#microadventures im Hoch-Ybrig

Hike'n'Trail

Während eines rund 18 Kilometer langen Trailruns via Gschwändstock und Furggelen entdecken wir wieder einmal, welche schönen Unternehmungen wir direkt vor der Haustüre starten können. Und auf dem Rückweg gibt es sogar noch einen (unfreiwilligen) Moorbesuch.

Microadventures

Ich bin mir nicht sicher, ob man Microadventure bereits als Mode(un)wort bezeichnen kann. Gleichzeitig denke ich, dass es mehr und mehr relevant wird, sich zu überlegen, ob man das nächste freie Wochenende mit einem Billigflug in die nächste Stadt verplanen sollte oder ob es nachhaltigere Alternativen gibt. Und hier könnten #microadventures vielleicht eine Art zweiten Frühling erleben. Letzten Endes reden wir hier über nichts anderes als über kürzere Unternehmungen in der unmittelbaren Umgebung zum Wohnort, die keine grossen Vorbereitungen erfordern. Das gab es schon immer (fragt mal eure Grosseltern, was die so am Wochenende in ihrer wahrscheinlich eher raren Freizeit gemacht haben). Aber wenn es hilft, einer banalen Sache einen neuen Namen (und ein Hashtag) zu geben, damit mehr Menschen sich darüber Gedanken machen, wie sie einen möglichst nachhaltigen Tag verbringen, warum sollte es dann nicht valide sein, sie als Microadventures zu bezeichnen.

Für unsere heutiges “Abenteuer” brauchen wir nicht viel mehr als unsere Laufschuhe und -bekleidung, die Laufrucksäcke und etwas zu essen und zu trinken. Dann laufen wir direkt von Oberiberg aus los. Über die Jessenenstrasse und die gleichnamige Brücke geht es wenige Kilometer hinunter nach Unteriberg. Hier beginnt nun der Anstieg über die kleine, asphaltierte Strasse hinauf in Richtung Hochgütsch, einer kleinen Bergbeiz am Südhang auf rund 1095 m gelegen. Wir passieren den Abzweig zum Restaurant und laufen auf der unter uns als Wildschweinstrasse bekannten Trasse weiter in Richtung Chilenwald.

Wildschweine im Unter-Ybrig

Wir sind bereits im Frühjahr 2019 einmal hier herauf gelaufen und haben uns damals erfolgreich blamiert. Direkt neben unserem Weiterweg haben wir zwei Wildschweine entdeckt, die in gefährlicher Ruhe am Mampfen waren. Da man über Wildschweine ja nicht nur positives hört und sie offenbar durchaus eine beeindruckende Geschwindigkeit entwickeln können, wurde unser Weiterweg erstmal gestoppt. Nervöse Beratungen folgten und diverse furchteinflössende Bilder zum Thema “Wanderer stossen auf Wildschweinhorde” erschienen vor dem geistigen Auge. Bis Marina irgendwann auf die Idee kommt, dass es im Kanton Schwyz eigentlich gar keine Wildschweine gäbe und die Exemplare hier vor uns vielleicht eher Wollschweine sein könnten? 😉 Also liefen wir vorsichtig weiter – und siehe da, die Viecher haben nicht mal von ihrer Mahlzeit aufgeschaut. Es steht übrigens sogar auf der Webseite des Restaurant Hochgütsch, dass sie unter anderem Wollschweine halten. 😄

Heute kommen wir aber ohne Schweinereien durch diesen gefährlichen Abschnitt und gelangen bald an den Punkt, wo sich der Weg zu einem schmalen Wanderweg verengt. Ab hier liegt nun der Hauptanstieg vor uns, der uns hinauf bis auf 1530 m Höhe zur Rägenegg führen wird. Ich laufe nun mein eigenes Tempo, während Marina es nach ihrem gestrigen Lauf hinauf zur Druesberghütte etwas ruhiger angehen lässt.

Der Wanderweg führt mit mässiger Steigung und sehr kurzweiliger Routenführung durch dichten Wald, überquert nochmals eine Forststrasse und verläuft dann sehr malerisch auf weichem Moos- und Waldboden. Hier macht uns das Laufen richtig Spass, es federt bei jedem Schritt und wir kommen ohne grosse Anstrengung gut vorwärts. Aber wie so oft, wenn es gut läuft, wartet bald der Mann mit dem Hammer auf mich, in diesem Fall in Form von einigen saftig-steilen Höhenmetern, bis ich endlich wieder lichtes Gelände und Alpwiesen erreiche. Beim Trailrunning oder bei Bergläufen finde ich stufiges Gelände (also Passagen mit Treppenstufen oder hohen Abstufungen durch Wurzeln oder Felsen) immer am anstrengendsten, denn im Grunde genommen macht man mit jedem Schritt eine einbeinige Kniebeuge. Aber irgendwann geht auch das vorbei und ich kann die letzten Meter hinauf zum “Gipfelkreuz” der Rägenegg in Angriff nehmen. Es handelt sich dabei zwar nicht um einen richtigen Gipfel, aber trotzdem steht hier ein Holzkreuz mitsamt Bank und einigen Wegweisern.

