Gedanken zu einem Wohnmobil-Trip nach Skandinavien

Reisen

Eine nachdenkliche Zusammenfassung unseres Trips mit einem gemieteten Wohnmobil nach Norwegen – und schneller wieder zurück, als wir erwartet hätten. 

Die ursprüngliche Idee entstand vor einigen Jahren bei einem Urlaub in Norwegen: es wäre doch eventuell eine coole Sache, dort mal mit einem Wohnmobil unterwegs zu sein. Anfang 2019 haben wir dann entschieden, dass wir die Idee im Sommer 2019 ausprobieren möchten und bei Alco Wohnmobile in der Nähe von Luzern ein solches Gefährt gemietet. Dauer: drei Wochen, Kosten: ziemlich viel Geld. Dafür bekommen wir eine Modell-Variante, bei der wir annehmen, uns darin wohl zu fühlen (also mit Längsbetten und immerhin einer gewissen Menge an Platz). Ausserdem mit einem insgesamt guten Gesamtpaket, was Versicherung, Inklusiv-Kilometer (Norwegen ist weit weg…) und Ausstattung anbelangt.

Der erste Kontakt mit dem Wohnmobil

Vor Kurzem war es dann soweit und wir konnten das Gefährt an einem Freitag Nachmittag abholen. Der erste Eindruck war überwiegend positiv und nach der Heimfahrt und dem Einparken vor dem Haus (auf eine Rückfahrkamera hatten wir bei der Buchung geachtet…) stand nun also dieses 7-Meter-Schiff im Hof und wartete auf seinen Einsatz im Camper-Alltag. Model Knaus Sun TI 650 MEG Deluxe Trallala. Automatik-Getriebe, Tempomat, Navi, Küche, vollständiges Bad, Heckgarage, Platz für zwei bis drei Personen. Knapp drei Meter hoch, will Diesel trinken (hmpf…) und hat einen etwas stärkeren Motor, damit wir hoffentlich nicht sofort als typisches Strassenhindernis negativ auffallen.

Den restlichen Abend verbringen wir nun also damit, alles einzupacken. So viel ist es aber schlussendlich gar nicht: ein paar Klamotten für’s Laufen, Wandern und Velofahren, ein paar wenige Grund-Lebensmittel, um die kommenden Tage während der Fahrt nicht dauernd auf Einkaufsmöglichkeiten angewiesen zu sein (Stichwort “enge Parkplätze”) und unsere Mountainbikes. Ein paar Campingstühle und einen Tisch haben wir von der Vermietung ohnehin mit dazu bekommen. Auch der obligatorische Teppich, um darauf seine Veranda aufbauen zu können, ist mit dabei. Eigentlich hatten wir beschlossen, auf dieses grüne Ding vor dem Wohnmobil aus Peinlichkeits-Gründen zu verzichten, aber da es sich als gute Polstermöglichkeit in der Heckgarage entpuppte, durfte es dann doch noch mit auf die Reise. Ohne dabei je seinem eigentlichen Verwendungszweck als Fussabtreter zugeführt worden zu sein. 😉

Erste Zweifel?

Wir haben uns in den letzten Wochen bereits im Vorfeld sehr viele Gedanken dazu gemacht, was von der ökologischen Bilanz unserer geplanten Aktion zu halten sei. Man findet viel darüber (hier ein Beispiel), dass Wohnmobil-Reisen im Gesamtkontext betrachtet gar nicht so schlecht seien. Verglichen mit all den Flugzeug- und Kreuzfahrt-Intermezzos mag die Bilanz ja ganz annehmbar sein. Eine recht interessante Studie des deutschen Öko-Instituts in Freiburg von 2013 zu diesem Thema findet sich hier.

Die realistische und nüchterne Betrachtung ohne Einfluss irgendwelcher Interessengruppen ergibt für uns allerdings ein anderes Bild:

  1. Wir müssen während einer Norwegenreise insgesamt rund 5000 Kilometer fahren. Kombiniert mit dem Verbrauch von geschätzten 12-15 Litern Diesel pro 100 Kilometern kommt alleine damit schon eine CO2-Menge zusammen, die sich im Bereich von rund 2.5 t ansiedelt und geht damit fröhlich genau in die entgegengesetzte Richtung, in die dieser Wert für alle Menschen in den nächsten Jahren gehen muss. Die Höhe des Treibhausgas-Ausstosses kann man nun noch auf verschiedene Arten und Weisen berechnen, hin- und herdrehen und verdammen, schlussendlich bleibt er, was er ist: viel zu hoch für drei Wochen Privat-Vergnügen von zwei Personen.
  2. Ein Wohnmobil hat den “schönen” (darauf kommen wir gleich noch zu sprechen) Nebeneffekt, dass man sein Zuhause immer dabei hat. Das bedeutet gleichzeitig: sobald man aus welchen Gründen auch immer nur wenige Kilometer mit dem Auto fahren muss/will, bewegt man knappe 3.5 Tonnen für diesen Zweck komplett nutzlosen Blechs durch die Landschaft – den entsprechenden Kraftstoffverbrauch inklusive. Schlaue Köpfe lösen das Problem offenbar so, dass sie ihren Smart auf einem Anhänger am Wohnmobil auch gleich noch mitnehmen.

