Clariden mit Express-Abstieg zum Klausenpass

Freitag Abend, morgen will ich mit Anna und Michael, mit denen ich letztes Jahr am Piz Bernina unterwegs war, auf den Clariden gehen – keine besonders schwierige Tour, aber immerhin sind wir unterwegs und Sonntag/Montag will ich dann mit Steph eine anspruchsvollere Tour unternehmen.
Der meldet sich dann noch und teilt mir mit, dass er krank ist und daher nichts gehen wird. In diesem Fall reicht es mir diesmal gründlich, wieder einmal bin ich schwer am überlegen, die “Vorbereitungen” für die Bergführerausbildung einfach abzubrechen – immer wieder Absagen, schlechtes Wetter, schlechte Bedingungen, unmotivierte Tourenpartner – für heute habe ich die Schnauze gestrichen voll. Mit schlechter Laune gehe ich ins Bett und sage noch Anna und Michael ab, ich habe überhaupt keine Lust mehr, Morgen noch etwas zu machen.

Morgens um sechs entscheide ich mich dann doch noch spontan wieder um, rufe die zwei an, die nun mit dem Bus hinauf auf den Klausenpass fahren und wir verabreden uns um neun auf der Passhöhe. Mit dem Auto bin ich unterm Strich dann sogar kurz vor ihnen da und kann mir noch in Ruhe ein Brot einwerfen.

Pünktlich um neun starten wir, auf einem Trampelpfad steigen wir los in Richtung Clariden. Wie immer hier nehme ich den falschen der dreiundfünfzig kleinen Wege und wie immer queren wir dann ein paar Meter zurück, bis wir wieder auf dem richtigen Weg sind. Nicht schlimm, zur Abwechslung könnte ich mir aber auch mal merken, wo es lang geht.

Bereits nach einigen hundert Höhenmetern müssen wir die ersten Schneefelder queren. Es liegt auch hier im Gebiet noch sehr viel Schnee, man kommt aber trotzdem gut voran, auch sind eigentlich überall schon gute Spuren im Schnee. Nach einer kleinen Zwischenpause auf halber Höhe zum Gletscher erreichen wir auf rund 2850 m Höhe den Anseilplatz, wo es dann auf den Gletscher und in Richtung Chammlijoch geht. Wir seilen uns an, lassen uns noch von einem deutschen Bergsteiger erklären, dass man auch in einer Dreierseilschaft Bremsknoten machen muss (wenn das nicht so ein Alpenvereinshansel war, fresse ich einen Besen), ignorieren dann seine Weisheiten und starten trotzdem korrekt angeseilt auf den noch gut verschneiten Gletscher. Die ersten Meter das ehemalige “Iswändli” hinauf sind kurz etwas steiler, danach flacht der Gletscher wieder schnell ab und wir queren in Richtung Clariden Vorgipfel nach links. Es hat den Anschein, dass es sich hier nur um einen völlig spaltenfreien Firn handelt, nichts ist zu sehen. Die gute Schneelage täuscht aber, vor einigen Jahren war ich im Herbst hier und da hat man die durchaus genügend grossen Spalten auf dem ganzen Plateau sehr gut gesehen. Angeseilt zu gehen ist daher Pflicht, auch wenn viele hier offenbar eine gute Lebensversicherung haben.

Am Fuss des Vorgipfels, wo man den Gletscher verlässt, verändern wir kurz die Seilschaft, ich nehme Anna und Michael ans kurze Seil und wir steigen zügig auf den schuttigen Vorgipfel, wo es auf der anderen Seite wieder rund 100 m in eine Scharte vor dem Hauptgipfel hinab geht. Ab hier müssen wir nun im leichten Gelände etwas klettern, dank der Sicherungsstangen kann man das aber sehr gut führen und absichern. Gestaffelt klettern wir hinauf, jeweils an einer Stange oder einem Felsköpfl hole ich die zwei nach, oft können wir auch gleichzeitig am kurzen Seil gehen. Kurz vor dem Gipfel überholen wir noch eine grössere Gruppe, bevor wir dann nach rund dreineinhalb Stunden auf dem Gipfel stehen.

Nach einer ausgiebigen Pause machen wir uns wieder fertig für den Abstieg und zügig steigen wir in umgekehrter Reihenfolge wieder ab. Anna und Michael wollen noch weiter auf die Planurahütte und morgen noch eine weitere Tour unternehmen. Wir haben aber abgemacht, dass sie mich noch wieder vom Gletscher hinunter begleiten, das sind dann ungefähr nochmal rund 150 Höhenmeter, die sie wieder hinauf müssen. Am Gletscher bauen wir die Seilschaft wieder um und zügig geht es dann wieder vom Gletscher hinab. Der Schnee wird langsam weich, auch ein paar dicke Wolken quellen aus dem Tal empor. Ich schicke die zwei gleich wieder los, damit sie nicht im Nebel auf dem grossen Gletscherplateau herumstolpern müssen und der Schnee nicht noch weicher wird.

Dann mache ich mich an den Abstieg – ich glaube, ich bin noch nie so schnell rund 1000 Hm abgestiegen. Dank der vielen Schneefelder, die ich einfach hinunterrennen/rutschen kann, bin ich nach einer guten halben Stunde wieder unten am Pass und der sich sonst etwas ziehende Abstieg ist enorm schnell vorbei. So muss das sein!

Details zur Tour

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