Piz Palü

Wir verlassen unserer “Basecamp” am Camping Morteratsch und nehmen den Bus Richtung Diavolezza. Dort steigen wir jedoch nicht (wie der faule Mob) in die Gondel und schweben nach oben, sondern tragen unserer Rucksäcke die 900 hm selbst zur Bergstation. Oben angekommen geniessen wir noch ein bisschen die Sonne auf der Terrasse, bevor ein leckeres 4-Gänge-Menü den Abend abschliesst. Diesmal haben wir aus Kostengründen ein 6er Zimmer gebucht und kein komfortables 2er Zimmer. Aber wir haben Glück und bleiben alleine in unserer Schlafstätte – perfekt, um ruhig schlafen zu können (auch, wenn die Decken einfach viel zu kurz sind).

Um 2:50 Uhr klingelt unser Wecker. Aufstehen, anziehen, Rucksack fertig machen und ab zum Frühstück. Bereits um 3:45 Uhr stehen wir draussen in der Dunkelheit. Wobei es gar nicht so dunkel ist, eine klare Vollmondnacht erleuchtet die Schneekuppen um uns. Trotzdem kommen wir um die Stirnlampen nicht herum, um den Weg um den Piz Trovat zu finden. Abschüssiges, brüchiges Gelände – da fühle ich mich nicht gerade wohl und bekomme bei einem wackligen Tritt gleich einen grossen Schreck. Damit ist mir auch der letzte Schlaf aus dem Kopf und ich bin hellwach.

Kurz darauf erreichen wir den Gletscher, seilen uns an und dann gehts Richtung Piz Palü. Vor uns ist nur eine 2er-Seilschaft, die aber Richtung Ostpfeiler strebt. Als wir den Cambrena-Gletscherbruch um die eindrücklichen, tiefen Spalten herum durchsteigen, erreicht uns die Sonne und das Panorama um uns herum ist einfach wunderschön. An der Schulter ist dann der Aufstieg zum Ostgipfel sichtbar. Hier gehts steil nach oben, immer im Zickzack. Oben angekommen verlieren wir aber keine Zeit und gehen direkt zum Hauptgipfel weiter. Der Grat zwischen Ost- und Hauptgipfel ist für mich nochmal eine Mutprobe. Der schmale Schneegrat fällt nach beiden Seiten steil ab und was man hier braucht ist vor allem Gleichgewicht. Nach ein paar Minuten ist aber auch diese Hindernis geschafft und wir sind auf dem Gipfel des Piz Palü. Falko kann sich nie so richtig merken, wo auf diesem kleinen “Plateau” der eigentliche Hauptgipfel des Piz Palü ist und so marschieren wir einfach über die höchste Stelle hinweg, um unseren Gipfelerfolg 30 m weiter und vielleicht einen Meter unterhalb des Gipfels zu “feiern”. Egal, oben ist oben.

Wir legen eine Frühstückspause ein – es ist gerade 8 Uhr und danach geht es weiter Richtung Piz Spinas (Westgipfel am Palü). Dort beginnt der Spinasgrat, über den wir unseren Abstieg fortsetzen. Die Kletterei über den Grat bereitet mir etwas Probleme. Allerdings nicht, weil es schwieriges Gelände ist, sondern viel mehr, weil es so luftig ist. In ausgesetzten Passagen kann ich mich einfach nicht so wohl fühlen. Aber schliesslich erreichen wir doch noch das Ende des Spinasgrats und über die Fuorcla Bellavista biegen wir Richtung Norden und Fortezzagrat ab.

Erst geht es ein Stück über Gletscher und Firn, dann erreichen wir wieder Fels. Leider hat sich vor uns eine Grupper von Tirolern angestaut, die die Absteilstellen am Fortezza blockieren. Forsch und frech, wie Falko halt so ist, steigen wir zeitgleich in die erste Abseilstelle ein. Durch einen höher gelegenen Ausstieg und einer schnellen Abseilaktion an einem anderen Stand kommen wir aber an der Gruppe vorbei und können den Abstieg und die Absteilstellen zügig hinter uns bringen.

An der letzten Absteilstelle passiert dann allerdings noch ein kleines Missgeschick. Ich rufe Falko, der mich gerade ablässt, noch zu, dass unter mir plötzlich ein Überhang ist und er langsam machen soll. Nach seiner Meinung ist die beste Überwindung eines Überhangs jedoch einfach ein Stück Seil mit einem Ruck durchlaufen zu lassen, damit man die Stelle schnell überwindet. An sich richtig, nur hab ich nicht damit gerechnet und meine rechte Hand noch am Seil. Das Seil spannt sich jedoch, als ich in den Überhang “falle” und meine Finger werden dabei für eine Sekunde zwischen Seil und Fels gequetscht. Unten angekommen packe ich mir erst mal einen Haufen Schnee auf die Hand. Zwei Finger sind gleich blau und dick, einer hat eine Schürfwunde. Der Schmerz lässt nach einiger Zeit nach und stört im restlichen Abstieg zum Glück kaum mehr – die Kletterstellen haben wir alle hinter uns.

Über das Rifugio dals Chamoutschs oder auch Gemsfreiheit genannt kommen wir letzten Endes zur Isla Persa. Dort legen wir während einer Stärkungspause Gurt und Seil ab, verstauen alles im Rucksack und treten die letzte Etappe an. Der Abstieg zum Morteratschgletscher zieht sich in die Länge und der Marsch auf dem Gletscher noch viel mehr. Immer wieder müssen wir über die ein oder andere Spalte hüpfen und kurz vor Ende müssen wir sogar nochmal die Steigeisen anlegen, um eine steile Stelle zu überwinden.

Dann endlich erreichen wir die Brücke über den Gletscherfluss und damit den Wanderweg. Nach endlosen 2 km Gelatsche erreichen wir endlich das Hotel Morteratsch und nach weiteren 2 km endlich unser Zelt. Leider sind wir zwei Minuten zu langsam und werden vom Gewitterregen noch nass, bevor wir uns nach 2000 hm Abstieg erschöpft in unsere Campingstühle fallen lassen können.

Details zur Tour

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