Was hat das nun für Konsequenzen für uns? Den Urlaub von vornherein gar nicht antreten? Das ist verdammt viel Geld dafür, denn das übernimmt keine Reiserücktrittsversicherung. Wir entscheiden uns dazu, dass wir es auf einen Versuch ankommen lassen, aber zumindest die Fahrt via myclimate.org kompensieren werden.

Einmal längs durch Deutschland

Einen weiteren Nachteil des Wohnmobils haben wir bereits bei der Reiseplanung festgestellt: man kann damit grössenbedingt leider nicht den Autoreisezug zwischen Lörrach und Hamburg benutzen, so wie wir das bei der Hinfahrt 2017 gemacht haben. Wir brechen daher am Samstag sehr früh auf, um möglichst viel zeitlichen Puffer angesichts der zu erwartenden Staus zu haben. Via Schaffhausen geht es nach Deutschland und anschliessend über die A81 und die A7 stetig nach Norden.

Es vergeht ein langer Reisetag, inklusive vieler Möglichkeiten sich über die erschreckend hohe Anzahl an Dummköpfen und Spinnern auf deutschen Autobahnen zu amüsieren und zu wundern. Begriffe wie Sicherheitsabstand, Einscheren nach dem Überholen mit etwas mehr als zwei Metern Abstand oder Tempolimite werden konsequent (wenigstens das funktioniert…) ad absurdum geführt. Es gibt für uns kein einziges Land, in dem das Autofahren nervender ist – und das mit deutlichem Abstand! Wir entwickeln unweigerlich eine regelrechte Fuck-You-Mentalität, denn mir persönlich ist nichts gleichgültiger als der hausgemachte Stress, den viele angesichts ihres unterirdischen “Fahrstils” entwickeln. Übrigens: hinter einem Wohnmobil kann der Hintermann gerne noch so viel gestikulieren, Lichthupen, einen Herzkasper bekommen und innerlich explodieren – als Fahrer des Wohnmobils bekomme ich das nicht mal mit. 😉 Und je dichter aufgefahren wird, umso eher kommt der Punkt, an dem ich das hinterherfahrende Auto im Rückspiegel gar nicht mehr sehe. Was ich nicht sehe, interessiert mich noch weniger – und damit viel Spass beim Warten. 😊 Auch nett beim Wohnmobil: mit der komfortablen Crashzone von rund sechs Metern zwischen Fahrersitz und Heck sind uns auch vorprogrammierte Auffahrunfälle von hinten her ziemlich gleichgültig.

Verlieren wir noch ein paar Worte zum “Zustand” einiger Autobahnen. Macht es wirklich Sinn, in einem Mittelgebirge wie den Ausläufern des Harz, wo das Wort Tunnelbau offenbar nicht bekannt ist, beim ständigen Auf und Ab der Autobahn kein Tempolimit zu haben? Was passiert also, wenn ein LKW, Kastenwagen, Wohnmobil oder sonst ein nicht so stark motorisiertes Fahrzeug (ja, auch die gibt’s…) aus einem solchen Tal wieder in die Steigung hinein fährt? Richtig, es wird signifikant langsamer. Das heisst, auf einer Spur kriechen nun mit teilweise 50 km/h die LKW’s, auf der anderen Spur rauschen die Autos der einschlägig bekannten Autohersteller mit einer Differenzgeschwindigkeit von wahrscheinlich 100 km/h entlang. Welcher geniale Verkehrsstratege errät nun, was wohl passiert, wenn eines der langsameren Fahrzeuge zum Überholen ausschert? Das dürfen die nämlich auch, denn – heiliger Schreck: die linke Spur ist ja leider doch nicht nur für Modelle technisch abgehängter deutscher “Premium-Ingenieurskunst” reserviert. Und à propos Ingenieurskunst: warum genau liegen teilweise immer noch die Betonplatten auf den Autobahnen, die gefühlte 80 Jahre alt sind und jedes auch nur halbwegs lockere Element in einem Auto zum Knarzen und Klappern bringt, dass es eine wahre Freude ist?

Wie man sieht: wir hatten so richtig Spass auf unserer Fahrt durch Deutschland…

Nach vielen Stunden Vorsprung durch Technik und Freude am Fahren erreichen wir etwas traurig und mehr oder minder entnervt den Campingplatz Böhmeschlucht in der Nähe von Soltau. Der Platz ist ganz in Ordnung, er liegt am kleinen Flüsschen Böhme unweit der Autobahn und wir schlagen unser erstes Kapitel als Wohnmobilisten auf. Auf dem Programm stehen nun Strom anstecken, den Kühlschrank von Batterie auf Strom umstellen und Bekanntschaft mit einer der ganz typischen Sorte von Camper-Stereotypen machen: dem Glotzer.

Der Glotzer

Liebe Leserin, lieber Leser, es tut mir leid. Dieser gesamte Beitrag ist durchaus ein wenig als Auskotzen über Themen zu verstehen, die uns während unserer Reise aufgefallen sind. Da musst du nun durch (oder du lässt es einfach bleiben, das ist auch völlig in Ordnung), aber es muss einfach mal raus. Vielleicht findest du dich auch in einem (oder gar mehreren?) der beschriebenen Stereotypen wieder und empörst dich über mein unmögliches Geschreibsel. Das ist auch vollkommen okay, aber verbringe doch auch ein paar Minuten damit, darüber nachzudenken, warum es diese Stereotypen gibt. Denn das kommt oft nicht so ganz von ungefähr.

