Eisklettern im Jetzloch

Das Jetzloch – was verbirgt sich wohl dahinter? Es handelt sich um ein Gebiet im Glarus oberhalb des Weilers Elm. Fabian hat gestern bei einer Skitour hier die Eisverhältnisse ausgekundschaftet und so versuchen wir heute mal unser Glück und fahren bei Eiseskälte zum Parkplatz beim Panzerübungsplatz. Wir ziehen die Schneeschuhe an und setzen die Rucksäcke auf – Eisklettern ist immer so eine Materialschlacht, das Ding wiegt gefühlte 25 Kilo… Effektiv sind es sicherlich etwas weniger, aber das ganze Zeug ist nicht gerade leicht. Karabiner, Expressschlingen, Eisschrauben, Steigeisen, Schlingen, jeder ein Halbseilstrang, Gurt, zwei Eisgeräte, Helm, Handschuhe, Klamotten… Brrrrr! Also auf gehts.

Den Zustieg kenne ich noch von einer Klettertour am Glarner Vorab. Jetzt mühen wir uns mit den Schneeschuhen über windgepressten Plattenschnee, circa eine Stunde sind wir unterwegs. Querungen mit Schneeschuhen sind immer recht unangenehm und hier müssen wir fast die gesamte Zeit mehr oder weniger Hanghuhn spielen. Eis hat es an vielen Stellen im Jetzloch, allerdings ist es überall recht mager. Die vielen sehr dünnen Zapfen und filigranen Säulen lassen ein wirkliches Klettern nur an wenigen Stellen zu. Wir suchen uns einen halbwegs angenehm aussehenden Wasserfall aus, wo zumindest die unteren 20 – 40 m machbar sein sollten.

Wir machen nun erst mal Pause, essen und trinken etwas und schauen uns das Ding genauer an. Überall läuft Wasser, das ist nicht gerade der Optimalzustand. Wir ziehen die Pause noch etwas in die Länge und quatschen über dies und jenes. Irgendwann beschliessen wir dann, dass wir jetzt keine Ausrede mehr haben. Keiner will so richtig, beim Eisklettern sind wir beide ziemlich vorsichtig und eher defensiv unterwegs. Es ist einfach extrem schwierig einzuschätzen, was geht und was nicht geht, was hält und was nicht. Seit einem Eiskletterkurs vor zwei Wochen liegt ein Bekannter mit Schädel-Hirntrauma nach einem Sturz im künstlichen Koma. Der Alte wird er nie wieder sein und wir wollen so etwas unter allen Umständen vermeiden.

Wir legen die Gurte an und machen uns “kampfbereit” – für einen potentiellen Raubüberfall sind wir jetzt bestens ausgerüstet. Allerdings wird wohl keiner extra deswegen hier in die Pampa laufen… Ich mache den Anfang und steige ein. Die ersten Meter sind Crushed Ice – bestens geeignet für einen Caipirinha. Zum Klettern geht es auch halbwegs, nur Eisschrauben lassen sich in dem Dreck nicht wirklich unterbringen. Rechterhand in etwas stabilerem Eis kann ich die ein oder andere Schraube setzen, ob man reinfallen muss, ist die andere Frage. Oben raus wird es etwas steiler und ich umgehe einen Bauch nach links. Hier kann man zumindest mal vernünftig die Eisgeräte setzen und auch die letzten Meter sind dann etwas angenehmer zu klettern.

In einem geschützten Bereich baue ich nach etwas Suchen einen Stand, denn auch hier ist es nicht einfach, vernünftiges Eis für einen Standplatz zu finden. Fabian lässt mich wieder ab und steigt die gleiche Seillänge vor. Oben raus weiter zu gehen hat aufgrund der Eisverhältnisse keinen wirklichen Sinn, es ist einfach zu porös und teilweise mehr Schnee/Eismatsch als Eis. An einer Abalakov-Sanduhr seilt er wieder ab. Eine Abalakov wird mit zwei Eisschrauben gebaut, die im Winkel von 60° zueinander ins Eis gedreht werden, so dass sich ihre Spitzen und Bohrlöcher hinten im Eis treffen. Durch dieses Eisdreieck wird dann eine Reepschnur gefädelt und an ihr kann dann abgeseilt werden oder ein Standplatz gebaut werden. Ein Meter Reepschnur ist einfach billiger als eine Eisschraube.

Etwas weiter rechts steigen wir beide noch eine steilere kurze Seillänge hoch, wo wir an einer etwas filigranen Eissäule einen Stand bauen. Die Sonne kommt nun langsam herum und nachdem wir beide nochmal Toprope geklettert sind, bauen wir ab und machen uns wieder an den Abstieg. Der Rucksack ist irgendwie noch schwerer geworden…

Nicht viel, aber immerhin überhaupt mal ins Eis – und es hat trotzdem Spass gemacht.

Details zur Tour

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Glarner Vorab Westwand

Alpine Kletterei an der 650 m hohen Westwand des Glarner Vorab zusammen mit Steph. Die 17 Seillängen sind lang und aufgrund der kurzen Tage seilen wir nach der 12. Seillänge wieder ab. Trotzdem eine eindrückliche Route durch die imposante Wand.

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