Von Samedan über den Berninapass nach Poschiavo

Mit dem Mountainbike im Auto fahre ich am Samstag Morgen über den Albulapass ins Engadin bis zum Flughafen Samedan, wo ich mich mit Patrick, seiner Freundin Vanessa und einem Kumpel von ihm, Paolo, treffe. Die drei bleiben bis am Montag, um Biketouren zu unternehmen, ich habe nur heute Zeit und fahre daher am Abend wieder zurück. Wir wollen die ausgewiesene Bikestrecke von Samedan über den Berninapass nach Poschiavo fahren.

Nachdem sie ihren Campingbus auf den Zeltplatz gestellt haben, geht es am späten Vormittag los. Vanessa kommt nicht mit, sie wird uns dann später in Poschiavo mit dem Zug abholen. Über breite Radwege geht es nach Pontresina, am Bahnhof vorbei und dann weiter das schöne Tal in Richtung Station Morteratsch, wo sich der Blick auf Piz Palü & Co. öffnet. Patrick und Paolo waren beide noch nie in dieser Gegend, vor allem Paolo kann sich kaum sattsehen – lustige Fragen, was denn eigentlich ein Gletscher sei usw. folgen. Wohnort Mainz in Deutschland, noch nie in den Alpen gewesen.

Nach dem Bahnhof Morteratsch geht es kurz über den Fluss und direkt danach einen ersten Trail steil hinauf, der die Steilstufe  zur Passhöhe eröffnet. Hier kann ich noch meine Trümpfe ausspielen, ich muss die Passagen bergauf nutzen, bergab werde ich mich dann noch früh genug hinten anstellen müssen. Oben angekommen, geht es weiter leicht ansteigend in Richtung Diavolezzam über kleine Pfade, die aber schön zu fahren sind. Immer wieder haben sich die Touristenvereine für das Überqueren von Kuhgattern und -zäunen kleine Brücken ausgedacht. Diese rund einen Meter hohen und breiten und mit Querrohren ausgestatteten Bögen können mit dem Bike überfahren werden – viel Spielraum hat man allerdings nicht. Spannenderweise kann ich sie alle überfahren, obwohl ich jedesmal einen eleganten Abflug über den Lenker erwarte. Nach der Diavolezza geht es weiter in Richtung Lago Blanco, den man auf kleinen Trails umrundet und an der Station Ospizio Bernina herauskommt. Hier machen wir eine kleine Pause, bevor es noch ein paar flache Meter am See entlang geht. Danach beginnt die rund 1600 Hm lange Abfahrt nach Poschiavo. Brrr …

Anfangs geht es auf breiteren, steilen Wegen hinab in Richtung Alp Grüm, eine Station an der Linie der Rhätischen Bahn. Patrick und Paolo preschen runter, dass sie meiner Meinung nach keinerlei Chancen hätten, bei einem Fahrfehler irgendwie zu bremsen, aber das müssen sie ja selber wissen. Ich bin immer einige Meter hintenan und lasse auch einen ziemlich grossen Sicherheitsabstand zu den beiden (wenn der sich nicht ohnehin ergibt ).

An der Alp Grüm halten wir wieder kurz an, dann geht es steil weiter hinunter in Richtung Bahnhof und daran vorbei in den Wald hinein. Es ist aber alles noch ganz gut zu fahren, keine riesigen Blöcke im Weg und wenig Betrieb. Etwas weiter unten rollen wir dann nach Cavagliola hinein, einem kleinen Weiler auf einem Geländeplateau, bevor es wieder die nächste Sektion hinunter geht. Hier ändert sich jetzt allerdings der Charakter der Strecke, es wird deutlich steiler und enger, auch Haarnadelkurven sind jetzt dabei. Hin und wieder trage ich die Mühle jetzt, um keine Stürze zu riskieren. Patrick und Paolo fahren alles mit dem Rad, Paolo sehe ich jetzt allerdings häufiger mal aus dem Gebüsch kriechen.

An einer doofen Stelle haut es mich dann aber auch um, bei einer Hangquerung bringe ich das Vorderrad einfach nicht mehr frei und mache, was man dann so macht – ich kippe einfach um. Dummerweise auf die Talseite, die hier wenigstens nicht sonst wie weit abbricht. Das Resultat nach drei Metern Flug sind ein eingerissener Fingernagel und eine eingerissene Fahrradhose, was mich jetzt ziemlich ärgert. Noch vorsichtiger trage ich das Rad jetzt an einigen Stellen weiter. Paolo hat sich mittlerweile mindestens zum vierten Mal hingelegt, dieses Mal scheint er einen ziemlichen Schreck bekommen zu haben. Warum nimmt er denn nicht einfach mal etwas Tempo raus? Verstehe ich nicht … Die verbogene hintere Kettenstrebe seines nagelneuen Fahrrads trägt jetzt aber immerhin mal dazu bei, dass er etwas vorsichtiger fährt.

Ein paar letzte steile Passagen in nervigem Schotter, dann kommt man aufs freie Alpgelände heraus, wo sich Patrick gerade aus einem Weidezaun befreit. Glücklicherweise war der nicht geladen, bis auf einen ordentlichen Schlag im Hinterrad passt bei ihm aber alles.

Über die Richtigkeit und Sinnhaftigkeit der “offiziellen” Schwierigkeitsbewertung dieser Strecke sinnierend rollen wir dann in Poschiavo ein, wo ich mich nach einem kalten Rivella direkt verabschiede und den nächsten Zug zurück nach Pontresina nehme, da es bei mir sonst zu spät wird, bis ich wieder daheim bin. Patrick und Paolo warten noch auf Vanessa, die noch auf dem Hinweg im Zug ist.

In Pontresina steige ich dann aus, fahre die letzten Kilometer nach Samedan zurück und von dort aus geht es dann wieder über den Julierpass zurück nach Bennau.

Details zur Route

  • 17. August 2013
  • 45 kilometers
  • 600 Höhenmeter
  • Schweiz
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