Also, der Glotzer. Basis-Zutaten sind ein Wohnmobil oder Wohnwagen, oftmals auch ein Vorzelt mit dem bereits erwähnten grünen Teppich (für den roten Teppich reicht das Selbstvertrauen offenbar doch nicht aus), zwei bequeme Stühle, ein Tisch mit Blumenvase, eventuell Gartenzwerge, weisse Zäunchen, graue Haare und Gardinen. Letztere kommen primär zum Einsatz, wenn sie von geübter Hand unauffällig zur Seite geschoben werden, um zu beobachten, welches Individuum sich erdreistet, sich doch noch in Sichtweite mit seinem Wohnmobil auf die selbe Wiese zu stellen. Anschliessend wird in bequemer Stellung aus besagten Stühlen heraus genauestens schamlos beobachtet, wer die Neuankömmlinge sind, woher sie kommen (im berndeutsch gerne auch “Fremde Fötzel” genannt) und ob sie denn auch alles richtig machen. Natürlich inklusive Einhaltung sämtlicher ungeschriebener Gesetzte wurzelschlagender Dauercamping-Ureinwohner und ob sie eventuell sonst irgendwie durch’s Raster fallen: Hippies, zwei Frauen oder Männer im Wohnmobil (“Sind die vielleicht…?”) oder Camper, die nicht sofort ihre Stühle vor dem Caravan aufstellen. Zur letztgenannten Gattung gehören wir – primär deswegen, weil die beiden Stühle, die wir von der Vermietung mitbekommen haben, beide an der gleichen Stelle kaputt sind. 😡 Unter strengen Blicken unserer liebenswürdigen Nachbarn begutachten wir die defekten Stühle und stellen sie anschliessend wieder in die Heckgarage, wo sie den Rest der Reise im Dunkeln verbringen werden. Strafe muss sein.

Nach all diesen schönen Vorkommnissen machen wir etwas, was offenbar unter vielen (Wohnmobil-)Reisenden auch nicht sonderlich verbreitet ist: wir bewegen uns und gehen einige Kilometer ins nahegelegene Dörfchen Vierde spazieren, um uns endlich mal die Beine zu vertreten. Vierde ist genau so wie es klingt: klein, verschlafen und auf den ersten Blick von mehr Kühen als Menschen bewohnt. Aber das ist in Ordnung. Mit ein paar Schritten mehr auf dem Schrittzähler geht es wieder zurück zum Campingplatz und wir verbringen den Abend entspannt und dank Rollos an allen Fenstern auch ungestört in unserem fahrbaren Paradies.

Eine Fahrt durch Dänemark und Schweden

Wir haben uns bei unserer Reiseplanung entschieden, dieses Mal nicht via Dänemark/Hirtshals und per Fähre nach Norwegen zu fahren, sondern den Landweg über Schweden auszuprobieren. Auch hier ist allerdings eine kurze Fährfahrt zwischen Puttgarden und Rødby nötig. Wir erreichen das Fährterminal nach einer nicht allzu langen Fahrt durch Norddeutschland und werden in rund 45 Minuten nach Dänemark befördert. Schön: ab hier gibt’s ein Tempolimit, es gibt weniger Autos und die Strassen sind in einem guten Zustand. Bis Schweden ist es auch nicht allzu weit und eine gute Stunde später erreichen wir bereits die riesige Øresund-Brücke zwischen Kopenhagen auf dänischer und Malmö auf schwedischer Seite. Dank unseres Kombitickets für Fähre und Brücke kommen wir schnell weiter und geniessen die Abwechslung und den Seitenwind (Wohnmobil + grosse Seitenfläche + Wind = lustig) während der Fahrt über die Brücke.

Nun geht es in einem grossen Bogen um Malmö herum, bevor sich die E6-Autobahn stracks gen Norden wendet und dann unaufhörlich in Richtung Oslo und Norwegen führt. Wir passieren Helsingborg und Halmstad, durchfahren eine wenig spannende Landschaft und beschliessen, am Nachmittag auf einem Campingplatz bei Espevik unser Nachtlager aufzuschlagen. Die Saison ist hier definitiv bereits vorbei: abgesehen von einigen wenigen Wohnmobilen und einem völlig fertigen Tourenfahrradfahrer ist quasi nichts los. Das macht es aber natürlich auch angenehm und so verbringen wir den restlichen Nachmittag mit einer kleinen Joggingrunde durch exklusive Villenviertel auf einer kleinen Halbinsel und den Abend gemütlich im Wohnmobil und beim Sonnenuntergang am Strand.

Von Reiseadaptern und Fäkaltank-Klappen

Am nächsten Morgen ist es kalt. Da wir nicht richtig einschätzen können, wie lange wir mit dem Gas durchhalten (zum Kochen, je nach dem zum Heizen und ab und an mal zum Betrieb des Kühlschranks), haben wir vom Vermieter noch einen elektrischen Heizlüfter mitbekommen, damit wir das Auto zumindest auf dem Campingplatz auch mit Strom warm halten können. Bevor die Geschichte weitergeht, muss noch erwähnt werden, dass wir uns im Vorfeld gefragt haben, welchen Steckdosentyp wohl so ein Wohnmobil hat. Schuko oder Schweizer Stecker? Die Antwort bei der Übergabe: Schweizer Modelle erhalten Schweizer Steckdosen. So weit, so gut, dann müssen wir keinen Adapter mitnehmen.

