicherlich könnte man hier Stunden verbringen, um sich Architektur und Kunst anzusehen. Wir begnügen uns mit dem, was unser gerade so auf dem Weg ins Blickfeld kommt.

Zu Fuss überqueren wir wieder die Seine nach Neully und biegen kurz darauf nach rechts ab, um zum Park Bois de Boulogne zu gelangen. Irgendwie sehnen wir uns nach ein wenig schöner Natur. Aber schon nach kurzer Zeit merken wir, dass das hier nicht ganz das ist, was wir unter schön verstehen. Der zweitgrösste Stadtpark der Welt ist für unser Verständnis total künstlich gestaltet und eher ein Vergnügungspark. Zudem gibt es viele Strassen, die kreuz und quer durch das Gelände verlaufen und – Sonntag Nachmittag natürlich – viel zu viele Menschen. Hunderte und tauschende von Parisern kommen hier her zum reiten, velofahren, joggen, inlineskaten oder einfach nur, um zu picknicken und spazieren zu gehen.

Das ist die Vergnügungsseite des Parks. Sobald es dunkel wird verwandeln sich aber anscheinend einige Ecken in den Strassenstrich von Paris – tagsüber hui, abends pfui. Wir mögen dieses Stückchen von Paris so gar nicht und sind froh, als wir an der Avenue Ingres diesen Tummelplatz verlassen können.

Nach einer kurzen Pause schlängeln wir uns durch die Strassen des 16. Arrondissement bis an die Seine. Bereits am Morgen haben wir an der Metrostation viele Leute gesehen, die T-Shirts mit der Aufschrift: The Color Run getragen haben. Mittlerweile sehen wir immer mehr Menschen in Laufbekleidung, die von oben bis unten ganz bunt eingestäubt sind. Wir wundern uns ein wenig – aber das klärt sich auf, als wir in die Nähe der Pont d’Iéna gegenüber des Eiffelturms und zum Park Jardins du Trocadéro kommen. Hier findet heute eine riesige Laufveranstaltung statt. Die Laufstrecke ist fünf Kilometer lang und bei jedem gelaufenen Kilometer wartet auf die Teilnehmer eine „Dusche“ mit Farbpuder in grün, blau oder pink.

Am Park Jardins du Trocadéro ist eine riesige Bühne aufgebaut, die Musik dröhnt und überall schwirrt Farbpulver durch die Luft. Da wir keine Lust haben, auch so bestäubt zu werden, müssen wir einmal quer durch den Park ausweichen, um unseren Weg an der Seine fortsetzen zu können.

Am rechten Seine-Ufer laufen wir den ganzen Weg bis zum Louvre. Wieder durchqueren wir den Innenhof, diesmal schenken wir den Touristenmassen aber ein bisschen weniger Aufmerksamkeit, denn nach dem viele Gelaufe macht sich unser Pariser Nachmittagshunger bemerkbar. Mit gekonnter Nase steuern wir eine weitere Filiale der Framboise Crêperie an.

Und dann? Ein langer Weg quer durch das 1., 8. und 17. Arrondissement bis zum Le Tsuba Hotel. Am Abend finden wir mit Da Franco einen herrlichen kleinen Italiener mit perfektem Service, hausgemachten Teigwaren und bezahlbaren Preisen. Ein perfekter Abschluss unseres letzten Tages in Paris.

Und jetzt?

Jetzt waren wir also in Paris. Was immer als erstes kommt, wenn man wieder zurück ist, ist die Fragen: „Und, wie war’s?“ Ja, wie war’s eigentlich? An unserem Ankunftstag hatten wir beide sicherlich einen kleinen „Kulturschock“ zu überwinden. Naja, vielleicht sollte man es eher als „Städteschock“ bezeichnen. Wir zwei Landeier haben einfach nicht gerne sooo viele Menschen auf einmal um uns herum. In einer Millionenstadt wie Paris fühlt man sich da schnell einmal überfordert oder unwohl. Nachdem der erste Schock überwunden war, konnten wir uns aber auf das „sich treiben lassen“ einlassen, eine Fahrt in der Metro geniessen oder das Gedrängel im La Fayette mitmachen.

An den Hotspots haben wir uns stets die ruhigeren Plätze ausserhalb der grossen Touristen-Ströme gesucht und das Treiben aus etwas Entfernung betrachtet. Wir haben kein einziges Museum besucht, waren weder auf der Grande Arche, auf dem Arc de Triomphe oder auf dem Eiffelturm. Wir haben keine Seine-Rundfahrt gemacht oder uns ein Velib (Leihrad) gemietet. Eigentlich haben wir keines der so vielfach angepriesenen Highlights mitgemacht, die in jedem Reiseführer erwähnt sind.

Aber wir haben (fast) alles gesehen, was wir wollten. Wir waren an den Plätzen, die uns wichtig waren, wir haben uns treiben lassen und die Erlebnisse auf uns zukommen lassen. Das ist unsere Art, eine neue Stadt zu entdecken. Und Paris kennen wir nun nach bis zu run 20 Kilometern pro Tag zu Fuss ganz gut.

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