Rundwanderung an der Roda di Vaèl

Von ehrgeizigen, deutschen Familienvätern, einem Waldschrat und einem aussichtsreichen Höhenwanderweg an der Roda di Vaèl: unsere Wanderung bringt immer neue Höhepunkte mit sich.

Nach unserer Ankunft in Südtirol mit viel Regen und Ärger mit der ursprünglich gebuchten Unterkunft (wer will schon in einer nach Hundefutter stinkenden Ferienwohnung mit einem Bett voller Hundehaaren für eine Woche bleiben…) haben wir uns von unserer Alternativunterkunft aufgemacht und die Wanderschuhe geschnürt.

Aller Anfang ist schwer

Wir starten damit, dass wir uns ein paar hundert Meter hinter dem Hotel bereits verlaufen haben Kurz darauf bieten wir den Bewohnern eines kleinen Bauernhofs eine Kurzaufführung des Stücks “Ein streitendes Pärchen im Urlaub” (recht bekannt, kann man mit ein bisschen Glück an vielen von Touristen bevölkerten Plätzen geniessen). Einen Blick auf die Karte später drehen wir wieder um und schleichen auf einem kleinen Weg von dannen, der etwas oberhalb von Vigo di Fassa bis zur kleinen Kirche St. Gulia führt.

Die Stimmung hat sich mittlerweile auch wieder gebessert, obwohl zwischenzeitliche Standort-Checks auf der Kompass-Karte nicht direkt erfolgversprechend waren. Ich weiss wirklich nicht, wie diese sogenannten topographischen Karten entstehen, ich vermute aber, dass diverse Farbstifte und das Zufallsprinzip eine grosse Rolle spielen. Irgendwann finden wir aber sogar mal ein Schild mit einem bekannten Namen, welches einen steilen Weg hinauf weist und zumindest grob in die richtige Richtung führt.

Höhenmeter für Höhenmeter geht es hinauf, nach dem ganzen Ärger mit der Unterkunft und einer kurzen und schlechten Nacht in einem mittelmässigen Hotelzimmer in eher gemächlichem Tempo. Das macht aber nichts, so kann man zumindest geniessen, dass man vor lauter Wald nichts sieht. Hmpf… In gewisser Weise kann ich verstehen, warum wir nahezu keine Menschenseele hier im Aufstieg treffen und viele offenbar die Seilbahn für die ersten paar hundert Höhenmeter nehmen. Man dackelt einfach mehr oder weniger im Schatten der Bergwälder hinauf und hat von der eigentlich fantastischen Aussicht auf die imposanten Gipfel der Dolomiten erstmal nicht so viel.

Und wieder ein Wettkampf-Déja-vu…

Ganz alleine sind wir aber nicht. Vor uns stossen wir nach einer Weile auf eine deutsche Familie, die sich ebenfalls im Aufstieg befindet. Was nun passiert, bringt mich immer wieder zum Lachen und diverse Déja-Vu-Situationen kommen mir wieder in den Sinn:

Das Oberhaupt (in diesem Fall der Familienvater) entdeckt uns, die Verfolger! “Kann ja nicht sein, dass hier welche schneller sind!” denkt er sich und beflügelt sich sowie seine nicht unbedingt vor Sportlichkeit strotzende Tochter sowie Frau zu Höchstleistungen beim Höhenmeter vernichten. Sichtbar am Limit quält sich der kleine Tross nun weiter hinauf, die eigentlich so willkommenen Päuschen nach jeden paar Metern Weg werden weggelassen.. Der Puls steigt, die Mutter keucht und dann – ach du Graus – ist die Puste aus.

Wir laufen in so einer Situation immer einfach unser Tempo weiter, denn es ist simple Mathematik: wenn wir sie bis hierher bereits fast eingeholt haben, werden wir sie auch irgendwann überholen. Ob das nun ein paar hundert Meter früher oder später passiert, spielt da eher eine untergeordnete Rolle. Beziehungsweise es ist eigentlich vollkommen egal und wegen mir können sie auch schneller sein, sich hinsetzen oder davon fliegen. Aber diese zum Scheitern verurteilten Versuche, sich ja nicht einholen lassen, wirken irgendwie wenig souverän und mit einem leichten Schmunzeln gehen wir an drei Menschen mit roten Köpfen (“Ciao!”) vorbei. Hinter uns ist die Luft definitiv raus und es wird erstmal auf ein paar Baumstümpfen Pause gemacht.