In der morgendlichen Kälte grabe ich also den Lüfter aus und stecke ihn – nicht in die Steckdose. Denn am Ende des Heizlüfter-Kabels grinst mich ein alt-ehrwürdiger Schuko-Stecker an. Nachdem die Rumpelstilzchen-Nummer mir jetzt auch nichts bringt und ich mich wieder etwas beruhigt habe (immerhin ist mir jetzt warm…), überlegen wir, wie wir dieses Dilemma nun lösen können. Wir sind mitten in Schweden und das einzige Land mit Dreifach-Stecker ist die winzige Schweiz rund 1500 Kilometer weiter südlich. Schlechte Ausgangslage also, um einen Schweiz-Adapter zu bekommen. Dazu kommt noch, dass wir genau wissen, in welcher Schublade zuhause exakt der benötigte Adapter läge. Aber nein, es hat nicht sollen sein.

Glücklicherweise gibt es das Internet. Und das Internet sagt uns, dass ein Stückchen hinter Göteborg, also rund 60 Kilometer entfernt von hier, direkt neben der Autobahn an einer Autobahnausfahrt ein Mediamarkt liegt. Und dieser hat laut Bestandsangabe einen Reiseadapter Schuko auf CH/IT/UK vorrätig an Lager. Google Maps zeigt auch noch einen riesigen Parkplatz davor an, auf dem keine Wohnmobil-feindlichen Höhenkontrollen erkennbar sind und wir müssten auch nicht mit unserem Raumschiff durch enge Altstadtgassen manövrieren und dabei neben dem Fahrzeug wertvolle Bausubstanz und Menschen zerstören.

Also machen wir uns auf den Weg. Göteborg erreichen wir pünktlich zur Rush-Hour und stehen ein wenig im Stau. Wie wir so dahinrollen, fällt mein Blick in den linken Aussenspiegel – und ich sehe eine wild hin-und her schwingende, offene Klappe. Dabei handelt es sich um die Klappe, hinter der sich der berühmt-berüchtigte Fäkaltank unseres Wohnmobils verbirgt. Unser Fahrzeug hat aussen insgesamt fünf Klappen/Klapptüren: Heckgarage, Wasserversorgung, Stromanschluss, Gas und Fäkaltank. Alle haben einen logischen Verschluss (also einen Griff zum ziehen und ein Schloss zum abschliessen). Nur eine nicht: der Fäkaltank. Den Verschluss hat offenbar irgendein Praktikant bei Knaus designed, denn das Ding ist eine unlogische Kombination aus Drehgriff und Schloss, die auf eine ganz bestimmte Art und Weise geöffnet und vor allem geschlossen werden will. Ich hatte heute morgen Interesse halber dort hinein geschaut und offenbar beim Schliessen die Rezeptur nicht korrekt befolgt. Nun stehen wir also im Stop-and-Go-Verkehr ohne Pannenstreifen auf der Autobahn und das Scheisshaus ist offen. Irgendwo finden wir dann doch eine kleine Haltebucht und ich quetsche mich unter Lebensgefahr zwischen vorbei rauschenden LKW’s zu der vermaledeiten Klappe hindurch, füge dem Schliessmechanismus noch einen saftigen Schlag hinzu und siehe da, die Klappe hält. Manchmal hilft Gewalt eben doch.

Zur Abwechslung klappt das Besorgen des CH-Adapters kurz darauf in besagtem MediaMarkt erstaunlich problemlos (wir finden sogar auf Anhieb das entsprechende Regal) und nach einem Lebensmittel-Einkauf im danebenliegenden Coop (ja, die gibt’s auch in Schweden) setzen wir unsere Reise frischen Mutes fort.

Ankunft in Norwegen am Tinnsjå

Einige Kilometer vor Oslo verlassen wir die E 18 und biegen links ab, um den Oslo-Fjord zu unterqueren. Auf der E 134 cruisen wir mit unserem Gefährt bei entspannt norwegischem Tempo durch den Tunnel in Richtung Drammen und weiter bis nach Kongsberg. Hier beginnt ein schöner Abschnitt der heutigen Fahrt, die uns quer durch dünn besiedeltes Gebiet und endlosen, mit kleinen Seen garnierten Wäldern und ständigem Auf und Ab bis nach Austbygde am nördlichen Ende des Tinnsjå bringt. Den Campingplatz in Austbygde kennen wir schon von einer unserer letzten Reisen nach Norwegen und haben ihn in guter Erinnerung behalten. Daher wollen wir hier unser Lager aufschlagen und einige Tage am See verbringen.

Am kommenden Tag unternehmen wir eine Wanderung auf den nahegelegenen Gaustatoppen und geniessen es, nach drei Tagen durchgängigen Fahrens endlich einmal nicht (oder fast nicht…) mit dem Auto fahren zu müssen.

Unsere grobe Routenplanung sieht vor, dass unsere Weiterfahrt in die Gegend von Geilo oder Beitostølen führen könnte. Vorher wollen wir aber einmal ausprobieren, ob wir eine Nacht an einer schönen Stelle “wild campierend” verbringen können. Dazu fahren wir auf einer uns bekannten Strecke in Richtung Geilo, von der aus wir letztes Mal eine kleine Wanderung auf den Borgsjåbrotet unternommen haben. Ein paar Kilometer nach dem Ausgangspunkt dieser Wanderung gelangen wir an den Mevatn, einem Stausee auf gut 1000 Meter Höhe, inmitten einer kargen Gebirgslandschaft. Grundsätzlich eine Landschaft, die uns sehr gefällt. Wir finden auch einen netten Stellplatz neben der wenig befahrenen Strasse und platzieren unsere fahrbare Wohnung möglichst eben, bevor wir die Nasen hinaus in die kalte und windige Luft stecken.

