Regen und Kälte am Passo San Pellegrino

Kälte, Regen und eine wütende Marina: der Passo San Pellegrino im Fassatal in Südtirol bleibt uns nach einer kürzeren Rennradtour eher in verhaltener Erinnerung.

Zwar haben wir eigentlich September, aber das Wetter verhält sich wie im April. Es herrscht ein Wechsel zwischen Sonne, Wolken und Regen, kombiniert mit eher kühlen Temperaturen. Trotzdem wollen wir heute etwas unternehmen und entscheiden uns für eine kleinere Ausfahrt mit den Rennvelos auf den San Pellegrino Pass. Das ist keine allzu lange Tour und wir sammeln trotzdem ein paar Höhenmeter. Vielleicht haben wir ja Glück und bekommen auch ein wenig Sonne ab.

Vom Charme italienischer Strassen

Vom Hotel aus geht es erst einmal ein paar Minuten frierend wie ein Schneider bergab. Am Kreisverkehr in Vigo di Fassa biegen wir auf die im typisch italienischen Stil gehaltene SS48 ab: relativ schmal, mit mehr oder weniger fähigen Autofahrern garniert und am rechten Strassenrand mit Schlaglöchern durchzogen. Wunderschön.

So rumpeln wir für einige Kilometer leicht bergab bis nach Soraga. Dann folgt Moena, einem weiteren im typischen Südtiroler Kitsch aufgehübschten Dorf am Fusse des San Pellegrino Pass. Hier verschwindet die SS48 im Umgehungstunnel. Doch bevor sie das tut, verlassen wir sie und fahren durch den touristischen Rummel hindurch bis zum Abzweig der Passstrasse. Über diese geht es nun ansteigend noch ein oder zwei Kilometer im Dorf empor, bevor die Strasse im Wald verschwindet und sich nach Südosten wendet. Marina und ich steigen wieder auf unseren üblichen Rhythmus um und ich fahre mein eigenes Tempo voraus.

Die spinnen, die Mountainbiker…

Die Temperaturen sind gerade soweit okay und es ist (noch) trocken. Insgesamt zieht sich der Anstieg eher eintönig nach oben. Serpentinen gibt es hier gar keine und die meiste Zeit ist man unterhalb der Baumgrenze unterwegs, wodurch die Aussicht auch überschaubar bleibt. Tanne, Tanne und noch ‘ne Tanne. Einzige Abwechslung bringt mir ein kurzes saftig steiles Stück Strasse, aber auch diese “Freude” hält nur für ein paar Minuten an. Dafür darf ich dann, nun bereits in der Nähe der Passhöhe, den einsetzenden kalten Regen geniessen.

Kurz bevor ich die Passhöhe des Passo San Pellegrino erreiche, überhole ich noch einen Mann auf dem Mountainbike. Der legt eine Trittfrequenz an den Tag, die wirklich beeindruckend ist. Es ist hier wirklich nicht mehr steil, es geht einfach noch leicht bergauf. Aber der gute Mann tritt gefühlt bei jeder Umdrehung komplett ins Leere und kommt dementsprechend auch nicht wirklich vom Fleck. Richtig verstehen tue ich das nicht, muss ich aber auch nicht. Spinning wie Lance Armstrong. Zumindest sorgt es für ein Schmunzeln und ein Aufhellen meiner Stimmung, bevor der Himmel dann kurz darauf endgültig seine Schleusen öffnet.

Vom Regen im die Traufe

Die Kombination Höhe, Regen, Kälte, Wind und Sport machen (in Kombination mit Schwitzen) sind immer eine tolle Sache. Immerhin darf ich eine Regenjacke mein Eigen nennen. Und ich war auch schlau genug sie heute mitzunehmen und lege mir dieses Mäntelchen nun direkt um. Noch schlauere Menschen hätte eine Mütze mitgenommen… Eher verhalten rolle ich wieder los. Ich versuche, nicht zu schnell zu fahren, damit der Fahrtwind nicht zu stark wird. Es schifft wie aus Kübeln und so werde ich einerseits von oben und andererseits von unten mit Strassendreck/-wasser begossen – wirklich wunderschön. Dazu kommt mein übliches Problem: eiskalte Hände, die ich für die nächste halbe Stunde nicht mehr warm bekomme…

Nach einer Weile treffe ich dann auf Marina. Während ich dies hier schreibe dämmert mir, dass sie schlechte Laune hatte. Grund dafür war unter anderem (es kamen mehrere Faktoren zusammen, ich habe aber nur den relevantesten behalten) die fehlende Regenjacke. Hierfür wiederum war die Ursache das überschaubare Angebot an passenden Regenjacken für kleine Frauen, die nicht wie ein umgehängter Teppich und mit dem Luftwiderstand eines SUVs daherkommen. Wir hatten vor unserem Urlaub noch relativ verzweifelt versucht, eine Jacke aufzutreiben. Unsere Suche war aber nicht von Erfolg gekrönt und so muss Marina jetzt nur in einer dünnen Windjacke immer kurz vor der herannahenden Regenfront die Abfahrt antreten. Immerhin ist sie noch nicht wirklich nass, der Regen ist sehr lokal begrenzt.

Also fahren wir zusammen wieder hinab, mit abnehmender Höhenlage wird es dann auch wieder wärmer. Irgendwann kurz nach Moena kommen wir sogar wieder in den Genuss einiger wärmender Sonnenstrahlen, die für einen kurzen Moment aus den Wolken heraus schauen.

Endlich unter die warme Dusche

Für den Rückweg haben wir hier keine andere Wahl als wieder für rund fünf Kilometer die SS48 hinauf zu tuckern. Dann kommen wir bereits wieder in Vigo di Fassa an. Nun müssen wir noch einige Höhenmeter zurück zum Hotel in Kauf nehmen, bevor wir den Strassendreck in einer warmen Dusche abwaschen können und den Rest des eher verregneten Tages gemütlich verbringen dürfen. Zusammengefasst kann man sagen, dass der San Pellegrino Pass ganz nett ist und sich je nachdem als Wegpunkt für eine längere Tour eignet. Als eigenständige Tour ist er aber zumindest von der Westseite her nicht wirklich besonders spannend. Aber, wie ich es oft formuliere: “Immerhin haben wir uns ein bisschen bewegt.”

Details zur Route

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