Speckknödel in Stalon de Vaèl

Wir hingegen gelangen derweil nach einiger Zeit zur Behausung des Waldschrats. Stalon de Vaèl, auf 2028 m Höhe gelegen (nach Kompass-Karte, bitte Abweichungen von ± 250 Höhenmetern einkalkulieren). Eine kleine Hütte mit Speisekarte, die diverse leckere Jausengerichte anpreist. Da es erstens mittlerweile regnet und wir zweitens Hunger haben, öffnen wir die Tür und betreten eine kleine, gemütliche Hütte, die vorrangig durch Abwesenheit sämtlicher menschlicher Lebewesen glänzt. Etwas verunsichert nehmen wir Platz, werden aber kurz darauf von einem vollbärtigen Südtiroler Original begrüsst, der uns kurze Zeit später mit Speckknödeln (Marina) und Käsebroten (ich) beglückt. Wir geniessen das Essen und die Aussicht auf den Regen draussen. Eine klatschnasse Familie schleicht vorbei (ja, genau die… ), sonst passiert aber nicht viel. Es gibt ausserdem noch interessante kleine Kunstwerke aus Stein und Holz zu sehen, die kunstvoll bemalt worden sind und auf den Fensterbänken stehen. Irgendwie alles ziemlich urig und gemütlich und bei so einem Regenguss genau das richtige, wie wir finden.

Nach unserer Mahlzeit unterhalten wir uns noch kurz mit dem Gastwirt. Eigentlich wollten wir von hier aus nur noch ganz faul auf dem Wanderweg E545 hinüber zur Seilbahnstation Ciampedie queren. Nach seiner Empfehlung für den Höhenwanderweg, der von der nicht weit entfernten Rotwandhütte unterhalb der Felstürme entlangführt (ich glaube er wurde Schafsteig genannt, bin mir aber nicht mehr ganz sicher), beschliessen wir, die rund 300 verbleibenden Höhenmeter noch weiter aufzusteigen.

Aufstieg zur Rotwandhütte

Direkt nach der Hütte müssen wir unsere Lieblingsübung durchführen und durch eine Herde Mutterkühe hindurch spazieren. Mit leicht erhöhtem Puls kommen wir aber sicher durch die ruhig daliegenden und wiederkäuenden Menschenfresser hindurch. Dann steigen wir steil weiter auf, bis wir kurz darauf die Rotwandhütte erreichen. Nicht ohne kurz vorher der deutschen Familie noch den demütigenden Gnadenstoss zu verpassen, während wir sie ein zweites Mal überholen.

Von der Hütte aus queren wir unter der markanten Rotwand hindurch. Es nieselt teilweise leicht, aber es hält sich in angenehmen Grenzen. Die Aussicht auf die beeindruckende Landschaft ist toll von hier oben und wir sehen auch bereits unseren Weiterweg. Dieser führt uns unter I Mugoni und Pale Rabbiose entlang, immer mehr oder weniger auf gleicher Höhe bleibend. Es warten keine technischen Schwierigkeiten auf uns und so können wir den Blick immer wieder schweifen lassen. Nach rund einer Stunde sind wir dann schon am anderen Ende des Weges angelangt und steigen in Richtung Seilbahnstation ab.

Mit der Gondel zurück ins Tal

Hier empfängt uns der leider etwas überbordende südtirolerische Touristenrummel in Form von Seilbahn- und Skilift-Intermezzos, Berggasthäusern und vielen, vielen Menschen. Aber nun wartet auch nur noch die Seilbahnfahrt nach unten, zurück ins Tal. Aufgrund des doch etwas langweiligen Abstiegs durch den Wald entscheiden wir uns hier auch dafür, die entspannte Variante zu nehmen.

In Vigo di Fassa angekommen, müssen wir noch rund 20 Minuten zurück zum Hotel laufen. Eine schöne und entspannte kleinere Wanderung geht zu Ende. Und wir konnten mal wieder ein paar richtig schöne Ausblicke auf die Dolomiten geniessen.

Details zur Tour

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