Der schönste Berg Norwegens

Während unserer Norwegenreise 2019 lief vieles nicht so rund, wie wir uns das erhofft hatten. Auch das Gipfelerlebnis am Gaustatoppen hat ein bisschen zu wünschen übrig gelassen. Im Abstieg bei der Wanderung auf den angeblich schönsten Berg Norwegens haben wir aber doch noch ein wunderbares Panorama zu sehen bekommen.

Bei der Planung unserer Norwegenreise bin ich auf die Wanderung auf den Gaustatoppen gestossen. Angeblich handelt es sich dabei um den schönsten Berg Norwegens, da man von dem markanten Gipfel des Kegelberges rund ein Drittel der norwegischen Landesfläche überblicken soll. Hört sich nach einem lohnenden Ziel an. Und da der Berg nicht weit vom Sandviken Camping in Austbygde liegt, den wir sowieso ansteuern wollen, ist die Tour schnell in unsere Planung eingegangen.

Nach unserem Frühstück im Wohnmobil verstauen wir also wieder einmal alle unsere Habseligkeiten an rutschfeste Plätze und verlassen mit Sack und Pack den Campingplatz. Leider müssen wir mit dem riesigen Wohnmobil hinauf nach Stavro fahren, da wir am Abend leider nicht sicher herausfinden konnten, ob es eine zuverlässige ÖV-Verbindung von Austbygde bis zu den Gaustabanen gibt. Wir hätten die Tour viel lieber mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gemacht, als mit dieser Dreckschleuder dort hinauf zu gurken. Aber jetzt müssen wir das wohl oder übel auf diese Art machen.

Mit Sack und Pack auf die Hochebene

Wir fahren am am Tinnsjå entlang, bis wir der 37 weiter Richtung Rjukan folgen können. In Rjukan biegen wir links nach Tuddal ab und schon beginnt die Steigung hinauf zur Hochebene. Mit Müh und Not und beeindruckendem Dieselverbrauch wälzt sich unser Gefährt die vielen Kehren hinauf und wir kommen uns mit jeder Serpentine ein Stück schlechter vor. Oben angekommen sind wir uns erst einmal kurz unsicher, von wo wir genau loslaufen wollen, entscheiden uns dann aber für die naheliegendste Variante und fahren zum Stavro Parkplatz. Hier befinden wir uns mit unserer dicken Schüssel in “bester” Gesellschaft: der halbe Parkplatz ist voll mit Wohnmobilen und wanderwütigen Touristen – und das, obwohl die Wetteraussichten für das Ziel eher mässig (im Sinne von Bewölkung) sind.

Zwar stehen wir hier in der Sonne und auch auf dem Grossteil des Weges scheint bestes Wetter zu herrschen. Der Gipfel hüllt sich aber schüchtern, wie es scheint, in eine satte Wolke und lässt nichts von sich sehen. Na ja, jetzt sind wir mit diesem Gefährt hier rauf gefahren – jetzt machen wir auch die Wanderung. Auf los geht’s los.

Viele Besucher – viel Arbeit

Der Weg führt in einer leichten Steigung immer Richtung Gipfel. Verlaufen können wir uns also zumindest schon mal nicht. Da der Berg jährlich von ca. 30’000 (!) Wanderern bestiegen wird, sind regelmässige Unterhaltsarbeiten nötig. Die ersten paar Hundert Meter des Wanderweges laufen wir im Zickzack um riesige Transportsäcke herum, die mit grobem Kiesel gefüllt sind und vermutlich dazu dienen sollen, allzu grosse Auswaschungen auf dem Weg zu verhindern. Für die Menge an Touristen, die sich hier jährlich hinauf wälzt, ist der Weg aber wirklich in einem sehr guten Zustand. Und fast noch erstaunlicher und sehr erfreulich ist, dass hier eigentlich kein Müll herum liegt. Ob das nun an den vorbildlichen Touristen, verantwortungsbewussten Norwegern oder engagierten Wegeverantwortlichen liegt, wissen wir nicht, aber auf jeden Fall fällt uns das hier positiv auf.

