Blindflug im dichten Nebel am Hoch Fulen

#storySchnee

Warum die Ruch Chälen bei instabiler Lawinensituation gefährlich ist und wie man trotz dichtem Nebel noch auf den Gipfel gelangt, können Fabian und ich nach einer Skitour am Hoch Fulen berichten. 

Gross Ruchen oder nicht? Fabian und ich sind uns nicht sicher. Das Wetter sieht nicht besonders vielversprechend aus und die Lawinensituation ist auch nicht über alle Zweifel erhaben. Wir entscheiden uns, heute auf den Hoch Fulen zu steigen und, falls möglich, einen Blick auf den Gross Ruchen zu werfen, um die Tour dann eventuell demnächst anzugehen.

Aufstieg zur Alp Brunni

Wir treffen uns morgens früh in Schwyz und fahren dann ins Schächental am Klausenpass, wo wir noch ein kleines Stück ins Brunnital hinein können und dort das Auto abstellen. Ab hier geht es mit den Ski weiter, auf einem Sommerfahrweg immer das Tal hinter bis zur Alp Brunni auf knapp 1400 m. Bisher haben wir sogar Glück mit dem Wetter und sehen doch die ein oder andere Wolkenlücke. Links und rechts können wir die Eisfälle in den steilen Felswänden begutachten. Allerdings sind die Verhältnisse auch nicht gerade der absolute Hit. Ein paar Routen könnten gehen, bei anderen ist die Begehung aufgrund der schlechten Eisverhältnisse wahrscheinlich eher russisches Roulette.

An der Alp Brunni machen wir eine kurze Pause, bevor wir weiter gen Westen ins Griesstal aufsteigen. Ab hier müssen wir selber spuren, was wir nun abwechselnd machen. Das Griesstal ist ein kleines Hochtal, welches rechtwinklig ins Brunnital mündet und sein Ende in einem Pass hat, von dem aus wir dann die letzten Höhenmeter zum Gipfel des Hoch Fulen in Angriff nehmen können. Jetzt hat es aber erstmal angefangen zu schneien und wir tasten uns im dichten Nebel weiter. Teilweise gehen wir nach Kompass, um uns nicht zu verlaufen.

Lawine in der Ruch Chälen

Wir sind noch am Anfang vom Griesstal, als wir hinter uns in der Ruch Chälen, einer riesige markante Rinne von rund 800 Höhenmetern, durch welche man auf den Gross Ruchen steigt, ein anschwellendes Grummeln hören. Es wird immer lauter wird und hält noch einige Sekunden an. Die Entscheidung, nicht an den Gross Ruchen zu gehen, war wohl einiges wert. Scheinbar ist dort gerade eine grössere Lawine heruntergekommen.

Bei uns geht es nun flach und gefahrlos im Tal weiter hinter. Anstrengende Spurarbeit lässt uns immer mal wieder kurz innehalten und durchschnaufen. Die letzten Meter in den Pass hinauf finden wir trotz Nebel recht gut. Dann geht es einen kurzen steilen Hang hoch, der nochmals Entlastungsabstände fordert. Die vom Lawinenlagebericht herausgegebene Stufe „mässig“ haben wir für uns in diesem Gebiet auf „erheblich“ herauf gestuft, da wir hier auch gut und gerne 20 Zentimeter Neuschnee haben, der teilweise auf einer glatten Unterlage liegt.

Mit Kompass im Blindflug zum Gipfel

Mittlerweile sind wir laut Höhenmesser auf 2500 Meter. Der Gipfel ist 2506 Meter hoch und wir stecken mitten im dicksten Nebel, in dem man kaum die Hand vor Augen sieht. Wir warten ein wenig ab, ob sich der Nebel wieder etwas lichtet, aber der Schneefall deutet eher auf eine weitere Niederschlagszelle hin. Nochmal ein Blick auf Karte und Kompass, dann  tasten wir uns vorsichtig weiter in nördlicher Richtung vor. Gefährlich wäre es, irgendeinen Abbruch oder eine Wechte zu übersehen und mit dem Ding ins Tal zu fliegen. Aber nach ein paar Minuten sehen wir vor uns schemenhaft den Gipfelwegweiser des Hoch Fulen aus dem Nebel auftauchen.

Die Sicht zu geniessen erübrigt sich. Wir fellen zügig ab und machen uns bereit für die Abfahrt. Entlang der Aufstiegsspur tasten wir uns zurück, erstmal bis in den Sattel, wo die Sicht dann ein kleines bisschen besser ist und man zumindest mal die nächsten 20 bis 30 Meter einsehen kann. Es folgen ein paar schöne Hänge, bis wir im flachen Talboden wieder schiebend in unserer Aufstiegsspur zu sehen sind.

Spielplatz im lichten Bergwald

Meine rechte Hand, die sich bereits im Aufstieg durch Schmerzen bemerkbar gemacht hat, hält vom Anstossen mit den Stöcken offensichtlich nicht sehr viel. Mittlerweile tut es ziemlich weh und ich versuche in einer gewissen Schonhaltung vorwärts zu kommen. Es folgt noch ein schöner Abfahrtsteil zur Alp Brunni zurück. Lichte Bewaldung schafft einen Spielplatz wo wir noch ein paar Sprünge (und natürlich manch‘ einen Sturz) einbauen können.

Ab der Alp Brunni fahren wir auf der Forststrasse relativ flach zurück, in einer Mischung aus Skating und Anschieben. Mit der linken Hand geht es auch bei mir noch halbwegs gut. Später wird sich dann herausstellen, dass ich an der rechten Hand wohl offensichtlich eine Sehnenansatz-Entzündung habe.

So konnten wir aber trotz miserablem Wetter noch eine schöne Tour unternehmen, die auch bei eher heiklen Bedingungen mit einer gewissen Vorsicht recht gut machbar gewesen ist.

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