Aus dem Val di Fassa auf den Passo di Fedaia

Warum wir das Fassatal in Südtirol als Disneyland empfunden haben und Autofahrer manchmal nerven können: unsere Rennradtour auf den 2057 Meter hohen Passo di Fedaia führt uns an den Lago di Fedaia und in den Schatten der Marmolada und anderer majestätischer Dolomiten-Riesen.

Nachdem es uns gestern am San Pellegrino so richtig verschifft hat und wir in der Abfahrt klitschnass gefroren haben wie zwei frisch geschorene Schäfchen, wollen wir das besser wirkende Wetter heute nochmals für eine Ausfahrt mit den Rennrädern auf den Passo di Fedaia nutzen. Leider ist die Prognose nicht so stabil, als dass wir uns an die Sella-Runde (die ich eigentlich so gerne fahren würde) heranwagen möchten. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Also nach dem Frühstück erst mal rein in die Radklamotten und auf los geht’s los: Ziel ist heute der Passo di Fedaia.

Fassatal – Disney-Abklatsch im Alpen-Stil

Wir starten direkt von unserem Hotel in Vigo di Fassa und nehmen die stark befahrende SS48 unter die Räder. Hier ist irgendwie immer viel Verkehr, was die Fahrt nicht unbedingt angenehmer macht, aber es gibt auch Schlimmeres. Die wenigen Radwege sind hier mehr für Gemütlich-Fahrer ausgelegt, führen immer wieder um Ecken und durch kleine Seitenstrassen. Auf die Dauer und wenn man voran kommen will, ist das doch etwas mühsam. Leider gibt es keine so schönen Velo-Streifen wie oftmals in der Schweiz. Also müssen wir uns unseren Platz auf der Strasse eben erkämpfen. Oder hoffen, dass wir akzeptiert werden.

Bis nach Canazei ist die Steigung sehr gemächlich und wir radeln gemeinsam vor uns hin. Dabei können wir sehr gut die Dörfchen begutachten, durch die wir hindurch kommen. Naja, eigentlich sind es weniger Dörfchen als Orte im Disney-Stil. Alles ist extrem herausgeputzt, erbarmungslos kitschig und voll gefüllt mit Touristen. So haben wir uns Südtirol eigentlich nicht vorgestellt. Eher authentisch, urig und rustikal. Aber vielleicht haben wir auch einfach nur die (für uns) falsche Ecke erwischt?

Ab dem Kreisel in Canazei, wo die Passstrasse beginnt, fährt jeder von uns mal wieder sein eigenes Tempo. Bald ist Falko ausser Sichtweite und ich strample für mich alleine weiter. Nach Penia, wo ich bereits über 400 Höhenmeter geschafft habe, zieht die Steigung dann etwas an, aber irgendwo müssen die immer noch ausstehenden 500 Höhenmeter bis zum Lago di Fedaia auch herkommen.

Vier Serpentinen, eine Baustelle und einige Galerien später habe ich es dann aber geschafft. Falko kommt mir, kurz bevor ich den Stausee erreiche, schon wieder entgegen und begleitet mich die letzten Meter. Zuerst nehmen wir die Staumauer in Angriff. Das Kopfsteinpflaster macht die “Überfahrt” nicht gerade zu einem Vergnügen, aber mit 622m Kronenlänge ist das Ding zum Glück nicht all zu lang. Wir lassen uns also kräftig durchschütteln und erkunden die gegenüberliegende Seite mit einem Hotel, Restaurants, der Gondelstation und vielen Parkplätze.

First come, first served

Auf einem Abstellplatz machen wir es uns gemütlich, steigen kurz ab und füllen unsere Reserven mit Müsliriegelen auf. Wir geniessen den Ausblick auf die gegenüberliegende Bergwelt und rätseln, wo wohl all die Wanderwege hinführen. Ausserdem ist dort eine riesige Schafherde unterwegs, wir sind beeindruckt von so viele Tieren auf einem Haufen. Zu Hause wird uns ein Blick auf die Karte unsere nächste Unternehmung in dieser Gegend offenbaren und uns zu noch viel mehr Schafen führen.

Hinter uns brummt plötzlich ein Motor und ein aufgebrachter Italiener fuchtelt hinter seinem Lenkrad herum. Er versucht uns zu signalisieren, dass er jetzt hier parken will und wir uns gefälligst an einen anderen Platz zu stellen haben. Falko ignoriert ihn einfach. Mich nervt dieses Getue aber und das sage ich dem Herrn auch deutlich. Ob er mich nun versteht oder nicht! Am Ende sucht er sich einen anderen Platz für seine Karre und wir beenden kurz darauf unsere Pause. Danke an den nervigen Unbekannten.

Gestärkt machen wir uns also an die Weiterfahrt. Nach 622 Metern Cocktail-Mix-Strasse (“geschüttelt, nicht gerührt, bitte!”) kommen wir wieder auf der anderen Seite des Lago di Fedaia an. Anstatt uns direkt an den Rückweg zu machen, biegen wir nach rechts ab und fahren noch durch die Galerie am Stausee entlang bis zur eigentlichen Passhöhe des Passo di Fedaia. Auf einem grossen Parkplatz mit einer geschlossenen Liftstation kehren wir dann endgültig um und machen uns an den Heimweg nach Vigo di Fassa.

Ohne Regen und ohne Zwischenfälle geht’s zurück zum Hotel, wo der Nachmittags-Kuchen bereits auf uns wartet. Da hat sich die Ausfahrt doch gelohnt.

Details zur Route

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