Panoramabiken an der Alp Muntatsch

Wer sein Bike liebt, der schiebt. Ein erster Ausflug mit dem Mountainbike in alpinere Lagen bei der Alp Muntatsch zeigt Grenzen auf, motiviert aber auch zum Weitermachen und zum Geniessen der atemberaubenden Aussicht. 

Ein spontaner Campingausflug führt uns wieder einmal ins Engadin. Mit Zelt und Moutainbikes verbringen wir den 1. August inklusive verlängertem  Brückenwochenende auf dem Camping Morteratsch bei Pontresina.

Wir freuen uns über den Regen

Nachdem es in den letzten Wochen fürchterlich heiss und trocken war, freuen wir uns hier auf ein paar Tage mit etwas Abkühlung. Und unser Flehen ist erhört worden. Direkt noch am ersten Abend platzt ein heftiges Gewitter los und lässt die 1. August-Feiern 🇨🇭 erst mal so richtig ins Wasser fallen. Auch wenn das natürlich nicht schön ist – wir freuen uns tierisch, dass es endlich mal wieder regnet und die Temperaturen am Abend weit unter 20°C fallen. Nach einer Eingewöhnungsrunde mit den Mountainbikes am 2. August rund um St. Moritz entscheiden wir uns heute dafür, zur Alp Muntatsch oberhalb von Samedan zu fahren.

Vom Zeltplatz starten wir und rollen erst einmal bergab in Richtung Pontresina. Wir fahren durch den schönen, lebendigen Ort und biegen rechts in ein Wohngebiet ab, bevor wir wieder auf die Kantonsstrasse treffen würden. Hier folgen wir einer Naturstrasse bis kurz vor Punt Muragl. Und dann wird es für 300 Meter richtig gemein. Die Steigung zieht von 0 auf gefühlte 25% an Ob das wirklich so ist, weiss ich nicht, aber meine Beine haben hier ziemlich zu kämpfen. Kaum losgefahren quäle ich mich also bereits jetzt im “Maria-Hilf”-Gang herum und bin mir nicht sicher, wie weit ich die Grenze zwischen Langsamfahren oder Umfallen noch ausreizen kann. Dann endlich kommt der ersehnte Abzweig nach links und wir biegen in einen Forstweg ein. Geschafft – ohne Umfallen. Jetzt können wir es laufen lassen. Die Forststrasse bringt uns direkt an den Fluss Flaz und kurz darauf erreichen wir bereits Samedan.

Auch in Kuchen steckt Energie

Rasch finden wir die ersten Wegweiser zu unserer Route. Heute folgen wir einfach der Moutainbike Route Nr. 672 von Schweizmobil. Gleich im Dorf zieht die Strasse etwas an und wir entscheiden uns, nachdem klar ist, wo es nun definitiv lang geht, wieder für die Variante “Falko schnell, Marina langsam”. Irgendwo auf der Strecke werden wir uns dann schon wieder treffen. Nachdem Falko also innerhalb weniger Sekunden aus meinem Sichtbereich verschwunden ist, strample ich alleine weiter und tauche kurz danach in den lichten Wald oberhalb von Samedan ein. Ich bin über jedes Bäumchen froh, welches mir etwas Schatten spendet und die Mittagshitze etwas erträglicher macht. Die Steigung ist zwar okay, aber auch nichts zum gemütlich dahinfahren. Ich muss schon am Ball bleiben und bin doch ganz schön angestrengt. Immerhin schaffe ich es noch zwei Wanderer zu überholen.

Kurz vor der letzten Zielgeraden kommt mir dann Falko entgegen. Ich habe die Baumgrenze noch nicht hinter mir gelassen, aber was solls. Ich bin mal gespannt, wie weit es noch ist. Mittlerweile tut mir nämlich schon alles weh – Rücken, Füsse, Schultern und ich will nur noch ankommen. Gemeinsam wackeln wir um die nächste Serpentine und dann sieht man sie auch schon, die Alp Muntatsch. Noch ein paar Minuten auf der holprigen Naturstrasse, dann ist es geschafft.

