Steigletscher

Steph hat sich nun entschieden, dieses Jahr an den Eintrittstest für die Bergführerausbildung Ende Oktober zu gehen. Ein wenig Eistraining kann aber nie schaden und so verabreden wir uns für den Sonntag und wollen am Steigletscher unterhalb des Sustenhorns noch ein bisschen Eisausbildung machen.

Wir treffen uns in Schwyz und fahren dann los, durch das Reusstal hinauf Richtung Andermatt. Irgendwo am Vierwaldstättersee dann ein Schild mit den Infos zu Passstrassen. Anzeige: “Sustenpass Wintersperre”. Ähm, Stopp. Das hatten wir doch auch schon mal. Es hat aber gar nicht geschneit und vor ein, zwei Tagen hatte ich extra noch geschaut, ob der Pass offen ist. Wir halten an einer Raststätte kurz an und suchen nach weiteren Informationen im Internet, scheinbar haben die hohen Pässe mittlerweile eine Nachtsperre, die aber ab 8 Uhr aufgehoben sein sollte. Wir fahren also weiter und hoffen, dass wir durchkommen.

Nach Wassen geht es hinauf auf den Pass, alles ist geöffnet, obwohl es noch nicht 8 Uhr ist. Da haben wir wohl Glück gehabt. Beim Hotel Steigletscher biegen wir links ab und fahren hinauf zum Parkplatz Umpol. Von hier aus müssen wir noch ungefähr eine halbe Stunde bis zum Gletscher laufen. Es liegt schon etwas Schnee hier, aber im Grossen und Ganzen hält sich der Winter noch sehr zurück. Auf dem bereits bekannten Weg stapfen wir hinauf auf die Moräne. Der Abstieg auf das Eis gestaltet sich immer unschöner, nicht schwierig, aber die abgeschliffenen Felsen mit ihrem Schutt und Gletscherschliff machen die Sache nicht gerade angenehmer.

Riesige Höhlen gähnen am Rand des Gletschers, das Wasser rauscht tief drinnen. Der Steigletscher selber ist schneebedeckt, das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es eine immensen Rückgang in den letzten Jahren gibt. Der See am Fuss des Gletschers wird mit blossem Auge sichtbar grösser, die grossen Eiswände, an denen man früher schön Eiskurse abhalten konnte oder im Sommer Eisklettern konnte, sucht man mittlerweile vergeblich. Zwar sind noch viele Spalten im Bereich der Gletscherzunge vorhanden, aber die Mächtigkeit hat deutlich sichtbar abgenommen. Vielleicht wäre auch hier an diesem Gletscher, ebenso wie an den meisten anderen Alpengletschern, ein Zeitraffer-Experiment wie von James Balog interessant und eindrucksvoll?

Wir legen die Steigeisen an, schlüpfen in die Klettergurte und binden uns ein, da genau die Menge Schnee liegt, dass man einige Spalten nicht mehr erkennt, die Schneebrücken aber bei weitem noch nicht das Gewicht eines Menschen tragen. Über die Gletscherzunge geht es nun ein Stück weit hinauf. Steph läuft vorn, er hat heut den Hut auf und ich bemängle alles, was mir an seiner Technik, Verhalten usw. auffällt. Das geht schon einmal direkt los, da er ohne Eispickel unterwegs ist. Wie will er mit blossen Händen einen Sturz auf dem Eis halten? Wieso hat er keine Handschuhe auf dem Eis an? Und warum ist das Seil so schrecklich aufgenommen, dass er sich selber permanent darin verheddert? Das sind alles eher Kleinigkeiten, aber die darf man im Eignungstest definitiv nicht bringen.

Wir stehen nun erstmal vor dem Problem, dass wir nicht wissen, wo wir hin sollen. Wie oben schon geschrieben gibt es quasi keine Eiswände mehr, wo wir ein wenig Eisklettern könnten. An einer Spalte finden wir dann eine gute Möglichkeit, um die Vertikalzackentechnik zu üben: von den meistens zwölf Zacken eines Steigeisen zeigen zehn nach unten. Diese Zacken sollten bei verschiedenen Techniken im Auf- und Abstieg immer alle im Eis sein, um grösstmöglichen Halt zu bieten. Erfunden hat das ein gewisser Kerl namens Eckenstein, daher auch der Name Eckensteintechnik. Kennt kaum noch einer, ist aber wichtig und spart vor allem einen Haufen Kraft und Energie. Allerdings bedarf es einer gewissen Routine, im gut 40° steilen Gelände mit dem Gesicht talwärts abzusteigen oder aufzusteigen. Auch Steph kann da durchaus noch etwas Übung vertragen …

Später bauen wir ein paar Topropes (mit Seilsicherung von oben) an einer Gletscherspalte auf. Der Sichernde lässt den anderen hinab und der kann dann an den bis zu leicht überhängenden Wänden wieder hinauf klettern. Die Spalte ist zwar unten in rund 10 m Tiefe mit Schnee gefüllt, aber ein Hüpfersuch am gespannten Seil offenbart schnell ein schwarzes Loch unter dem nicht mal einen Meter dicken Schnee. Das Seil ist wohl durchaus gerechtfertigt … Nachdem wir uns mehrmals dicke Unterarme geholt haben, geht es nach ein paar weiteren Übungen bei aufziehendem Schlechtwetter wieder zurück in Richtung Gletscherrand. Steph möchte noch die Spaltenrettung üben und wir führen die nochmal durch.

Oh weh … Mein Verständnis ist irgendwie, dass jemand, der zur Bergführerausbildung geht, solche Sachen aus dem Handgelenk schüttelt (das sehen wohl auch die Ausbilder so). Er wird das für den Eintrittstest nicht brauchen, aber da ich mit ihm immer mal wieder unterwegs bin, ist das Gezauber, was er da erfolglos veranstaltet, durchaus interessant …

Wir besprechen am Schluss nochmal, worauf er achten sollte und machen uns dann auf den kurzen Rückweg zum Auto. Gebracht hat es ihm schlussendlich leider nichts, allerdings lag es wohl eher am Skifahren, wo er an den hohen Hürden scheiterte. Aber: nach dem Test ist vor dem Test. The show must go on …

Details zur Tour

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