Gross Litzner – Gross Seehorn

#storyHike'n'Trail
Nach gemütlichem Packen am Freitag fahren wir nach Klosters/Monbiel und starten von dort aus mit den Velos in Richtung Alp Sardesca. Wenn man die Strecke zu Fuss ginge, würde spätestens dann die Laune wohl einen Tiefpunkt erreichen – zumindest wenn man das Alpentaxi nicht mehr erwischt. An der Alp Sardesca, die man auf einer Teerstrasse beziehungsweise Landwirtschaftsstrasse erreicht, gibt es sogar einen eigenen „Stall“ für die Velos – das ist natürlich ein sehr cooler Service. Von dort aus laufen wir noch gemütlich in ca. einer Stunde hinauf zur seit diesem Jahr unbewirtschafteten Seetalhütte – bis letztes Jahr war sie mit ihren 14 Schlafplätzen die kleinste bewartete SAC-Hütte der Schweiz. Die Hütte ist sehr gemütlich und es ist alles vorhanden, was man braucht, inklusive Holz und einem kleinen Gasherd. Den nutzen wir dann abends, um uns Rösti mit Bündnerfleisch zu machen. So kann man es recht gut aushalten. Ich schaue mir noch den Weiterweg für den kommenden Tag an und laufe noch ein Stück weiter Richtung Scharte. Die Scharte ist eine Scharte und heisst in dem Fall auch einfach Scharte – wer es nicht glaubt, kann hier gucken.

Natürlich bleiben wir nicht alleine,  es wäre ja auch zu schön, mal eine Hütte für einen Abend für sich allein zu haben. Also kommt gegen 21 Uhr noch ein Pärchen aus St. Gallen und essen einen riesigen Haufen Fisch und Shrimps. Wer’s mag …

Am nächsten Morgen starten wir nicht wie geplant um 5:30 Uhr, sondern erst eine Stunde später, da Marina nicht sehr gut geschlafen hat. Dafür ohne Stirnlampen gehts hinauf zum Unghürboden, wo wir aber ausser ein paar Seen und vielen Steinen keine weiteren Ungeheuer entdecken können. Und es geht auch wieder hinauf in die Scharte, wo wir provisorisch die Gurte und Murmeln anlegen. Über einen ausgesetzten Grat stapfen wir hinauf zu einer unansehnlichen Geröllhalde, über die wir uns weiter Richtung Winterberg mühen. Es geht aber dank grosser Urgesteinsblöcke (Gneis) gut voran und nach ein wenig einfacher Kletterei erreichen wir den Grat knapp unterhalb des Winterbergs.

Hier machen wir eine kurze Pause, bevor es auf der österreichischen Seite auf Bändern weiter geht in Richtung Gross Litzner Vorgipfel. Die Bänder hören allerdings unpraktischerweise irgendwann auf und nach einigen Metern in unschönem, abschüssigem Gelände ohne Sicherungsmöglichkeiten beschliessen wir, auch aufgrund der noch bevorstehenden Länge der weiteren Tour, abzubrechen. Leider hab ich hier den Fehler gemacht und mich einmal auf eine Tourenbeschreibung aus einem dieser Bergsteiger-Foren verlassen – schön blöd, vor allem da ich meist der erste bin, der dem eher ablehnend gegenüber steht. Es lässt sich aber jetzt nicht ändern, aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit (10:30 Uhr ohne dass wir überhaupt die eigentliche Tour erreicht haben) müssen wir uns wohl oder übel entscheiden die Tour abzubrechen. Sch***e. Also alles wieder zurück, auf einem Vorgipfel des Winterbergs, der im Gegensatz des Hauptgipfels in festem Fels erreichbar ist, machen wir es uns für zwei Stunden gemütlich und geniessen das perfekte Wetter ohne eine einzelne Wolke.

Mittlerweile ist die Motivation für den Abstieg nicht mehr so gewaltig, aber wir steigen dann doch wieder ab und kraxeln die Geröllhalde hinunter zu den Ungeheuern, die aber in der Mittagshitze wohl keine Ambitionen haben, sich zu zeigen. Also erreichen wir unbehelligt wieder die Hütte, wo wir noch kurz unsere restlichen Sachen einpacken und uns auf den weiteren Abstieg Richtung Alp und unseren Velos machen. Mit ihnen kommen wir die restlichen Kilometer entspannt wieder am Auto an und machen uns auf die Heimfahrt.

Möchtest du diese Story teilen?
Vorheriger Beitrag
Piz Bernina Biancograt
Nächster Beitrag
Melchsee-Frutt

Ähnliche Stories

Menü