Oben angekommen stellen wir die Räder zur Seite und machen es uns erst mal im Schatten gemütlich. Wir entscheiden aufgrund der fortgeschrittenen Mittagszeit und der Hitze, hier eine Pause einzulegen. Die nächste halbe Stunde vertreiben wir uns dann mit frischer Apfelschorle und einem riesigen Stück Marmorkuchen. Mein Stimmungsbarometer steigt und meine Energiereserven sind gefüllt.

So gestärkt sage ich Ja zu der Idee, auf der Route weiter zu fahren Richtung Marguns. Ich denke mir, dass ich das schon irgendwie schaffen werde. Denn die nächsten Kilometer unserer Tour führen über den Höhenweg unterhalb des Piz Padella entlang. Der Anfang klappt eigentlich ganz gut und ich freue mich darüber, doch längere Stücke des Wanderweges fahren zu können. Cool! Aber nach circa einem Kilometer wendet sich das Blatt. Der Weg, der bis hier in den kleinen Talkesseln hinein geführt hat, führt jetzt eben wieder hinaus. Und damit ergibt es sich eben, dass ich jetzt nicht mehr auf Grasflanken vor mir blicke, sondern ins offene Panorama. Und ab diesem Zeitpunkt macht mein Kopf dicht. Ich bekomme Angst. Und das ist ja wohl das blödeste, was einem beim Biken im Nacken sitzen kann. Ich werde unentspannt und wackle immer mehr rum. Gut, dann muss ich eben schieben.

I love my Bike!

Wer sein Rad liebt, der schiebt. Mann, ich muss echt verschossen sein in mein Bike. Denn der Panoramaweg ist lang. Hin und wieder versuche ich zwar, auf flacheren Stücken wieder in den Sattel zu kommen, aber schnell muss ich einsehen, dass es einfach nicht geht. Also laufe ich und bekomme bald Blasen, da meine Bikeschuhe zwar zum Laufen, aber nicht für lange Wanderungen gedacht sind. Die Stimmung und die Energiereserven schwinden und eigentlich will ich nur noch ankommen. Auch die Abfahrt vom Munt de la Bês-cha gelingt mir nicht besser. Immer wieder steige ich genervt ab und schiebe mein Bike den Weg entlang. Falko zeigt eine Engelsgeduld, fährt immer wieder ein Stückchen voraus, wartet auf mich und redet mir gut zu. Er will mich immer wieder ermutigen, dass ich es nochmals versuche weiter zu fahren, aber ich habe einfach keinen Nerv mehr dafür.

Die letzten Höhenmeter nach Marguns hinunter erlauben es dann sogar mir wieder in den Sattel zu kommen.. Genervt und völlig erledigt kommen wir endlich an. Im Restaurant bestellen wir uns erst mal etwas Leckeres zu Essen und lassen die letzte Stunde Revue passieren. Meine Sicht: “So ein Mist aber auch. Ich bin einfach so schlecht.” Falko: “Ist doch okay. Du bist 800 Höhenmeter hoch gefahren – ohne Akku! Die Aussicht war schön und jetzt wissen wir, was du noch nicht kannst.” Ich liebe diese Sichtweise – danke!

Im Anschluss machen wir es uns für einmal einfach. Wir fahren nicht die Route 672 weiter, sondern lassen es ganz locker flockig die Naturstrasse von Marguns über die Alp Laret bis nach Celerina hinunter rollen. Was für ein Spass – und das kann ich auch ganz gut!

Abgesehen von meiner Wandereinlage auf dem Panoramatrail war die Tour wirklich super. An meiner Technik sollte ich wohl noch arbeiten, dann machen die Trails irgendwann sicherlich auch mal Spass. Ich bleib auf jeden Fall dran! Trotzdem habe ich unseren Ausflug genossen und die Aussicht über das Oberengadin von dort oben ist einfach wunderschön. Und am Abend gibt’s auf dem Zeltplatz für’s Durchhalten und zur Belohnung wieder ein Gewitter!

Details zur Route

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