Piz Palü Ostgipfel

Aktivitäten, Hochtouren

Dieses Jahr hat er es mir irgendwie angetan, der Piz Palü. Zum wiederholten Male geht es über Sargans, wo ich Anna und Michael aufsammle, über den Julierpass nach Pontresina und auf den Berninapass, wo wir bei der Talstation der Diavolezza-Bahn parkieren. Wir wollen morgen den Ostpfeiler des Piz Palü in Angriff nehmen. Ich möchte den schon immer mal gerne machen und als Führungstour wäre das auch nicht so schlecht im Tourenbericht.

Nachdem wir nochmal gecheckt haben, dass jeder alles hat (Michaels Rucksack hat mal wieder die Grösse eines kleinen Einfamilienhauses …) steigen wir den immer wieder schönen Hüttenweg zur Diavolezza auf. Über ätzend breit ausgeschobene Pistenrampen geht es hinauf, wir machen es nur der Akklimatisation wegen. Was soll’s, immerhin können wir dann sagen, dass wir den Piz Palü wirklich bestiegen haben.

Ich bin gespannt und seit dem Julierpass etwas ernüchtert, denn von dort aus sieht man dann auf den Piz Morteratsch und den Piz Bernina – alle im felsigen Teil erschreckend weiss und verschneit. Hab ich was verpasst? Schauen wir mal … Das schöne am Fuss-Aufstieg zur Diavolezza ist, dass man abrupt über den Rücken kommt und voll mitten in der Arena der hohen Berge steht. Das ist immer wieder ein schöner Anblick, dieses Mal auch noch mit einer gehörigen Menge an Neuschnee, der überall im Fels hängt. Das bedeutet damit allerdings für mich auch direkt mal das Aus für den Ostpfeiler, plattiges Gelände im III. und IV. Grad mit zwei Personen am Seil ist mir nicht so angenehm. Wir entscheiden uns, dafür morgen die Überschreitung anzugehen, die ich mit Marina zusammen vor einigen Wochen gemacht habe. Die ist ja auch sehr schön und bei Schnee in der Route auch machbar.

Wir verbringen den Nachmittag auf der Terasse relaxend, schauen einer Rettungsaktion am Biancograt zu und geniessen später das wieder einmal hervorragende Abendessen auf der Diavolezza. Dummerweise schmecken die Zuccini als Beilage noch recht gut, so dass ich sie sogar aufesse (ich hasse Zuccini eigentlich …). Anna und Michael sind dann schon beizeiten im Lager, ich vertreibe mir noch eine Stunde die Zeit mit Lesen und probiere mein neuestes Geheimmittel aus: Baldriantropfen. Um meine immer unglaublich erfrischenden Nächte auf Berghütten ein wenig aufzupeppen, möchte ich jetzt mal testen, ob ich damit besser einschlafen kann. Kurz nachdem ich ein paar Tropfen genommen habe, fühle ich mich zumindest mal ziemlich müde und gehe eine halbe Stunde später dann auch schlafen.

3:15 Uhr, der Wecker klingelt. Spielt zwar für mich keine Rolle, denn ich bin bereits wach oder besser gesagt, immer noch wach. Dieses Mal habe ich es jetzt sogar geschafft, einfach mal überhaupt nicht zu schlafen. Keine Ahnung, warum, aber es stinkt mir ziemlich und entsprechend gerädert fühle ich mich. Dass es draussen nebelig ist und ganz schwach ein paar Schneeflocken herumtanzen, macht es nicht besser.

Wir frühstücken, Anna und Michael sind ziemlich aufgedreht und haben es eilig. Ich lasse mir aber Zeit, denn für die Überschreitung müssen wir es nicht sonst wie pressieren. Um kurz nach 4 Uhr starten wir dann in die Dunkelheit hinein. Vor uns sind noch zwei Lampen zu erkennen, die meisten starten erst später. Um den Piz Trovat herum gelangen wir auf die Moräne, wo wir die den etwas mühsamen Steig hinunter auf den Gletscher absteigen. Die beiden vor uns und noch ein paar andere turnen irgendwo über uns auf der Moräne herum und steigen dann an einer ziemlich dämlichen Stelle ab, wo sie den halben Berg zum  Einsturz bringen.

Steigeisen anlegen, anseilen und los gehts. Wir sind nun die ersten, irgendwas scheinen wir also doch noch richtig gemacht zu haben. In einer breiten Autobahn geht es am Piz Cambrena vorbei und in den Eisbruch am Cambrena hinein. Die Spur ist teilweise ziemlich abenteuerlich angelegt und offenbart stellenweise beeindruckende Tiefblicke in riesige Löcher. Kurze Zeit später verschluckt uns dann dichter Nebel, die Sicht reicht nun nur noch wenige Meter weit. Im Licht der Lampe ist die Spurfindung dank dem Trampelpfad zum Glück kein Problem, andernfalls wäre jetzt hier wohl Schicht im Schacht gewesen.