Camping wie aus dem Hochglanzprospekt – fern der Zivilisation?

Das Wetter spielt leider nicht so ganz mit. Es weht ein kalter Wind, es regnet immer wieder und wir sind froh über die Heizung und unser trockenes Plätzchen. Irgendwie ganz gemütlich, aber irgendwie fühlt es sich auch komisch an. Jetzt sitzen wir also hier im Wohnmobil, haben ‘zig tausend Kilometer zurückgelegt und alles ist wie gehabt. Wir könnten auch die Fensterscheiben gegen Bildschirme austauschen und je nach Lust und Laune Videos von Landschaften aus der ganzen Welt abspielen. Das Zuhause bleibt gleich, nur der Ausblick ändert sich. Da drüben steht der vertraute Wasserkocher, die eigenen Bettdecken und Kopfkissen liegen bereit, im Badezimmer gibt’s das vertraute Toilettenpapier – alles ist quasi wie zuhause. Wir empfinden es mittlerweile als ziemlich bedrückend. Wäre es nicht schöner, entweder im Zelt oder in einer schönen Unterkunft einige Zeit verbringen zu können? Aus dem Auto raus zu kommen und es als das zu sehen, was es ist, nämlich ein leider teilweise immer noch notwendiges Übel, um von A nach B zu kommen? Ja, es ist beeindruckend, wie komfortabel Wohnmobile, Campingbusse und der ganze Kram mittlerweile sind. Und nein, mit entspanntem Reisen hat das für uns irgendwie nichts zu tun. Reisen bedeutet doch nach der Definition vieler Reisender, andere Menschen und Kulturen kennen zu lernen. Geht das, wenn wir eigentlich nicht aus den eigenen vier Wänden heraus kommen? Wir glauben nicht. Viele unserer Gespräche kreisen mittlerweile mehr und mehr um die Frage, ob es eine gute Idee war, mit einem Wohnmobil so weit zu fahren – und dann am Zielort nicht wirklich zufrieden zu sein.

Die Realität draussen straft passender Weise auch gerade all die Hochglanzprospekte mit ihren lachenden, auf komfortablen Campingstühlen im strahlenden Sonnenschein vor Reisebus-grossen Wohnmobilen sitzenden weisshaarigen Menschen Lügen. Alternativ gibt es dieses Bild auch mit dem nahezu seuchenartig verbreiteten VW-Campingbus mit jungen Familien samt Nachwuchs im perfekt organisiertem Campingchaos – überall mit dem freundlichen Hinweis darauf, dass die Natur nur darauf wartet, von all diesen Entdeckern bereist zu werden und an Orte zu gelangen, wo noch niemand vorher war. 😂

Alles ist also perfekt. Wir möchten trotzdem etwas mehr von unserer Umgebung sehen und ziehen uns unsere Laufklamotten an. Vom Wohnmobil aus machen wir einen rund zehn Kilometer langen Lauf, um trotz dichtem Nebel (stellenweise sehen wir nur wenige Meter weit) ein bisschen Bewegung zu bekommen. Richtig schön ist das so natürlich nicht, aber immerhin können wir uns einen Eindruck von den ganzen kleinen Ferienhütten machen, die sich hinter der Staumauer des Sees lose in der Landschaft verteilt in die karge Vegetation ducken und jetzt im Sommer ziemlich verlassen wirken. Wir können uns irgendwie kaum vorstellen, dass hier im Winter mehr los ist, aber vielleicht ist es dann ein lohnendes Gebiet zum Langlaufen und Schneeschuh-Wandern? Wer weiss…

Leicht durchnässt und fröstelnd sind wir dann trotzdem froh, als wir wieder zurück an unserem Traumschiff sind und uns etwas aufwärmen können. Das Duschen beschränkt sich natürlich auf ein Minimum, aber immerhin können wir das Wasser auf eine gewisse Temperatur aufheizen und müssen nicht kalt duschen.

Den Rest des Tages verbringen wir wetterbedingt auf kleinstem Raum, garniert mit Schokolade und vielen Gesprächen und Überlegungen über den weiteren Verlauf unserer Reise.

Die Stimmung kippt

Nach unserem “abenteuerlichen” Aufenthalt inmitten der “Wildnis Norwegens” machen wir uns am nächsten Morgen auf den Weiterweg. Über eine kurvenreichen Strasse geht es hinunter und weiter bis nach Geilo. Nach einem kurzen Stopp im örtlichen Supermarkt führt uns unsere Route nach Gol, Fagernes und hinauf nach Beitostølen. Der dortige Campingplatz soll unser Stellplatz für die kommenden Tage werden und wir wollen verschiedene Unternehmungen zu Fuss oder mit den Mountainbikes im Jotunheimen Nationalpark unternehmen. Den Campingplatz haben wir schnell gefunden und einem Bauchgefühl folgend drehen wir erstmal zu Fuss eine Runde über den verlassen wirkenden, riesigen Platz, bevor wir uns anmelden wollen.

