Autobiwak und Galenstock Südost-Sporn

Zur Zeit herrscht herrlichstes Hochsommerwetter und das will genutzt werden. Da das Wochenende mit Besuchen verplant war, haben wir uns Sonntag Mittag spontan entschlossen, am Abend auf den Furkapass zu fahren und morgen den Galenstock zu besteigen. Gesagt, getan. Am späten Nachmittag packen wir unsere Sachen und dann geht’s auch schon los.

Via Andermatt fahren wir auf den Furkapass hoch und suchen uns einen schönen Parkplatz direkt an der Passhöhe. Nach einem gemütlichen Essen, auf dem Crash-Pad sitzend und in die Bergwelt schauend, laufen wir noch ein bisschen herum, geniessen die letzten Sonnenstrahlen auf einer kleinen Mauer sitzend und begutachten unser morgiges Ziel aus der Entfernung.

Die Nacht verbringen wir wieder in unserem “Camping-Auto” – klein aber gemütlich. Aber sehr lange dauert die Nacht leider nicht. Um fünf Uhr klingelt schon der Wecker. Draussen ist es noch empfindlich kalt und ich komme nur schwer aus den (Daunen-) Federn. Aber Falko lockt mit heissem Tee und so frühstücken wir unsere Brötchen mit Erdbeermarmelade, trinken die Tassen leer und verstauen unser gesamtes Gepäck wieder im Kofferraum.

Auf der Passstrasse fahren wir die 500m zum Restaurant Furkablick zurück, wo wir das Auto abstellen, Schuhe anziehen und dann geht’s auch schon los. Pünktlich um 6 Uhr, wie geplant. Auf dem Wanderweg Richtung Sidelenhütte wandern wir erst einmal gemütlich empor. Immer wieder müssen wir schon hier “unten” auf 2500 m ü. M. Schneefelder kreuzen. Aber wir werden heute noch mehr Schnee erleben. Wir queren den Sidelenbach auf einer kleinen Eisengitterbrücke und einige hundert Meter vor der Sidelenhütte verlassen wir dann den Wanderweg.

Über Schneefelder kommen wir zum Gletscher, wo wir Steigeisen anlegen und die Wanderstöcke für später zurücklassen – ab jetzt haben wir ja einen Eispickel in der Hand. Am Anfang geht es gemütlich bergan, später aber wird es immer steiler. Unser Ziel ist der Südost-Sporn des Galenstock, über den wir auf den Galengrat gelangen wollen, um von dort Richtung Gipfel aufzusteigen. Es liegt viel Schnee, aber im Moment liegt unsere Route auf dem Gletscher noch im Schatten und wir können gut über die kuppierte und gefrorene Oberfläche laufen. Im steilen Bereich, kurz bevor wir zum Kletterteil der Tour übergehen, ist das Laufen mühsam und zumindest ich komme nur langsam voran. Schliesslich ist es aber doch geschafft.

Über schuttige, steile Bereiche und ein steiles kleines Firnfeld steigen wir weiter auf. Danach kämpfen wir uns noch ein paar Meter (immer noch durch brüchigen Schutt) nach oben – anschliessend folgt die erste Verschnaufpause. Steigeisen ausziehen (juhu!), Brot essen, trinken. Wir sehen zwei weitere Bergsteiger, die die Tour “neben uns” machen. Sie steigen gerade zur Oberen Bielenlücke auf und klettern später über den Südostgrat in Richtung Gipfel (Südost-Sporn und Südost-Grat sind zwei verschiedene Touren auf den Galenstock).

Derweil machen wir uns weiter an den Aufstieg über “unseren” Sporn. Falko klettert im Vorstieg, beziehungsweise er steigt eben nach oben und mich wundert es im Nachstieg, wo ich von Falko gesichert bin, immer wieder, warum das bei ihm alles so leichtfüssig aussieht. Ich bin also schwer damit beschäftigt über die riesig hohen Tritte jeweils einen Fuss oder zumindest ein Knie auf einen höher gelegenen Absatz zu bringen, um mit dem Rest meines Körpers hinterher zu klettern. Der Fels macht es einem aber zum Glück relativ einfach, bei jedem Zug einen grossen Griff in dem gut griffigen, rauen Fels zu finden und so kraxeln wir immer weiter in Richtung Wechte, die über dem Galengrat hängt, nach oben.

Die zwei “Nachbarn” sieht man auch immer wieder in ihrer Route und weitere Besteiger, die schon wieder auf dem “Heimweg” sind, sehen wir links von uns jetzt in der Abseilpiste, die wir später auch noch nutzen wollen.

Um 11.30 Uhr haben wir die Kletterei geschafft. Hier gibt es eine kleine Brot-und-Wasser-Verschnaufpause, bevor wir über den Firn durch eine gute Spur zum Gipfel aufsteigen, den wir nach genau sechs Stunden erreichen. Unser Mittagessen (Brote und Wasser, was sonst) geniessen wir also auf dem 3586 Meter hohen Galenstock, dem vierthöchsten Gipfel der Urner Alpen. Die zwei Kletterer vom Südostgrat treffen wir am Gipfel wieder, sie steigen allerdings über den Normalweg ab.

Nach unserer Stärkung machen auch wir uns an den Rückweg. Zuerst geht es die Schneespur entlang zurück und (in respektvollem Abstand) an der Wechte Richtung Absteilstelle. Durch die vielen Spuren im Schnee und einer gut sichtbaren Markierung inklusive Steinmanndli ist die aber nicht zu übersehen. Wir machen uns also bereit zum Abseilen, dann kommt zuerst Falko an die Reihe und sobald er am nächsten Standplatz angekommen ist, bin ich an der Reihe.

Das Abseilen läuft prima und die Standplätze sind super eingerichtet. Damit man in den Ständen nicht hängen muss, haben die Erbauer sogar extra kleine Eisengitter angebraucht, auf denen man gemütlich stehen kann. So arbeiten wir uns von Standplatz zu Standplatz, bis wir wieder Schnee unter den Füssen haben. Angeseilt steigen wir von dort mühsam hinunter Richtung Tal. Es ist anstrengend zu laufen, da man im mittlerweile sehr aufgeweichten Schnee tief einsinkt und immer wieder wegrutscht. So landen wir das ein oder andere mal im Schnee, bis wir den Gletscher endlich hinter uns gelassen haben.

Unsere Wanderstöcke finden wir wieder an der ursprünglichen Stelle. Dort legen wir dann auch wieder die Gurte ab, verstauen Seil und Pickel am Rucksack und laufen Richtung Auto. Hier unten ist es richtig heiss und die Sonne brennt unbarmherzig auf uns herunter. Aber es bleibt uns nichts anderes übrig, als zu Laufen, denn ein Schattenplätzchen ist hier nicht in Sicht. So kämpfen wir uns über etliche Schneefelder und erreichen um 15.30 Uhr schliesslich wieder den Parkplatz, den wir am Morgen um 6 Uhr verlassen haben.

Nach einer kurzen Umzieh-Aktion rollen wir Richtung Andermatt, wo wir uns erst mal in das gemütliche Café Baumann setzen. Bei Eis, Torte und Kaffee lassen wir den perfekten Tag dort ausklingen, bevor wir die letzte Stunde Fahrt nach Hause in Angriff nehmen.

Details zur Tour

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