Mein alter Freund, der Föhn

Während ich nun auf Marina warte, begrüsst mich ein alter Kollege mit wildem Gebrause. Ich muss es wirklich so sagen: ich hasse Wind! Beim Kajakfahren, weil ich eine Lusche bin, die vor der kleinsten Welle Angst hat. Auf Fähren, weil mir das Geschaukel nicht taugt. Auf dem Velo sowieso, weil der Wind immer der Stärkere ist. Und der Föhn ist noch dazu ein warmer Wind, der irgendwie so gar nicht zur herbstlichen Jahreszeit passen möchte.

Ich verbringe also mein Zeit damit, nicht umzufallen. Allzu lange muss ich aber ohnehin nicht auf Marina warten. Während sie die letzten Meter zu mir herauf läuft, werfe ich ein paar Kalorien in die Futterluke. Dann machen wir uns direkt wieder auf den Weg und biegen links ab in Richtung Gschwändstock, in der Hoffnung, ein Stückchen weiter am Waldrand ein windgeschützteres Plätzchen zu finden. Dort gibt es auch für Marina eine Pause, bevor es weitergeht.

Über ein steiles Wegstück gelangen wir um P. 1590 herum und nehmen die nächste Strecke in Angriff. Ab hier bis kurz nach dem Gschwändstock verläuft der Wanderweg auf einem mehr oder weniger schmalen Grat, der uns immer weiter in Richtung Furggelen bringt. Wir können trotz einiger weniger etwas verwurzelter Passagen eigentlich durchgängig joggen und geniessen bei angenehmen Temperaturen unseren kleinen Skyrun direkt oberhalb unseres Wohnortes. Es ist schon irgendwie komisch, dass oftmals die schönsten Erlebnisse direkt vor der Haustüre liegen und man gar nicht weit fahren muss – und ich bin bisher noch nie hier gewesen. Fast schon peinlich.

An einem Abzweig könnten wir nun den direkten Weg ins Tal nehmen, wobei wir durch den Surbrunnentobel nach Oberiberg absteigen würden. Wie so oft hatte ich mir aber bereits überlegt, dass wir auch noch weiter laufen und hinter der Furggelenhütte einen kleinen Wanderweg hinab ins Tal wählen könnten. Davon muss ich jetzt nur noch Marina überzeugen, aber das sollte nach jahrelanger Erfahrung in solchen Themen auch kein Problem sein. 😉

Nachdem meine Taktik aufgegangen ist (“Ist mir gerade so spontan eingefallen – wir könnten doch eigentlich auch noch…”), nehmen wir die nächsten Kilometer in Angriff und gelangen so durch verschiedenste Landschaftsformen bald zur Furggelenhütte. Auf unserem Weg bekommen wir nahezu alles zu sehen, vom verwunschenen Waldweg über Abschnitte direkt auf dem Grat bis hin zu sanften Hügelzügen, weitläufigem Weidegelände (mittlerweile zum Glück ohne Glocken tragende Bewohner) und Hochmooren…

Gore-Tex-Schuhe sind toll…

…wenn man sie denn gerade tragen würde. So aber müssen wir uns unseren Weg hinter der Furggelenhütte hinab durch den Horetsblätztobel (das Ding heisst wirklich so) durch eine Mischung aus Wiese, Schlamm, Morast und Pfützen suchen. Wir sind hier zwar vor ein paar Jahren schon einmal lang gelaufen, aber dass es so ein Planschbecken ist, ist uns nicht in Erinnerung geblieben. Und das, obwohl es hier die letzten Tage nicht geregnet hat. Es hilft aber alles nichts, mit triefenden Schuhen platschen wir weiter dem Tal entgegen. Unflätige Bemerkungen und Flüche hinter mir lassen mich wissen, dass das alles meine Schuld sei (was gewissermassen leider auch stimmt – warum genau muss das immer so laufen? 😀). Wir schaffen es aber, ohne uns auf den Hosenboden zu setzen und erreichen etwas später mit nunmehr auch recht müden Beinen den alten Schwyzerweg, der von der Ibergeregg hinab nach Oberiberg führt.

Auf diesem Weg geht es nun die letzten Kilometer zurück bis zur Talstation des Laucherenliftes und von dort über die nun sehr zähe Gegensteigung im Dorf wieder zurück nach Hause, wo wir nach rund 18 Kilometern und etwas mehr als 800 Höhenmetern unsere Rundtour beenden. Im Fazit müssen wir sagen, dass es eine wirklich schöne Runde ist, die auch sehr gut mit dem ÖV möglich ist – wir haben natürlich das Glück, dass wir quasi direkt an der Strecke wohnen.

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