Was wir sehen, ist allerdings nicht gerade geeignet, unsere kritische Stimmung zu heben. Ein Campingplatz bedeutet für uns, dass hier primär temporäre Gäste unterkommen – mit dem Zelt, Wohnwagen oder Wohnmobil. Die offensichtlich gängigere Definition bedeutet: weisse Zäunchen um definitiv nicht für den temporären Einsatz vorgesehene Wohnwägen, Gartenzwerge, gemauerte Unterbauten und Terrassen sowie ein dadurch entstehendes Schrebergarten-Feeling, welches ungefähr so einladend ist wie das Wartezimmer einer Hausarztpraxis. Nach einigem Suchen finden wir einen asphaltierten Bereich mit ungefähr zehn Stellplätzen direkt an der Strasse am Rand des Campings, der für die temporären Gäste wie uns vorgesehen ist. Wie wir auf diesem schiefen Paradies unser Gefährt ansatzweise gerade abstellen sollen ist nur eines der Fragezeichen, die wir nun vor unseren Augen haben. Zwei weitere Wohnmobile stehen bereits auf diesem gastfreundlichen Gelände – die bei unserem Vorbeigehen sich leicht zur Seite bewegenden Gardinen tragen nicht dazu bei, dass wir uns hier wohler fühlen werden.

Auf unserer weiteren Erkundung finden wir noch ein kümmerliches Stückchen Wiese, das wohl für Zelte vorgesehen ist. Man braucht wohl kaum zu erwähnen, dass es am Rande des Platzes liegt und umzäunt ist, damit klar ist, dass hier eher der ärmliche Abschaum der Gäste untergebracht ist.

Verdammt nochmal!!! Glauben die Betreiber dieses Platzes wirklich, dass wir an einem so ungastlichen Ort unsere Ferien verbringen wollen? Dass wir dafür, auf einem schiefen Parkplatz stehen zu dürfen, recht gesalzene Preise bezahlen werden, um dann in den Genuss alter, ranziger Sanitäranlagen zu kommen???

Kopfschüttelnd beratschlagen wir, wie es weiter gehen soll. Hier bleiben werden wir definitiv nicht, solche Entscheidungen ziehen wir mittlerweile konsequent durch. Das einige Kilometer weiter gelegene Maurvangen ist auch keine Alternative, wie wir vor ein paar Jahren feststellen durften. Zusätzlich verspricht der Wetterbericht für die kommenden Tage wahrlich kein angenehmes Wetter (dafür kann natürlich niemand etwas, aber es kommt nun einfach noch erschwerend hinzu). Bei unserer Anreise haben wir in Fagernes und Leira zwei recht nett wirkende Campingplätze gesehen und so entschliessen wir uns, wieder zurück zu fahren und dort unser Glück zu versuchen.

Heute nur für Stammgäste

Konsterniert rollen wir zurück nach Fagernes. Vorsichtig drehen wir zu Fuss eine Runde über den Campingplatz, um zu schauen, was uns hier erwarten würde. Und natürlich werden wir nicht enttäuscht.

Offenbar findet hier gerade ein Treffen der Concorde-Reisemobil-Freunde Norwegens statt. Viele von ihnen sind bereits eingetroffen und so sind nahezu alle Stellplätze (die grundsätzlich ganz schön wären) bereits belegt von übergewichtigen Rentnern, ihrem/n Hund/en, grünem Rollrasen vor dem fahrbaren Palast und einer zur Schau gestellten Behäbigkeit, dass es uns fast hochkommt. 🤮

Wir müssen wohl nicht erwähnen, dass es uns keine Minute länger in diesem Camping-Altersheim hält. Ein letztes Ass haben wir noch im Ärmel und so fahren wir noch ein Stückchen am Stronbdafjorden entlang bis nach Leira. Auch hier haben wir beim Vorbeifahren direkt am Ufer einen gemütlich wirkenden Platz gesehen und so versuchen wir erneut unser Glück. Ein erster vorsichtiger Gang bringt keine gravierenden Minuspunkte ans Tageslicht, die Sanitäranlagen scheinen auch in Ordnung zu sein und es gibt einige schöne Stellplätze am Ufer. Man merkt, dass die Hauptsaison bereits vorbei ist, da nur wenige Gäste hier sind.

Also melden wir uns an, suchen uns einen schönen Platz inmitten der leeren Wiese und nehmen all die Tätigkeiten in Angriff, die nach einer Ankunft im Wohnmobil anstehen: Stabilisatoren auskurbeln, Strom anschliessen, Kühlschrank auf Strom umstellen, Waschbecken entriegeln, Sitze drehen, etc. Man kann sich in einem Wohnmobil sehr gut mit sich selbst beschäftigen. 😉

Nachdem wir all diese Tätigkeiten hinter uns gebracht haben, gehen wir noch ein Stückchen laufen, da Bewegung definitiv das ist, was in den vergangenen Tagen am meisten auf der Strecke geblieben ist. Am See entlang laufen wir nochmals nach Fagernes, drehen dort eine kleine Runde auf einer Mini-Insel und laufen dann wieder zurück zum Campingplatz. Nichts Grosses, aber immerhin ein bisschen die Beine vertreten. Dann geht’s unter die Dusche und wir verbringen den Rest des Abends im Wohnmobil, da es draussen empfindlich kalt ist, sobald die Sonne untergeht.

