Via Alpina

1. Tag: Meiringen – Grindelwald

Ich starte in Biberbrugg mit dem Zug Richtung Meiringen und die Fahrt über den Brünigpass wäre bei weniger Wolken wohl noch schöner. Mit dem Bus überwinde ich die ersten 300 Höhenmeter und ab dem Zwirgi geht meine Wanderung richtig los. Immer wieder die Strasse querend komme ich dem höchsten Punkt dieses Tages – der Grossen Scheidegg (1962 m) näher. Oben angekommen werde ich mit einem wunderbaren Blick nach Grindelwald belohnt. Beim Abstieg ist genug Zeit für eine kleine Einkehr in der Ischbodenhitta, um den ersten Tag Revue passieren zu lassen.

Zurück in der Zivilisation schluckt einen sofort die Touristenatmosphäre. Nachdem ich meine Unterkunft gefunden habe geht es auf zu einer Runde Kaffee im Ort. Am Abend will ich am Fluss meine Würtschen fürs z´Nacht grillieren, doch der Regen vom Vorabend macht mir mit feuchtem Brennholz einen Strich durch die Rechnung. So endet der erste Abend mit kalten Würstchen, aber dafür einem wunderschönen Sonnenuntergang am rauschenden Fluss bei Grindelwald.

Aufstieg: 1100 hm
Abstieg: 1000 hm

2. Tag: Grindelwald – Mürren (Pension Sonnenberg)

Am zweiten Tag starte ich um 7 Uhr , während das Dorf still im Schatten der Berge liegt. Ich komme gut voran und geniesse es, den Weg ganz für mich alleine zu haben. Nachdem sich die Wolken des Vortages verzogen haben ist mir der Blick auf den Eiger gewährt. Bei Alpiglen entscheide ich mich den Originalverlauf der Via Alpina zu verlassen, um den Eiger-Trail zu laufen. Die zusätzlichen 30o Höhenmeter, die mir diese Entscheidung beschert bereue ich nicht, denn der Weg ist wunderschön und die Traverse direkt unterhalb der Eiger Nordwand ist jeden Höhenmeter wert.

Etwas müde komme ich an der Kleinen Scheidegg an, doch zu einer längere Pause kann mich hier nichts halten. Der alpine Spielplatz Kleine Scheidegg, ein spezielles Ambiente, dem ich schnell entfliehen will. Ich trete den Abstieg Richtung Stechelberg an und lege erst spät eine ausgiebige Pause ein – auf einem einsamen Bänklein mit Blick über Eiger, Mönch und Jungfrau.

Die 1500 Höhenmeter im Abstieg zehren an Geduld, Kraft und Durchhaltevermögen und die brütende Nachmittagshitze trägt den Rest dazu bei. Der Weg bleibt zwar spannend und führt mich durch eine tiefe Schlucht oberhalb der Trümmelbacher Wasserfälle, im Tal angekommen weigern sich meine Füsse jedoch den letzten Kilometer zur Schilthornbahn auf Asphalt zurückzulegen. Zum Glück kommt genau in diesem Moment der Bus

Mürren ist ein kleiner Ort mit verwinkelten Gässchen und rustikalen Häuser. Ich verlasse ihn jedoch bald, nehme die Allmendhubelbahn und erreiche nach kurzer Gehzeit meine Unterkunft. Die Pension Sonnenberg liegt oberhalb von Mürren mit wunderschönem Blick auf die umliegenden Berge und bietet dabei noch alles, was ich mir nach so einem Tag wünsche: Dusche, Kaffee,  leckeres Essen.

Beim Abendessen lerne ich Philippe kennen. Ein Franzose, der schon seit einiger Zeit auf der Via Alpina unterwegs ist. Wir verbringen einen netten Abend und werden am nächsten Tag die gleiche Etappe zurücklegen.

Aufstieg: 1400 hm
Abstieg: 1500 hm

3. Tag: Mürren – Bundalp

Von der Pension Sonnenberg starte ich am Morgen Richtung Schilt und halte mich Richtung Rotstockhütte. Der Wanderweg ist gemütlcih und zieht sich entspannt dem Hang entlang. Bei Sonne pur mache ich mich von dort aus weiter auf den Weg zur Sefinafurgga (2612 m). Der Weg dorthin verläuft erst durch ein flaches Hochtal und endet in einem steilen Schlussanstieg zur Furge. Dort oben warte ich auf Philippe und zusammen gönnen wir uns dort oben die Mittagspause. Danach steigen wir über Treppen, Schuttwegen und später wieder Fahrstrassen nach Bundstäg ab. Dort heisstes Endspurt und ich nehme den 400-Höhenmeter-Schlussanstieg zur Bundalp in Angriff.

Der Abend auf der Bundalp wird wieder lustig, doch am nächsten Tag muss ich mich von Philippe verabschieden, der zur Griesalp absteigt, um Freunde zu treffen.

4. Tag: Bundalp – Oeschinensee

Wieder alleine mache ich mich an meine letzte grosse Etappe. Am Morgen starte ich von der Bundalp Richtung Blüemlisalphütte, die auf 2834 m liegt und somit der höchste Punkt meiner Wanderung ist. Der Aufstieg klappt gut und die Stufen und Tritte kurz vor dem Hohtürli kann ich ohne Probleme überwinden. Da diese Etappe die kürzeste von allen ist gönne ich mir mit Kaffee und Kuchen eine zweistündige Ruhepause auf der Terrasse der Blüemlisalphütte und steige danach entspannt Richtung Kandersteg ab.

Kurz oberhalb des Oeschinensees, der mit seiner wunderschönen blauen Farbe besticht liegt meine Unterkunft, das Bärgbeizli Unterbärgli. Das Lager habe ich in dieser Nacht ganz für mich alleine, da ich der einzige Gast bin und mit den Wirtsleuten verbringe ich einen unvergesslichen Abend auf der Terrasse bei gutem Essen und leckeren Wein.

5. Tag:  Oeschinensee – Kandersteg

Am letzten Tag meiner Wanderung wartet nur noch der kurze Abstieg nach Kandersteg auf mich. Nach einem gemütlichen Frühstück treffe ich zufällig nochmal auf Philippe, der auf dem Weg nach Adelboden ist und wir verabschieden uns ein letzets Mal. Auf Wegspuren (der Kuhweg) steige ich auf zum Wanderweg Richtung Heuberg und geniesse von dort die abschliessende Aussicht über den Oeschinensee in der Vormittagssonne. Der anschliessende Weg nach Kandersteg ist einfach und dauert gerade einmal noch eine gute Stunde und so erreiche ich noch am Vormittag den Zug.

Fazit nach fünf Tagen unterwegs auf der Via Alpina: einzigartige Bergwelten, lange Touren, Mut zum Alleingang, unvergessliche Bekanntschaften, müde Beine und die Lust auf eine Fortsetzung!

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