Von Road- zum Mountainbike – mit ein bisschen Hilfe

Im meinem letzten Artikel zu unserer Rennvelo Tour im Wallis habe ich ja bereits eine Andeutung zum Nachspiel für meine Rad-Technik gemacht. Nun ja, ganz ohne Folgen blieb die Erkenntnis, ich sollte mein Rad besser beherrschen können nicht. Das Ziel, mehr Gefühl, Kontrolle und Vertrauen ins Rad zu bekommen will ich übers Moutainbike erreichen. Rumpelige Wege, steileres Gelände und kurzweilige Abfahrten sollen mich also enger mit meinem Rad verbinden.

Blöd nur, dass ich nur ein zehn Jahre altes Mountainbike in der Garage stehen hab, das seit Jahren schon Dornröschenschlaf hält. Mit der Mühle habe ich keine Lust, biken zu lernen. Schliesslich ist der Grund für die Nutzlosigkeit dieses Geräts dem Umstand geschuldet, dass ich mich darauf niemals wirklich wohl gefühlt habe. Aber das letzte Jahrzehnt hat so einiges an Neuerungen vorgebracht und so fahren wir kurzentschlossen zum Velohändler unseres Vertrauens und checken die Mountainbikes vor Ort mal ab. Am Ende gehe ich mit einem knallroten Focus Fully mit 29″ Laufrädern und einem etwas leichteren Geldbeutel nach Hause.

Erster Fehlversuch und Konsequenzen

Gut, jetzt habe ich also ein Bike, keine Ahnung vom Biken und einen höllischen Respekt davor. Die erste Trainingseinheit in Oberiberg wird direkt zum Desaster. Falko: “Komm, wir fahren einen kleinen Wanderweg am Dorfrand. Ganz einfach, das schaffst du locker.” Das Ende vom Lied – nachdem ich die Hälfte des maximal 200m langen Weges hinunter gestrauchelt bin, sitze ich genervt zu Hause. Irgendwas muss also passieren.

“Lehreinheiten” in der eigenen Beziehung sind nicht immer einfach, darum entschliesse ich mich für einen MTB Kurs bei einer Bike-Schule. Dafür muss ich nicht mal weit weg fahren: in Pfäffikon SZ hat Bella Bike ihren Sitz, es steht auch demnächst noch ein Einsteigerkurs auf dem Kursprogramm und schon bin ich angemeldet. Bis dahin ruckeln wir noch ein bisschen auf Forst- und Alpwegen herum und üben in einfachem Stil die ersten Grundlagen.

Mountainbike Kurs bei Bella Bike

An einem wettermässig durchwachsenen Sonntag ist es dann soweit. Bike ins Auto und ab Richtung Zürichsee. Der Kursort von Bella Bike ist schnell gefunden und siehe da, ausser mir haben sich noch drei weitere Mädels angemeldet (obwohl es nicht als Lady-Bikekurs ausgeschrieben war). Unser Guide für heute ist Sarah Heilig, die Chefin bei Bella Bike. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, Sicherheitscheck und dem Luftdruck-Check geht’s auch direkt los. Über kleinere und grössere Wege verlassen wir den Ort und fahren (oder schieben ) durch ein kurzes Waldstück. Am Ende geht es am Waldrand einen kurzen, aber steilen Hügel hinauf – perfekt für die erste Übung: Anfahren am Hang.

Und genau mein Ding. Sarah erklärt uns die Technik aber sehr genau und hilft beim ersten Versuch auch mal, damit ich nicht umkippe. Oben geht’s dann weiter Richtung Übungsplatz, auf dem wir den restlichen Vormittag verbringen werden.

Übung macht – noch keinen Meister

Zum warm werden gibt’s ein paar Gleichgewichtsübungen, die nach ein paar Anläufen auch ganz gut funktionieren. Im Anschluss geht’s darum, enge Kurven zu fahren. Dieses Kapitel möchte ich nicht all zu sehr ausführen, oder doch lieber ganz streichen? Ich bin einfach schlecht darin. Obwohl ich mir für den Kurs extra Flatpedals zugelegt habe (da ich sonst nur mit Klicks fahre), habe ich immer Angst, um enge Kurven zu fahren.

Weiter geht es mit Vorderrad anheben (über ein Hölzchen hinweg). Dann auch Hinterrad anheben – das ist schon nicht mehr so einfach. Neue Übung: über eine erhöhte eine Holzplanke. Diese Übung beschäftigt unsere Gruppe noch einige Zeit in verschiedensten Varianten: steilere oder höhere Auffahrt, längere Planken, wippend und so weiter und so fort. Das klappt aber ganz gut und nach meinem misslungenen Einstieg beim Kurven fahren sehe ich doch wieder etwas Licht.