Ein Ausflug auf den Mountainbikes

Wir haben uns bereits am Vorabend Gedanken gemacht, was wir heute unternehmen könnten. Ein “Problem” in Norwegen ist, dass durch die schiere Grösse des Landes in Kombination mit seinen wenigen Bewohnern einfach nicht eine solche Infrastruktur vorhanden ist, wie beispielsweise in den Alpen. Dort kann man von so ziemlich jedem Ort aus in alle verschiedenen Himmelsrichtungen starten und irgendwelche Wanderungen, Radtouren, Laufrunden und sonstige Sachen unternehmen. In Norwegen gib es vielleicht mal einen Wanderweg, der dann Dutzende von Kilometern quer durch eine riesige, unberührte Landschaft führt, als Eintagestour aber weniger interessant ist. Das ist grundsätzlich ja auch wirklich toll, dass das Land nicht so zivilisiert wurde wie eben die Alpen. Gleichzeitig stellt es uns durch unsere eher unfreiwillige Wahl des Ausgangspunkts in Leira vor die spannende Frage, was wir denn nun von hier aus so unternehmen könnten.

Eine Idee war, mit den Bikes hinauf auf die Naturstrasse des Panoramaveggen zu fahren. Wir sind bei unserem letzten Besuch hier nach der Besteigung des Skogshorns dort entlang gefahren und die wenig befahrene Touristenstrasse hat uns sehr gut gefallen. Also strampeln wir bei wenig verheissungsvoller Wetterprognose los, fahren auf der Strasse nach Fagernes und weiter in Richtung Øvre. Dort biegen wir links ab und starten in den Anstieg.

Nachdem wir noch schnell unsere Jacken abgelegt haben (bisher war es eher kalt), verfahren wir nach unserer üblichen Methode, bei der jeder sein eigenes Tempo fährt. Ich strample also vor mich hin, immer weiter geht es hinauf. Die Steigung schwankt zwischen eher steil und moderat, der Verkehr ist sehr angenehm (in Norwegen gibt es offenkundig nur wenige Radfahrer, dementsprechend ist auch noch die Bereitschaft da, auf diese Verkehrsteilnehmer Rücksicht zu nehmen) und ich komme ganz gut voran. Ein Blick in die Landschaft zeigt allerdings, dass es mit der Ruhe bald vorbei sein dürfte. Regenschleier kommen immer näher, vor mir türmen sich graue Wolken auf und es regnet offensichtlich genau in der Region, zu der wir gerade unterwegs sind. Entgegenkommende Autos sind klatschnass, die Scheibenwischer laufen auf Hochtouren und auch hier hat es in der Zwischenzeit angefangen kräftig zu regnen.

Irgendwo im Niemandsland bei Semlebakkidn halte ich im Wald an, ziehe mir wieder meine Jacke an und setze eine Mütze auf. Irgendwie macht es wenig Sinn, bei der Kälte und Regen weiter hinauf zu fahren und dann dort oben auf einem riesigen Hochplateau komplett durchnässt mit dem Wind zu kämpfen. Ich rolle ein Stückchen zurück, bis mir Marina entgegen kommt. Nach einer kurzen Besprechung beschliessen wir etwas genervt und enttäuscht, das Abenteuer hier zu beenden und zurück nach Leira zum Campingplatz zu fahren.

Immerhin können wir auf der anderen Seeseite bei wenig Verkehr auf einer kleinen Strasse zurückfahren. So haben wir am Schluss zumindest eine Runde gedreht, auch wenn der Ablauf zum bisherigen Urlaub passt und nicht so recht gelingen will.

Finale Entscheidung

Am nächsten Morgen geht alles ganz schnell. Während unseres Frühstücks und nach eher erfolglosen Überlegungen für unseren heutigen Tagesablauf lassen wir die bisherigen Tage und Erfahrungen Revue passieren. Irgendwie passt alles nicht wirklich zusammen:

  • Das Wetter – dafür kann zwar niemand etwas, aber es ist einfach der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.
  • Die nervige Suche nach halbwegs schönen Campingplätzen, deren Sanitäranlagen nicht mindestens zwanzig Jahre alt und von netten Mitcampern vollgeschissen sind (machen die das zuhause eigentlich auch so? Muss schön sein…).
  • Die daraus resultierende, mehr gewollt als gekonnt wirkende Suche nach Unternehmungen vom unfreiwillig gewählten Übernachtungsort aus.
  • Lagerkoller im Wohnmobil – ein Gefühl, was sich insbesondere bei mir mit jedem Tag mehr einstellt und ich mich in diesem Ding wie ein Gefangener fühle. Keine Rückzugsmöglichkeiten, immer das gleiche Bild. Nur die Sicht aus dem Fenster ändert sich immer mal wieder.
  • Vegetarische Ernährung wäre bei einigen norwegischen Supermärkten ein eigenes Kapitel wert – riesige, abgepackte Fleischvarianten sind überall zu haben, aber bei der pflanzlichen Ernährung ist irgendwie auch noch Luft nach oben. Das könnte man lösen, aber dieser Punkt kam bei uns nach einem bühnenreifen, über mehrere Supermärkten hinweg ausgetragenen Streitprogramms über die nächste Mahlzeit irgendwie auch noch mit hinzu.
  • Und nicht zuletzt unsere immer grösser werdenden Zweifel an der Nachhaltigkeit unseres Urlaubs mit dieser knatternden Dieseldreckschleuder – einer der Hauptpunkte für unsere wachsende Unzufriedenheit.

Wir fühlen uns ganz offensichtlich nicht wohl, beginnen deswegen wegen jeder Kleinigkeit zu streiten und eigentlich freuen wir uns jetzt schon wieder nur noch darauf, nach Hause zu kommen. Daraus resultiert nun die einstimmige Entscheidung, dass wir unseren Urlaub hier beenden und heute noch die lange Heimfahrt zurück in die Schweiz antreten werden. Denn so machen Ferien einfach keinen Spass!

