Sonne, Regen und Pyramiden im Val d’Hérens

Nach unserem gestrigen Ausflug in die Welt der Reichen und Schönen starten wir heute direkt mit den Rennvelos vor der Haustüre unserer Ferienwohnung in Les Agettes. Erstes Ziel nach einer kurzen Abfahrt ist das auf rund 1000 Metern gelegene Vex, ein kleines Dörfchen im typischen Walliser Stil am Eingang des langen Val d’Hérens. Wir sind erst einmal optimistisch und hoffen, dass das Wetter so bleibt – auf die Prognosen ist zurzeit nur bedingt Verlass und nicht selten kommt das angekündigte Gewitter gar nicht oder aber man wird von einem Regenguss überrascht, den man so überhaupt nicht auf dem Radar hatte.

Die Strasse schlängelt sich in einigen Kehren hinunter in den Ortskern von Vex. Wir biegen aber kurz vorher schon ab und bleiben auf der parallel zur Hauptstrasse, aber etwas höher entlang führenden Strasse in Richtung Hérémence. Hier geht’s direkt mal mit ein paar Höhenmetern zur Sache, bevor man kurz vor dem idyllischen kleinen Ort eine Höhe von rund 1300 m erreicht hat und diese auch erst einmal bis kurz nach Mâche beibehält. Durch eine Lawinengalerie gelangen wir so ein wenig später in das hoch über dem Tal gelegene Örtchen, das mit wenig Verkehr, vielen typischen Walliser Häusern und im Hintergrund mit einer schwarzen Wolkenwand glänzt.

Schon ahnend, dass da noch was kommen wird (in Form von unwillkommenen Duschen von oben) biegen wir an einer kleinen Kreuzung am Ortsausgang von Mâche ab und können nun erstmal ein paar Kilometer Abfahrt auf einer kleinen Verbindungsstrasse geniessen, die uns hinunter auf die Hauptstrasse ins Val d’Hérens bringt. Kurz hinter Euseigne ist dann aber mit dem Beine hochlegen Schluss und wir müssen wieder selber strampeln, um die kommenden Kilometer hinauf nach Évolène in Angriff zu nehmen.

Ein Stückchen fahren wir nun zusammen, kurz nachdem die Strasse dann auf die linke Seite des Flusses La Borgne gewechselt hat, gehe ich Marina aber mit meinem Gesang, dämlichen Bemerkungen und Geräuschen wohl doch eher auf die Nerven (sie redet bergauf immer so wenig mit mir…). Also fahre ich erstmal alleine weiter und hänge beim Hinauffahren auf der rund 7-10% steilen Strasse meinen Gedanken hinterher. Es geht durch eine Galerie und später noch einem Tunnel, den ich blöderweise in Ermangelung einer Leuchteinheit als schwarzes Gespenst durchfahren muss – er ist aber zum Glück recht kurz und so lässt sich die Sache mit der Augen-zu-und-durch-Methode bewältigen. Nun folgen noch ein paar Kurven, gefolgt von den ersten dicken Regentropfen, die auf meinen Helm klopfen, und dann bin ich schon am Ortseingang von Évolène. Ich halte an und schaue mir das schwarze Zeugs weiter hinten im Tal an. Das sieht irgendwie nicht so aus als sollte das heute noch was werden mit Arolla, dem eigentlichen Ziel der ganzen Aktion. Auch ein Blick auf das Radar im Smartphone ist recht ernüchternd und so folgt nach einem Müsliriegel der geordnete Rückzug.

Nach kurzer Zeit kommt mir dann auch schon Marina entgegen und wir beratschlagen zusammen (ich nass, sie interessanterweise völlig trocken, obwohl wir nur wenige hundert Meter auseinander waren), was wir nun machen könnten. Da heute aber auch nicht unbedingt Marinas bester Tag ist, beschliessen wir zurück zu fahren und noch einen kurzen Stop bei den Erdpyramiden von Euseigne zu machen. Bis kurz vor Euseigne können wir es nun rollen lassen, ich kann wieder singen und Tiergeräusche von mir geben (unter anderem berichtete mir Marina später von Enten, Hunden und summenden Bienen, die sie wahrgenommen habe) und nach einer Linkskurve heisst es dann anhalten und ein paar Fotos von diesen seltsamen pyramidenförmigen  Formationen machen.

Anschliessend kurven wir um ein paar riesige Pferdeäpfelhaufen auf der Strasse herum, sichten in der Kehre bei Sauterot auch die offensichtlichen Erzeuger dieses Materials und fahren dann ohne weitere nennenswerte Ereignisse bis nach Vex. Hier müssen wir nun in der Ortsmitte scharf nach links abbiegen und dann geht es über ein paar Serpentinen durch die Häuser hinauf in Richtung Les Agettes. Ich mache mich wieder vom Acker und fahre mein eigenes Tempo. Kurz vor unserer Ferienwohnung entschliesse ich mich dann noch spontan zur Weiterfahrt (Marina hat den Schlüssel für die Wohnung, ich bin also safe) und schleiche alsbald mit nicht erwähnenswerter Geschwindigkeit die sehr steil werdende kleine Strasse hinauf in Richtung Les Collons.

350 Höhenmeter und ein paar Kehren später stehe ich dann auf einer kleinen Brücke direkt oberhalb von zwei senkrecht ins Tal führenden Wasserleitungen auf exakt 1500 m Höhe und beschliesse, dass es reicht. Ich weiss auch nicht so genau, wie es jetzt hier weitergeht. Natürlich könnte ich auf die Karte schauen, aber da ich ein fauler Mensch bin, verwerfe ich die Option zugunsten einer schönen Abfahrt zurück zur Ferienwohnung.

Später am Nachmittag fahren wir frisch geduscht noch mit dem Auto durch das Val d’Hérens hinauf nach Arolla und sind heilfroh, dass wir nicht mit den Rennvelos hier hinauf gekommen sind. Die Strasse ist in einem erbärmlichen Zustand und mit Rissen und Schlaglöchern übersät. Das hätte definitiv keinen Spass gemacht und wäre vor allem beim Runterfahren auch recht gefährlich und ungemütlich geworden. So sind wir ganz froh, dass es jetzt so gelaufen ist und wir trotzdem eine kürzere, aber schöne Velotour machen konnten.

Details zur Route

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