Cardada-Panoramatrail oberhalb von Locarno

Die Flucht vor dem schlechten Wetter auf der Alpen-Nordseite hat uns spontant für ein Trailrunning Wochenende ins Tessin gelockt. Auf einsamen Trails laufen wir von Avegno am Eingang des Valle Maggia nach Cardada und geniessen das Panorama über das Tal und den Lago Maggiore.

Spontane Reisen sind oft die besten. Und da der Nordstau für die Voralpenregion Regen bringt, haben wir uns Anfang Mai für ein Wochenende im Tessin entschieden. Die Temperaturen und das Wetter sollen im Süden weit besser werden und wir nutzen die Gelegenheit für ein bisschen Trailrunning. Unsere “Basisstation” ist die Casa In Selva in Cavergno, der Ort, an dem sich das Valle Maggia in das Val Bavona und Val Lavizzara aufteilt.

Nachdem wir gestern direkt von Cavergno im Valle Maggia unterwegs waren und mit dem Höhepunkt unserer Tour gehadert haben, sind wir heute auf den Panoramablick über den Lago Maggiore aus. Der Ausgangspunkt unserer Tour liegt ein paar Kilometer entfernt in Avegno, am Eingang des Maggiatals und unser Ziel ist Cardada, der Hausberg oberhalb von Locarno. In Avegno gibt es einen kleinen Wanderparkplatz, auf dem wir unser Auto parkieren und schon kann es losgehen.

Gleich am Dorf beginnt der lange und steile Aufstieg Richtung Cardada. Der Wanderweg führt teilweise über Natursteintreppen, die an manchen Stellen mit Holzgeländern gesichert sind. Der Weg schlängelt sich zwischen den Felsen hindurch und die Bäume und Sträucher rings herum geben immer wieder mal einen Blick auf die umliegenden Gipfel frei. Da ich heute ein bisschen gemütlicher unterwegs bin, läuft Falko schon mal voraus. Ich bin einfach zu langsam.

Ruhe mit Panorama-Aussicht

Nach den ersten 400 Höhenmetern erreichen wir Scaladri, einen Kletterfels mit einigen Mehrseillängen-Routen. Heute ist hier jedoch niemand unterwegs und wir begegnen auf dem Weg abgesehen von ein oder zwei anderen Wanderern niemanden und geniessen die Einsamkeit hier oben. Mal über offenes Gelände, mal durch Buchenwälder laufend erreichen wir die Tessiner Häuschen von Al Noce. Bei einer kleinen Pause entdeckt diesmal Falko (nachdem ich bereits gestern an der Reihe war), dass sich eine kleine Zecke an seiner Wade festgesetzt hat. Heute haben wir unser Zeckenkarte aber im Gepäck und das kleine Mistvieh ist bereits nach wenigen Minuten wieder entfernt. Wir sind wirklich genervt, dass es hier so viele von diesen Biestern hat.

Im Schatten der riesigen Bäume machen wir eine erste Pause, bevor wir die nächsten Serpentinen nach Monasté in Angriff nehmen. In zwei lang gezogenen Kurven führt uns der Wanderweg hier über offene Flächen weiter hinauf. Bevor wir Pianosto erreichen, stehen wir aber mal wieder vor einem Blättermeer. Da wir aufgrund der kleinen Blutsauger wenig motiviert sind, hier hindurch laufen zu müssen, entscheiden wir uns für die Diretissima hinauf nach Pianosto. Ist zwar steil, dafür ersparen wir uns das Gewühle durch die trockenen Blätter, wo die Zecken bereits auf ihre nächste Beute hoffen.

Tessiner Zecken-Eldorado

Die kleinen Häuser bei Pianosto sind alle wunderbar renoviert und sehen wirklich toll aus. Von hier oben haben wir einen beeindruckenden Ausblick ins Valle Maggia und auch der Blick zum Lago Maggiore begeistert uns. Aber wir sind ja noch nicht am Ziel. Ab jetzt wird der Weg etwas flacher und mit wenigen Höhenmetern Anstieg durchqueren wir den nächsten Buchenwald bis zur Alpe Vegnasca. Auch hier müssen wir wieder diverse Blätterhaufen durchqueren, schaffen es diesmal aber, ohne einen der ungeliebten Parasiten aufzulesen.