Gesagt, getan: nach dem Frühstück packen wir zusammen und starten die Reise in Richtung Oslo – zum ersten Mal seit Tagen wieder mit einem Gefühl der Freude. 😊

Letzter Zwischenstopp in Schweden

Je näher wir Oslo kommen, um so höher wird der (ohnehin im Vergleich zu anderen Ländern schon hohe) Anteil an Elektroautos, die uns entgegen kommen. Auch wenn das zu einem grossen Teil auf den massiven Förderungen der norwegischen Regierung beruhen mag und eventuell weniger auf Einsicht der Bevölkerung, dass Verbrenner kurz-, mittel- und langfristig keine Alternative mehr sein dürften – offenkundig funktioniert hier in einem Land mit riesigen Distanzen und kalten Wintern das, was anderswo noch mit allen möglichen und unmöglichen “Argumenten” zu verhindern versucht wird: die Umstellung auf Elektromobilität und andere alternative und emissionslose/-arme Antriebskonzepte.

Nachdenklich lassen wir Oslo hinter uns und nehmen erneut die lange Strecke in den Süden in Angriff, die uns an der Westküste Schwedens entlang führt. Erneut finden wir einen schönen Campingplatz direkt am Meer, wo wir eine angenehme Nacht beim Rauschen der Wellen und Möwen-Gekreische verbringen. Einen Tag später haben wir dann bereits wieder die dänischen Inseln und kurz darauf Deutschland erreicht, wo wir nach einer weiteren Nacht eben jenen Teil der Fahrt hinter uns bringen, der mich offensichtlich bereits im Vorfeld enorm genervt hat. Ich habe es ja bereits am Anfang beschrieben – mit all den Idioten auf deutschen Autobahnen und dem Zustand dieser Strassen können wir nichts anfangen. Aber da wir mit Sicherheit nicht mehr in die Verlegenheit kommen werden, mit einem für den Autozug zu grossen Fahrzeug fahren zu wollen, können wir beim nächsten Mal hoffentlich ganz entspannt den Zug zwischen Lörrach und Hamburg verwenden. 😊

Ein Resümee

Einer der schönsten Momente dieses Ferientrips war ironischerweise einen Tag nach unserer Ankunft zuhause die Rückgabe des Wohnmobils. Zwar hatten wir nun natürlich die knappe Hälfte der Miete umsonst bezahlt, nichtsdestotrotz waren wir unglaublich froh, dass wir diese Entscheidung so getroffen haben und dieses Ding endlich loswerden konnten.

Im Anschluss haben wir anhand der gefahrenen Kilometer und Verbrauch einmal ausgerechnet, welche Menge CO2 unsere Fahrt erzeugt hat. Das Ergebnis: rund 3 Tonnen! 🙁 Wir haben diese Menge nun zumindest für den eigentlich lachhaften Betrag von knapp CHF 90 via MyClimate kompensiert. Das macht es trotzdem nicht ungeschehen, aber wichtig ist für uns vor allem die Erfahrung, dass wir uns in Zukunft mehr Gedanken darüber machen werden, ob und wie wir an welches Ziel reisen möchten. Denn seien wir mal ehrlich: diese Reise hat uns hoffentlich klüger und nachdenklicher gemacht, aber befriedigend war es definitiv nicht. Aber vielleicht war sie genau deswegen wertvoll?

Interessanterweise waren die fünf Tage, die wir anschliessend noch spontan in einer schönen Ferienwohnung im Tessin verbracht haben (keine 100 Kilometer Luftlinie von zuhause entfernt) um ein Vielfaches entspannter und erfüllender als die Reise nach Norwegen. Unserer Ansicht nach ist es mittlerweile nicht mehr zeitgemäss, mit solchen Dreckschleudern herumzufahren – von dem ganzen eher organisatorischen und klischeehaften Unsinn rund um Wohnmobil-Ferien einmal ganz abgesehen.

Wie könnten wir einen solchen Urlaub in Zukunft von vornherein besser gestalten? Einer der wichtigsten Punkte ist sicherlich die An- und Abreise. Hier werden wir definitiv zukünftig mit dem Zug oder Elektroauto unterwegs sein und dort, wo es geht (nämlich knappe 1000 Kilometer durch Deutschland) auf den Autozug ausweichen. Fliegen kommt für uns überhaupt nicht in Frage und bei einer Fahrt mit der Fähre Kiel-Oslo sind wir uns nicht wirklich sicher, ob das aus der Klima-Perspektive eine gute Option ist. Und ganz grundsätzlich werden wir es so handhaben wie bisher: es muss überhaupt nicht jedes Jahr ein Urlaub über mehrere tausend Kilometer Entfernung sein. Auch die nähere Umgebung (wie zum Beispiel die Alpen) bieten mehr als genug, um eine schöne Reise unternehmen zu können – und das ohne eine lange Anfahrt.

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Unterwegs in der Trail-Region Fränkische Schweiz

Sommer 2017 in Norwegen

Für unsere Sommerferien 2017 haben wir einen Haufen Vorbereitungsaufwand betrieben – Routen, Unterkünfte, Unternehmungen. Wir glauben Bescheid zu wissen und machen uns auf die Reise nach Norwegen!

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