Rollsplitt-Intermezzo im Tessiner Val Malvaglia

Bevor wir das malerische Val Malvaglia im Tessin erreichen, müssen wir verschiedene Hindernisse in Form von klebrigem Rollsplit und stockfinsteren Tunnelröhren meistern. 

Eine Woche Ferien im Tessin neigt sich leider bereits langsam dem Ende zu. Dabei hätten wir hier noch so viele Touren, die wir gerne fahren würden. Zum Abschluss entschieden wir uns dafür, das Erkundung des Val Malvaglia zu erkunden.

Zum Start geht’s 350 Höhenmeter bergab

Starten können wir direkt an unserer Ferienwohnung in Leontica. Das bedeutet, dass zuerst eine haarnadelkurvige Abfahrt auf uns wartet. Dieses Mal schlagen wir den direkten Weg nach Aquarossa ein. Diese Strasse ist etwas schmaler als der Weg über Corsonesco, aber auch extrem schön zum ins Tal rollen.

Unten angekommen fahren wir über den kleinen Ort Motto weiter und biegen anschliessend in das “Zentrum” von Malvaglia ein. Den Abzweig ins Val Malvaglia finden wir zum Glück ohne Probleme und gleich hinter dem Schild fängt auch schon die Steigung an. Also verabschieden wir uns erstmal voneinander, jeder von uns fährt in seinem eigenen Tempo weiter. Mal sehen, wo wir uns wieder begegnen werden.

Die ersten Serpentinen, die ich hinter mir lasse, führen mich mal durch lichten Wald, mal an einer kleinen Ansammlung von Häusern oder an ein paar Weinreben vorbei. Alles in allem ist die Steigung nicht all zu bissig und ich kann entspannt vor mich hin trampeln. Nach knappen 15 Minuten Fahrtzeit komme ich an einem Abzweig vorbei. Hier könnten wir noch ins Val Pontirone fahren, einer Tour, die definitiv auch noch auf unserer Tessin-Wunsch-Liste steht. Leider nicht mehr für diese Ferienwoche. Jetzt folge ich aber erst mal dem Wegweiser, der mich weiter nach links ins Val Malvaglia schickt. Noch einmal quere ich oberhalb des gleichnamigen Ortes in lichtem Wald, bevor die Strasse nach Osten und ins Val Malvaglia abdreht.

Tunnelblick und Rollsplitt-Intermezzo!

Die Strasse führt nun oberhalb des Orino an der rechten Seite taleinwärts. Im Schatten der Wälder lässt es sich gut fahren und auch die Steigung ist ganz nett. Aber dann kommt da plötzlich ein tiefes schwarzes Loch. Der Tunnel, der in einer Linkskurve liegt, ist nicht sonderlich lang, vielleicht 150 Meter. Nach der Biegung am anderen Ende kann ich bereits wieder die Strasse im Freien sehen. Also nicht lange rummachen, sondern einfach durch.

Aber das ist einfacher gesagt als getan. Kaum bin ich nämlich um die Eingangskurve gebogen sehe ich plötzlich einfach mal gar nichts mehr! Es ist absolut finster und ich eiere nur noch rum und hab Angst gleich gegen die Wand zu fahren. Habt ihr schon mal in vollkommener Dunkelheit versucht das Gleichgewicht auf dem Fahrrad zu halten? Ziemlich gruselig… Bei mir funktioniert das gar nicht. Ich versuche also so schnell wie möglich aus meinem Pedal zu klicken und sicheren Halt unter meinen Füssen zu finden. Genau in diesem Moment kommt von hinten ein Auto. Zum Glück habe ich immer ein kleines Rücklicht am Rennvelo, damit man mich genau an solchen Orten sieht (auch wenn ich gerade gar nix sehe :D). Der Lenker meint es gnädig mit mir, fährt hinter mir her, schaltet sein Fernlicht ein und leuchtet mir die restlichen Meter aus, bis ich wieder Tageslicht erreiche. Ich bin ihm ja so dankbar!