An der Alpe Vegnasca haben wir dann die Qual der Wahl und müssen uns entscheiden, welchen Weg wir einschlagen. Zur Auswahl stehen weitere 250 Höhenmeter über den Wanderweg hinauf zur Cimetta oder der direkte Wanderweg nach Cardada. Da wir keine Lust mehr auf Bäume, Laubmeere und weitere Höhenmeter haben, entscheiden wir uns Richtung Cardada weiter zu gehen. Wir schlagen die Variante über den Forstweg ein und landen schliesslich auf dem Bike- und Wandertrail, der oberhalb von Cardada entlang führt und einmal die Bahn hinauf zur Cimetta kreuzt. Die Panoramaaussicht auf Locarno und über den Lago Maggiore ist einmalig. Dafür hat sich der Aufstieg auf jeden Fall gelohnt.

Non parlo italiano

Nur, wer hoch läuft muss auch irgendwie wieder runter kommen. Und heute haben wir keine Lust mehr, die gut 1000 Höhenmeter hinunter nach Locarno zu laufen. Da die Bahn hinunter in die Stadt direkt vor unserer Nase steht, möchten wir diese auch nutzen. Nur Bargeld haben wir – wie fast immer – keines dabei. Die Kasse an der Bergstation ist nicht besetzt und der in die Jahre gekommenen Ticket-Automat funktioniert natürlich nicht digital. Kartenzahlung – Fehlanzeige. Ein bisschen ratlos stehen wir also an der Bergstation und ärgern uns über diesen Zustand. Irgendwann entdecke ich dann einen verheissungsvollen Knopf, der mich mit der Talstation verbindet. Die Kommunikation ist allerdings äusserst schwierig – ich spreche kein Italienisch und mein Gegenüber weder Deutsch noch Englisch. Ein vorbeikommendes Ehepaar hilft mir mit ein paar Brocken ihres Italienisch aus. Das überzeugte “Si, si” aus dem Lautsprecher auf die Worte “pagare carta credito?” lässt darauf schliessen, dass es schon okay ist, wenn wir einfach mal mitfahren und an der Talstation bezahlen. Falko ist sich da aber nicht so sicher. Zum Glück treffen wir kurz vor der Abfahrt noch den Gondelführer, der uns dann versichert, dass wir mitfahren können.

Nach wenigen Minuten Fahrt erreicht die Gondel die Talstation und wir dürfen unsere Talfahrt mit der Funivia dann mit Karte an der Talstation bezahlen. Ein einfacher Zettel in ein paar Sprachen an der Bergstation hätte genügt, um uns einige Verwirrung zu ersparen. Aber wahrscheinlich fahren die meisten Menschen mit der Bahn hoch und laufen im höchsten Fall wieder runter, aber nicht umgekehrt… Was sind wir denn auch für Verrückte.

Schleichwege durch Locarno

Am Ausgang der Talstation geniessen wir erst einmal die tolle Aussicht über die Stadt, den See und hinüber zur Kirche Madonna del Sasso, bevor wir uns an den weiteren Weg machen. Wir haben uns eine Bushaltestelle ausgesucht, von welcher wir die nächste Verbindung nach Avegno nehmen wollen. Da wir uns hier nicht sonderlich gut auskennen, folgen wir erst einmal der Strasse in westlicher Richtung. Im Nachhinein könnte man mit einem Blick auf die Karte sagen, dass wir den schönen Kreuzweg vorbei an Madonna del Sasso nach Muralto hinunter verpasst haben. Dafür haben wir zufällig einen kleinen Wanderweg genommen, der sich zwischen den Häusern und Gärten hindurch am Hang hinunter schlängelt und zwischen dem ganzen Grün um ums herum immer wieder tolle Blicke auf die Stadt frei gibt. Vielleicht sogar schöner, als die übliche Touristenvariante. Wir sind auf jeden Fall zufrieden mit dieser Wahl. Mit dem Bus geht’s kurz darauf in wenigen Minuten zurück zu unserem Ausgangspunkt im Maggiatal.

Einsamkeit auf Zeit

Die gesamte Tour bietet ein wunderschönes Panorama und tolle, zum teil recht steile Trails und gute Möglichkeiten, Touren mit dem öffentlichen Verkehr zu verbinden. Wer es genau wie wir schätzt, in Ruhe unterwegs zu sein, dem sei geraten, nicht gerade während der überlaufenen Oster- und Pfingstwochenenden sowie in der Hochsaison in der Umgebung von Cardada unterwegs zu sein. Dann ist es hier oben sicherlich extrem überfüllt und an der Bahn können wir uns auch gut Wartezeiten vorstellen. Zudem solltet ihr auf jeden Fall eine Zeckenkarte im Gepäck haben. Unser Touren-Fazit: Lohnenswert! 👍

Details zur Tour

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