Letzte Übung für den Vormittag: Fünf Stufen runter fahren! Nach einer eindrücklichen Demonstration von Sarah wissen wir nun – theoretisch – wie es funktioniert. Beim ersten Versuch bin ich eher zaghaft, bremse ab und fahre sehr langsam hinunter. Aber ich fahre und am Ende stehe ich auch noch. Erleichterung. Beim zweiten Versuch klappt es schon besser und irgendwie ist es doch einfacher als gedacht. Bei allen anderen klappt’s auch super und gut gelaunt radeln wir zu unserer Mittagspause im Restaurant Seefeld in Hurden.

Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis

Gut gestärkt und eingepackt (mittlerweile hat es leider doch angefangen zu regnen) machen wir uns nach einer guten Stunde wieder auf den Weg. Nun gilt es das Gelernte im Gelände umzusetzen. Ich bin das, was man nicht gerade entspannt nennt. Aber um weiter üben zu können, wie man den Berg runter fährt müssen wir erst einmal wieder nach oben kommen. Und das tun wir erst einmal grösstenteils auf der Strasse – und da fühle ich mich wohl.

Irgendwo oberhalb von Pfäffikon verlassen wir den “sicheren” Asphalt und stechen wieder ins Gelände. Bevor wir uns an die Abfahrt machen, schieben aber wir noch eine Übung ein, denn auch Bremsen will gelernt sein. Auf einem Waldweg – der jetzt durch den Regen schön rutschig ist – darf jeder von uns ein paar Vollbremsungen hinlegen. Ziel: hinter dem Sattel absteigen. Klingt einfach, ist es aber gar nicht unbedingt, denn die Reflexe verlangen etwas anderes. Mit ein bisschen Mut und Überwindung klappt es dann aber doch.

Und schon geht’s weiter. Nach ein paar einfacheren Wanderwegabschnitten nehmen wir uns ein etwas steileres Stück vor. Diesmal sollen wir nicht hinter dem Sattel ab- sondern aufsteigen und dann die steile, mit Steinen und Grasbüscheln durchsetzte Passage fahren. Während meine Mitstreiterinnen die Passage meistern und schon zum zweiten mal hinunter rumpeln, hadere ich doch sehr. Ist das wirklich mein Ziel, so etwas zu fahren? Ich traue mich nicht und ärgere mich über mich selbst. Sarah gibt mir ein wenig Hilfestellung und am Schluss komme ich dann doch noch unten an – fahrend und in ganzen Stücken.

Die restliche Zeit verbringen wir mit dem Fahren verschiedener Trails auf welchen wir immer wieder Übungen einbauen – Absteigen und wieder weiterfahren im steilen Gelände, Kurven, Treppen, über Stock und Stein. Es macht Spass, kostet aber sehr viel Konzentration und immer wieder Überwindung.

Als wir um ca. 16 Uhr den letzten Trail verlassen und auf Forstwegen und kleinen Strassen zurück zu unserem Ausgangspunkt fahren bin ich wirklich erledigt. Wir putzen noch unsere Bikes, bevor jeder wieder in seine Richtung verfliegt.

Mein Fazit. Hat es sich gelohnt? Hab ich was gelernt? Hat es Spass gemacht? Ja, ja und ja! Klar, ich werde wohl nie die Profi-Bikerin werden. Aber ich habe an diesem Tag so einiges gelernt. Ich weiss, wie ich mit meinem Bike umgehen kann, wie ich reagieren sollte und was ich lieber bleiben lasse. Ich habe Dinge ausprobiert, die ich im Zweiergespann mit Falko niemals versucht hätte. Viel früher wäre mir die Lust am Üben vergangen und ich wäre innerhalb so kurzer Zeit niemals so weit gekommen. Natürlich sind das jetzt erst einmal die Grundlage – jetzt heisst es üben, üben und nochmals üben.

Übrigens: Einige Wochen nach dem Kurs habe ich mir den kleinen Wanderweg am Dorfrand nochmals vorgenommen – und es hat geklappt. Nach einer Übungsrunde konnte ich das Stück hoch und runter durchfahren! Es hat sich also auf jeden Fall gelohnt. Vielleicht wird das ja doch noch was – das mit mir und dem Biken.

Details zur Route

  • 17. Juni 2018
  • 25 kilometers
  • 400 Höhenmeter
  • Schweiz
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Sattelegg

Als Kantons-Feiertäglerin hab ich heute frei, während Falko arbeiten muss. Die freie Zeit und das gute Wetter nutze ich für eine längere Rundfahrt über die Sattelegg aus dem Wägital.

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