Danach geht es in gemütlicher Steigung weiter, aber das nächste “Abenteuer” wartet schon in Form von Strassenausbesserungsarbeiten. Eigentlich kein Problem: es ist genügend Platz, um an den kleinen, noch nicht ganz trockenen Ausbesserungsstellen im Asphalt herumzufahren. Aber der ganze Rest des noch sehr bröckeligen Asphalts, den die fleissigen Arbeiter nicht in die aufgerissenen Stellen gepresst haben, liegt überall verteilt. Und da das Zeug, wie bereits erwähnt, noch nicht ganz trocken ist, klebt es jetzt wunderschön an meinen Reifen. Toll! Also halte ich kurz darauf erst mal an und versuche mit ein wenig Gras meine Reifen vom Gröbsten zu befreien. Klappt eher schlecht als recht – also klappere ich weiter mit klebrigem Rollsplit am Reifen.

Echte Ruhe im Val Malvaglia

Jetzt habe ich endlich meine Ruhe und kann ungestört weiterfahren, keine erwähnenswerten Zwischenfälle mehr. Nach einiger Zeit erreiche ich dann tatsächlich den Fuss der Staumauer des Bacino de Val Malvaglia. Die nächsten 80 Höhenmeter überwinde ich in zwei kurzen aber durchaus steilen Serpentinen, dann befinde ich mich schon über der Staumauer und kann den Ausblick auf den kleinen Stausee geniessen. Ab jetzt ist es erstmal gemütlich. Ohne grosse Höhenunterschiede fahre ich am See entlang und komme so nach Madra, einer kleinen Häuseransammlung hinter dem See.

Kaum habe ich die letzten Häuser dieser kleinen Siedlung hinter mir gelassen, steigt die Strasse jedoch wieder an und nach einigen weiteren Kehren erreiche ich schliesslich Dandrio. Die Dorfbeiz sieht verlockend aus und ist auch rege besucht. Das wäre jetzt eine durchaus akzeptable Alternative zum Müsliriegel und kurz schiesst mir das Bild durch den Kopf, wie Falko nichts ahnend bei seiner Abfahrt an der Beiz vorbeizieht, mich nicht bemerkt und mit jedem Höhenmeter, den er verliert sich mehr und mehr wundert, wo ich denn geblieben bin. Um den vorprogrammierten Streit zu verhindern lasse ich die Beiz also (in diesem Fall) rechts liegen und fahre weiter um die nächste Kurve.

Ich kann schon die letzten Häuser sehen und beschliesse, mal zu schauen, wo Falko denn so steckt. Während mein Handy mir sagt, dass es hier eigentlich keinen Empfang hat, kommt er aber schon angefahren. Da ich nicht mehr weiter will und er schon am Ziel war, beschliessen wir nach einer kurzen Müsli-Pause, die Abfahrt anzutreten.

Energie tanken vor dem Anstieg

Gemeinsam lassen wir uns die erklommenen Höhenmeter also wieder hinunterrollen und geniessen den Fahrtwind. Gemütlich rollen wir wieder am Stausee entlang und freuen uns über die Ruhe und die schöne Aussicht hier oben. Leider müssen wir ein Stückerl weiter unten noch einmal durch den (immer noch nicht trockenen) Baustellen-Splitt und kommen schliesslich am berüchtigten Tunnel an. Da ich keine Lust habe, wieder wie blind herum zu gurken, steige ich ab (Falko fährt natürlich einfach durch), hole mein Handy raus und leuchte mit dem winzigen Licht meinen Weg aus. Besser als gar nichts zu sehen ist es allemal.

Auf der anderen Seite geniessen wir nun in der Nachmittagssonne die letzten 400 Höhenmeter bis ins Tal nach Malvaglia hinunter. Über Motto und Dongio gelangen wir schliesslich zum Abzweig kurz vor Roccabella. Hier wählen wir nun die direkte Auffahrt über Corzoneso nach Leontica. Ich bin aber jetzt wirklich geschafft und in null komma nix ist Falko ausser Sichtweite. Langsam schraube ich mich also Haarnadelkurve für Haarnadelkurve den Berg hinauf. Und während ich gerade die enge Kehre nach Corzoneso passiere, trifft Falko bereits an unserer Ferienwohnung ein. Irgendwann komme ich dann aber auch an und freue mich einfach nur über diese schöne Tour. Jetzt werden die Füsse hochgelegt und der restliche Nachmittag in vollen Zügen auf der Panoramaterrasse genossen.

Details zur Route

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