Brüschbüchel

Bevor der Föhn in den kommenden Tagen hier Einzug hält, wären ein paar Züge beim Eisklettern noch recht schön. Ausschlafen andererseits auch und so lade ich Silvan ein und wir fahren ins nicht so weit entfernte Klöntal. Man munkelt, dass es dort Eis gäbe. Gestern habe ich mir noch auf der Karte die Lage der Eisfälle angeschaut, so richtig schlau bin ich allerdings nicht daraus geworden. Aber die Stelle “Schwammhöechi” habe ich auf der Karte gefunden, item Führer geht es zu “den gut sichtbaren Fällen” direkt vom Parkplatz aus. Das sollte wohl machbar sein.

Wir fahren am See entlang und an den besagten Parkplatz, steigen dort aus und sehen – nichts. Die Exposition Nordwest der Fälle lässt nicht so viele Möglichkeiten zu. Auf der entsprechenden Talseie ist allerdings alles mögliche Gelände, nur nichts was auch nur entfernt an Eis oder die Geländestruktur auf den Führerfotos denken lässt. Wir fahren noch einige hundert Meter zurück, suchen noch aus anderen Perspektiven, in Richtung eines anderen Tals hinein, hier und da  und dort – es hilft nichts. Etwas lächerlich, wir suchen dann sogar in einer völlig anderen Exposition auf der anderen Talseite, auch der Führerautor könnte ja mal falsch liegen. Falsch liegen aber offensichtlich nur wir, wir finden einfach kein Wasser im gefrorenen Zustand.

Argh!!! Nach einer Stunde geben wir es schliesslich auf und satteln auf die Ski um, die wir wohlweislich auch noch mitgenommen haben – allerdings mehr falls es kein Eis haben sollte, nicht falls wir den Eisfall nicht finden. Aus dem Klöntal gibt es nur wenige Möglichkeiten für Skitouren, wir entscheiden uns aufgrund der warmen Witterung und der etwas heiklen Lawinenlage für das wohlklingende Brüschbüchel. Viel mehr als ein kleiner Voralpenhügel ist das eigentlich nicht, aber besser als gar nichts allemal.

Erstmal geht es gespurt die Alpstrasse hinter, später folgen wir einer einzelnen Langlaufski-Spur (???) Richtung einiger kleiner Alphütten etwas weiter oberhalb. Die Schneekonsistenz kann man getrost ignorieren, hier wird bei der Abfahrt solides Umspringen und Drehen in der Luft angesagt sein. Regen und Sonne auf Schnee sind einfach eine dämliche Kombination …

Nach dem Verlassen des Walds legen wir eine neue Spur und halten uns auf den Rücken und Kämmen in der hügeligen Struktur. Ein letzter Hang zum Gipfel kommt mir dann nicht ganz koscher vor, beim Spuren merkt man durchaus eine gewisse Schollenbildung des Schnees und in der Spitzkehre rutscht ein kleiner Keil etwas ab. Die Neuschneeschicht beträgt aber maximal um die fünf Zentimeter und weitere Anzeichen (Wind, Durchnässung etc.) sehe ich nicht. Vorsichtig und einzeln begehen wir den Hang, der sich nach oben auch schnell verflacht und auf die flache Gipfelkuppe ausläuft.

Von hier haben wir eine herrliche Aussicht auf den Glärnisch und auf Ochsenkopf und Mutteristock. Unten zieht sich dunkelblau der Klöntaler See dahin und irgendwo in diesem Tal kann man übrigens auch Eisklettern …

Nach ein paar Berliner Ampelmännchen-Gummibären machen wir uns an die Abfahrt. Der kritische Hang wird wieder einzeln befahren, aber es hält alles auch bei den Abfahrtsschwüngen. Immerhin hat es hier den besten Schnee. Noch einige weitere schöne Hänge folgen, dann folgt der grausige Bruchharsch. In ihm schweben (naja …) wir hinunter, bis wir wieder die Alpstrasse erreichen, die im Sommer als Passstrasse auf den Pragelpass hinaufführt. Auf ihr gehts entspannt zurück zum Auto.

Auf der Rückfahrt am See wieder Richtung Glarus entdecke ich plötzlich mehr zufällig auf der anderen Seeseite (und völlig woanders als wir vermutet haben) einige spärliche Eisreste. Wir schauen uns das genauer an und tatsächlich, dort ist das beschriebene Gebiet. Äh … Wie kommt das? Nun, kurze Zeit später wissen wir es: es gibt in dem verfluchten Klöntal zwei (!) Schwammhöechi, eines wo wir waren und das andere eben hier vorne am Anfang des Sees. Wenn dann im Führer steht “am See entlang” sucht man natürlich eher weiter hinten … Wir fahren noch ein Stück in die Richtung einen etwas spannenden Weg hinauf, jetzt wissen wir zumindest mal, wo es hier Eis gibt. Theoretisch zumindest, denn zum Eisklettern hätte es ohnehin nicht gereicht.

Details zur Tour

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Eiskletterausflug ins Jetzloch, einem Gebiet oberhalb von Elm im Glarus zusammen mit Fabian. Es gibt leider nur wenig Eis, dafür graues Wetter…

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