Die ersten dreieinhalb Kilometer folgen wir dem Weg mehr oder weniger gerade aus und leicht aufsteigend Richtung Gipfel, bevor wir auf eine weitere Aufstiegsroute stossen, die aus Richtung der Gaustabanen hier herauf führt. Hier verlassen wir leider den Windschutz des Geländerückens, in dem wird bisher entlang gelaufen sind und stehen nun voll im Wind. Schnell wird uns kalt und wir laufen zügig weiter. Im unteren Verlauf hat sich der Weg durch einen Flickenteppich aus Vegetation und Steinen geschlängelt. Hier oben ist die Vegetation jedoch gänzlich der Einöde der Steinwüste gewichen und wir fühlen uns ein bisschen wie in einer Mondlandschaft. Ein kurzes Stück geht es jetzt in Richtung Westen, bevor wir am nächsten Abzweig nach rechts wieder in die Richtung des Gipfels laufen. Würden wir dem Abzweig weiter Richtung Westen folgen, würden wir im Gausdalen am Aslakstaulvatn herauskommen.

Frische Waffeln auf 1’830 m. ü. M.

Noch bevor wir die Bergstation der Gaustabanen erreichen, tauchen wir in die fluffige Gipfelwolke ein und unsere Aussicht geht auf null zurück. Bis auf wenige Meter sehen wir nun nichts mehr von unserer Umgebung. Die Station lassen wir links liegen und erreichen kurz darauf die Terrasse der Gaustatoppen Turisthytte. Die Terrasse ist brechend voll mit Touristen und Norwegern und es riecht umwerfend nach Waffeln, die hier oben angeboten werden. Wenn uns nicht so kalt wäre, würden wir uns ja glatt dazu stellen und bei einer Waffel und einer Tasse Kaffee die Aussicht geniessen. Aber da weder Wetter noch Aussicht gerade einladend sind, schlängeln wir und durch die Massen und nehmen die letzten Höhenmeter zum Gipfel in Angriff.

Wolkig, mit Aussicht auf…

Auf der Gipfelplattform steht ein riesiger Turm, von dem wir im Moment aber lediglich die untere hälfte sehen. Der Rest steck in den Wolken. So gut es geht, drücken wir uns etwas missmutig in ein windstilles Ecklein und mampfen unsere Brote. Es macht den Anschein, als würde die Wolke Mitleid mit uns haben und nach und nach gibt sie kleine Sichtfenster für uns frei. Der Wind meint es aber nicht so gut mit uns und da uns hier oben beim Herumstehen langsam echt kalt wird, beschliessen wir den Rückzug anzutreten.

Wieder über die Terrasse der Gaustatoppen Hytte, vorbei an der Bergstation der Gaustabanen und im Wind immer weiter zurück zu unserem Ausgangspunkt. Beim Abzweig zu “unserem” Rückweg sind wir endlich wieder raus aus der Wolke und zurück in der Sonne. Wir geniessen die wärmenden Strahlen und suchen uns ein etwas windgeschütztes Plätzchen, um noch einmal eine Pause einzulegen. Mittlerweile hat sich natürlich auch die Gipfelwolke verzogen und so können wir doch noch einen Blick auf den Turm des Gaustatoppen erhaschen.

Die Aussicht hinüber zum Gaustatoppen Skisenter, auf die umliegenden Seen und Berge ist einfach fantastisch – sogar, wenn es vielleicht nur ein Zwanzigstel der gesamten Landesfläche ist, die wir überblicken. Anschliessend geht es für uns wieder den gleichen Weg zurück zum Parkplatz Stavro, wo unser “fahrender Kühlschrank” bereits auf uns wartet.

Wahre Schönheit kommt von innen

Der schönste Berg Norwegens hat es nicht ganz so gut mit uns gemeint. Unser wolkiges Gipfelerlebnis bei kaltem Wind und so gut wie keiner Aussicht hat uns natürlich enttäuscht. Die schönen Aussichten, die wir im Abstieg bestaunen konnten, haben für uns aber wieder einiges gutgemacht. Zudem waren wir endlich einmal wieder in einer der tollen, norwegischen Landschaften unterwegs, die einer der Hauptgründe sind, warum wir immer wieder gerne in dieses Land reisen.

Auf das Wetter haben wir einfach keinen Einfluss und vielleicht müssen wir auch einsehen, dass wahre Schönheit eben von Innen kommt.

 

 

Details zur Tour

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