Piz Cambrena

Es ist zugegebenermasse dekadent, aber das Essen auf der Diavolezza verdient wirklich ein wenig Beachtung. Wo man auf “klassischen” Hütten um 18:30 Uhr z’Nacht isst und aufgrund des meist nicht übermässig vorhandenen Essens eine halbe Stunde später bereits fertig ist, hat man auf der Diavolezza gerade mal die Vor-Vorspeise (irgendein Carpaccio) gegessen und wartet auf den fein dekorierten Salat. Danach kommt eine Suppe (oder war es vorher?) und nach dem umfangreichen Hauptgang kommt dann noch ein meist leider nicht so umfangreiches Dessert (in diesem Fall Panna Cotta). Danach geht es dann irgendwann zwei Stunden später in unser Zimmer. Wir haben Glück und uns in einem 4er-Zimmer zu zweit einquartieren können – wenn wir also schlecht schlafen, kann es nicht an fremden Schnarchern liegen. Der Wecker klingelt wieder mal unangenehm früh und entsprechend grummelig gehen Marina und ich zum Frühstücken. Wie manche Leute morgens um vier dermassen viel an Joghurt, Croissants und Broten verdrücken kann wie manche der Kollegen da ist mir schleierhaft. Wir sind jedenfalls recht zügig durch und machen uns dann gleich an den Abmarsch. Am Piz Trovat vorbei geht es Richtung Gletscher. Die zwei Stirnlampen, die sich hoch oben am Piz Trovat tummeln sind bestimmt nicht freiwillig dort. Da hat sich das frühe Aufstehen zumindest gelohnt und sie sind wieder mit allen anderen am richtigen Weg.

Am Gletscher folgt die übliche Prozedur mit Anlegen von Gurt, Steigeisen und Seil und dann gehen wir weiter Richtung Fuss des NW-Sporns am Piz Cambrena. Am Anfang können wir die Spur des Palü-Normalwegs nutzen, später geht es links ab. Wir entscheiden uns für die im Führer beschriebene Variante und stehen dann mal recht aprupt vor einem nicht ganz schmalen Bergschrund. Basteln links, basteln rechts, basteln in der Mitte, leicht machen und drüber über den etwas luftig hängenden Block. Marina ist jetzt auf jeden Fall wach. :p Danach geht es etwas mühselig weiter auf dem Firnstreifen, der noch da ist – ohne ihn wäre es ein ziemliches Gewusel über abgeschliffene Platten. So kommen wir aber recht gut voran und erreichen bald den eigentlichen Grat, wo es im Fels im IIer-Gelände weiter geht. Dank des Neuschnees sieht es recht spektakulär aus, die Schwierigkeiten halten sich aber in beherrschbarem Rahmen. Die “Eisnase” ist nicht mal nach mehreren Gläsern Diavolezza-Wein eine Nase, vielmehr hat sich auch hier die Erwärmung nicht gerade zimperlich gezeigt und aus der ehemals rund 50° steilen Kuppe ist ein gerade mal noch vielleicht 40° steiler hang geworden – bei halbwegs guter Firnlage kein Problem. Ist es hier eisig, wird es etwas spannender, aber mit ein, zwei Schrauben kann hier gut am laufenden Seil mit Tiblocs gegangen werden.

Oben angekommen sehen wir – nichts. Daran hat sich leider nichts geändert und wir stapfen die restlichen Meter zum Gipfel, der sich vollständig in Nebel hüllt. Es fehlt zwar nicht viel zum Aufreissen, aber das tut es leider nicht und so machen wir uns nach einer kleineren Pause auf den Abstieg Richtung Ostgipfel, queren diesen unterhalb und steigen Richtung Piz d’Arlas ab. Eine Seilschaft vor uns schmeisst einiges an Material in die östliche Flanke, etwas umheimlich, wenn man nur das Krachen hört, aber nicht sieht, ob da gerade ein halbes Auto runterstürzt.

Hinauf auf den Piz d’Arlas geht es einfach im Blockgelände, dann kommt eine rund 25 Meter lange Abseilstelle, wo wir an einem soliden Stand mit Ringhaken abseilen. Dann geht es weiter, ein rund zehn Meter langer Reitgrat sieht spektakulär aus, kann aber rittlings gut überwunden werden. Dann geht es noch einige Male auf und nieder, über den nördlichen Vorgipfel des Piz d’Arlas und am Ende über ein sumpfiges Schneefeld und mit zweimal Abseilen zurück auf den Gletscher – man darf hier ruhig etwas auf Steinschlag achten während dem Ablassen/Abseilen, da einiges an losem Zeugs herumliegt.

Für Marina die erste “richtige” Hochtour – und gleich mal mit ZS bewertet. Nicht schlecht, muss man sagen.

Details zur Tour

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