Am Schnapsboden mache ich eine kurze Pause, mir gehts eher mässig, die nicht geschlafene Nacht setzt mir zu. Der nun folgende Steilhang, den ich nur erahnen kann und der hier noch ziemlich mächtige Neuschnee (das sind sicherlich noch um die 50 – 60 cm) machen das Spuren anstrengend, denn hier ist die Spur nur mehr undeutlich vorhanden, da man im Abstieg einfach gerade den Hang hinunter geht und somit eine mehrere Meter breite “Piste” entstanden ist. Oben geht es nun um eine Abbruchzone rechts herum und über die letzte grosse Spalte, die nach wie vor mit einer spannenden Brücke aufwartet. Leichter Wind ist mittlerweile aufgekommen und es dämmert, so dass wir nun die Lampen ausschalten können. Über den nun flachen Anstieg steigen wir auf die Schulter aus, wo uns ein eisiger Wind und graue Suppe empfängt.

Wir machen noch eine kurze Pause, ich bespreche mit den beiden, dass wir bei den Bedingungen eher nur auf den Ostgipfel gehen und die gleiche Route wieder zurück, denn bei null Sicht auf dem Grat herum zu turnen macht ohnehin keinen Spass. Abgesehen davon hat es auch hier in der Nacht nochmal wenige Millimeter Neuschnee gegeben, die auf dem felsigen Teil liegen und die Aktion eher ziemlich rutschig werden lassen dürfte. Am kurzen Seil steigen wir nun den steilen Hang in Richtung Ostgipfel hinauf. Ich muss mich ziemlich plagen, heute bin ich wirklich im Eimer. Kurz reissen die Wolken auf, lassen zumindest erahnen, wie gut die Sicht von hier oben eigentlich ist. Aber der Moment ist nur von kurzer Dauer, dann sind wir wieder eingehüllt vom dichten Nebel und beissendem Wind.

Um viertel vor acht stehen wir oben auf dem Ostgipfel, der rund 18 m niedriger als der Hauptgipfel ist. Ein paar Fotos, etwas trinken und dann machen wir uns bald auf den Abstieg. Nun kommen uns einige Seilschaften entgegen, auch sie hatten eigentlich den Ostgrat machen wollen, es dann aber heute morgen auch aufgrund des Nebels und den damit verbundenen Schwierigkeiten, den Einstieg zu finden, gelassen. Schlussendlich hat seit letztem Wochenende, als die Kaltfront für den Neuschnee sorgte, niemand mehr den Pfeiler gemacht. Wir lassen nun einige Gruppen vorbei, die sich allesamt ziemlich eingepackt haben in ihre Jacken und es auch nur teilweise zu geniessen scheinen. An der Schulter bauen wir wieder um zur Gletscherseilschaft und dann geht es über die Aufstiegsroute wieder zügig zurück zur Diavolezza. Den Gletscherbruch können wir nun nochmal mit etwas mehr Zeit und bei Tageslicht betrachten, wirklich imposant. Noch imposanter, wenn man darüber nachdenkt, wo man da im Winter teilweise seilfrei so alles drüber joselt.

Kurz vor dem Ende des Gletschers dann noch zwei Gruppen, die offensichtlich jetzt erst starten zum Palü, es ist mittlerweile 10 Uhr. Wir sind wieder unten, sie starten gerade erst und werden mindestens vier Stunden auf den Gipfel brauchen. Die nahe Seilbahn und der vermeintlich leichte Aufstieg scheinen immer wieder Gruppen dazu zu verleiten, die Tour auf die leichte Schulter zu nehmen. Egal, nicht unser Problem. Es wird immer so sein, vielleicht ist das einfach der natürliche Schwund …

Wir stapfen nun noch zurück zur Diavolezza, geniessen auf der Terrasse noch einen Kaffee und steigen dann zu Fuss wieder ab zur Talstation, wo wir um 13 Uhr losfahren. Letzten Endes haben wir aus den Bedingungen das Beste gemacht, auch fast alle anderen Gruppen sind wieder über die Normalroute abgestiegen, die Überschreitung hat wohl auch niemand mehr gemacht an diesem Tag. Dass mittlerweile die Sonne vom Himmel lacht, ist wieder mal typisch, aber so haben wir im Abstieg noch ein paar Strahlen abbekommen.

Details zur Tour

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