Sulzschnee am Stoos

#storySchnee

Nach einem generalstabsmässig angelegten Planungs-Event am Vorabend haben sich die Partien Marina, Seraina und Chico sowie Steph, Jogy und ich irgendwie arrangiert und ich setze am Sonntag die beiden Damen und Chico in Stein SG ab, wo sie zu ihrer Schneeschuhtour starten. Ich fahre noch ein Stück weiter nach Unterwasser (ja, das heisst wirklich so) und hinauf zum Chüeboden, wo ich mich mit Steph und Jogy treffe. Wir haben den Stoos als Ziel, als Skitour, nachdem die Eisverhältnisse wieder mal dürftigst sind und diese Spielart daher ausfällt.

Problem Nr. 1 lässt sich am Parkplatz beheben: ich hab kein Kleingeld für den Parkautomat, praktischerweise liegt aber vor dem Automat am Boden ein für heute gültiges Ticket. Nun gut, dann soll es wohl so sein. Ein kurzes Stück zu Fuss, dann können wir bald die Ski anschnallen und nachdem Jogy seine Müslibox im Schnee vergraben hat, weil er sie nicht mit hoch schleppen will, starten wir durch den feuchten Schnee hinauf. Die Föhnwetterlage hat heute und gestern mal wieder zugeschlagen, obwohl ich gestern am Fluebrig überhaupt nichts davon mitbekommen habe. Dementsprechend sind die Schneeverhältnisse, alles ist durchfeuchtet und pappig.

Damit die Klamotten nicht auch direkt durchfeuchtet sind, legen wir alsbald die erste Schicht ab und stapfen weiter in einer Spur von gestern hinauf. Ausser uns ist niemand hier unterwegs und wir haben völlig unsere Ruhe. Die Erwärmung macht sich ringsherum durch den ein oder anderen Nassschneerutsch bemerkbar, aufpassen ist durchaus angesagt. Wir stecken zwischendurch immer mal wieder die Nase in den Schnee und diskutieren den Schneedeckenaufbau: Jogy hat Hausaufgaben und muss für seine nächsten Bergführer-Kurse das ein oder andere Schneeprofil erstellen. Für Steph und mich passt das ganz gut und wir nehmen uns später dafür auch noch Zeit.

Ungefähr ab der Hälfte der Strecke wird der Schnee nach einem etwas spannenden Steilstück noch nasser und kurz darauf etwas kälter – was passiert? Richtig, die Felle fangen an, zu stollen, der Schnee bleibt in dicken Schichten kleben. Also vor allem beim Steph, das ist wohl Schicksal. Hihi … Während er kräftig am Fluchen ist, schauen wir uns den Weiterweg durch ein Hochtal an, wo wir einen grösseren Hang queren müssen. Es hat etwas Triebschnee, sieht aber mengenmässig vertretbar aus und einzeln queren wir weiter ins Talende, wo wir den letzten Hang zu einem kleinen Sattel hinauf müssen. Hier liegt jetzt doch etwas mehr verblasener Schnee, der aber durch die Durchfeuchtung recht stabil erscheint. Mit einem etwas mühsamen Manöver über eine dicke Wechte am Sattel können wir uns dort vom Wind begrüssen lassen.

Der Gipfelhang liegt vor uns, bevor ein Fussaufstieg uns auf den eigentlichen Gipfel bringen soll. Die Föhnlage scheint langsam zusammen zu brechen, hinter den Churfirsten von Süden her nähert sich bereits die Schlechtwetterfront. Wir geben nun etwas Gas, der Wind ist auch nicht besonders angenehm und der Hang ist so abgeblasen, dass teilweise das Gras hervorkommt. Dann wieder ist es vereist und kurz darauf wieder Triebschnee – eine wilde Mischung erwartet uns hier. Bei einer Spitzkehre macht sich dann (warum auch immer) mein Ski selbstständig und macht das, was ein gleitender Gegenstand an einem Hang macht – er gleitet ins Tal. Verdammte Scheisse!!! Warum geht diese Bindung einfach so auf??? Obwohl sie verriegelt ist … Bange Sekunden vergehen, ausser das Spektakel zu geniessen können wir nicht viel machen. Ich habe aber nach dem Parkschein noch ein zweites Mal Glück (diesmal riesig …) und nach rund 50 Metern bleibt der Ski dann liegen. Zu Fuss steige ich das Stück hinunter und hole den Burschen wieder herauf. Wäre er weiter gerutscht, dann hätte ich irgendwie einskiig wieder herunter eiern müssen – keine besonders tolle Aussicht.

Wir steigen die letzten Meter zum Skidepot hinauf und von dort aus durch eine steile Rinne zu Fuss weiter. Wühlerei, immer wieder checken, ob der Schnee hält und die Aktion vertretbar ist. Oben geht es dann auf einem Grat weiter hinauf, zum letzten kurzen steilen Hang, der rund 40 – 50° steil in ein Couloir abbricht (und sich bei besseren Verhältnissen ganz gut für eine Skibefahrung eignen könnte, wie wir feststellen). Die Querung hier sieht wirklich nicht einladend aus. Gerade hinauf über den Grat und einen weiteren Schneehang – vielleicht die bessere Wahl. Eine kleine Grabung im Schnee zeigt aber, dass am Boden unter rund einem Meter Schnee eine Schwimmschneeschicht liegt, die Gefahr, dass gerade bei der Belastung zu Fuss der ganze Hang losbricht, erscheint uns zu gross. Und in diesen Gully gespült zu werden muss auch nicht sein. Schade, wieder mal 20 m unter dem Gipfel umzukehren, ist aber sicherlich sinnvoll.

Ein paar Fotos später steigen wir wieder ab zu unseren Skiern, fellen ab und machen uns an die Abfahrt. Bis zum Sattel sind die Verhältnisse durch den Winddeckel mässig, dann locken bessere Hänge. Mit einem fetten Sprung über die Wechte zieht Jogy die erste Line (der Mann fährt im Ortovox Freeski Pro Team, steht also nicht schlecht auf den Brettern …), Steph und ich folgen dann nach. Wir fahren einzeln und warten ausserhalb der Auslaufzone des Hangs. Zwei „coole“ Spuren und eine Zöpferlspur – Steph fährt eher nach der alten Schule. Aber auch absolut nicht schlecht. Weiter gehts, bei einer Alphütte an einem geeigneten Hang machen wir eine längere Essens-Pause und graben ein Schneeprofil, machen diverse Stabilitätstests der Schneedecke und analysieren die verschiedenen Schichten.

Über weitere herrliche Hänge geht es mit einigen Nassschneerutschen weiter gen Tal, trotz der Feuchte lässt es sich mit den breiten Ski hier richtig gut fahren. Es passiert aber immer mal wieder, dass man statt auf zwei auf einem Ski daherkommt und sich die Balance nur mühsam wieder herstellen lässt – sinkt ein Ski zu sehr ein, weil das Gewicht nicht mehr mittig verteilt ist, zieht der andere nach aussen und es entsteht ein Krater im Schnee. Vielleicht sind Stephs Zöpferlspuren doch etwas besser, immerhin ist er der einzige, der sich nicht mal mit Karacho zerlegt hat.

Wir sind nun wieder unten, Jogy gräbt noch seine Müslibox wieder aus und dann geht es die letzten Meter zurück zu den Autos.

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