Tech-Meetup auf dem Roggenstock

Nun ist also Weihnachten vorbei, das neue Jahr 2020 hat angefangen. Es ist somit tiefster Winter – sollte man zumindest meinen. Der Blick aus dem Fenster bei uns auf etwas über 1000 m Höhe offenbart allerdings etwas anderes: ein betrübliches grün-braun-Gemisch, bis rund 500 Meter weiter oben eine wirklich durchgängige Schneedecke beginnt.

Wir haben ja bereits einige schlechte Winter erlebt. 2017 konnten Marina und Patrick am 2. Januar noch zu Fuss und ohne jeglichen Schneekontakt auf den Gross Aubrig im Wägital wandern. Am Tag danach kam dann aber endlich der grosse Schnee, während dieses Jahr gemäss der Prognose der Wetterdienste bis Mitte/Ende Januar weiterhin mit strahlendem Sonnenschein ohne jeglichem Niederschlag gerechnet werden muss.

Wir machen uns dementsprechend so unsere Gedanken, was wir unternehmen könnten. Vom Laufen habe ich mittlerweile nach einem sehr laufintensiven Jahr etwas die Nase voll (auch wenn Marina gefühlt nie genug davon bekommen kann). Langlaufen? Lautes Gelächter im Keller. Skitouren sind zwar prinzipiell möglich, allerdings sind vielerorts die Schneebedingungen dementsprechend: harter Altschnee, zerfahren, Harschdeckel, sulzig. In beliebigen Kombinationen. Genau die Traumbedingungen also, auf die wir Lust haben.

An unserem letzten Ferientag, dem 5. Januar, entscheiden wir uns daher einmal mehr für einen Abstecher auf unseren Hausberg, den 1778 m hohen Roggenstock. Wir nehmen die Schneeschuhe mit und starten mit vollen Rucksäcken direkt von der Haustüre aus in den noch kalten und schattigen Wintertag.

Wer seine Schneeschuhe liebt, der trägt sie…

Über den Sommerweg gewinnen wir rasch an Höhe. Zwar ist der Weg recht schnell schneebedeckt, durch den permanenten Wechsel kalt/warm ist die Schneeoberfläche aber tagsüber aufgeweicht und nachts wieder knüppelhart gefroren.

Über diesen Untergrund stolpern wir nun also mehr oder weniger elegant nach oben, während es durch den westseitigen Schatten des Roggenstocks noch empfindlich kalt ist. Marina hat wie so oft kalte Hände, nach einer halben Stunde zügigen Gehens gibt sich das aber von selbst.

Wir sind mittlerweile auf knapp 1500 Meter Höhe angekommen. Nach wie vor relaxen unsere Schneeschuhe am Rucksack. Durch gute Fussspuren im Schnee brauchen wir sie schlicht und einfach gar nicht. Das ändert sich auch nicht, als wir in Richtung der winterlichen „Schlüsselstelle“ des Roggenstock laufen und nach einigen steileren Metern endlich in die wärmende Sonne gelangen. Hinter uns stapft ein weiterer Wanderer den Berg hinauf, sonst ist es sehr ruhig und niemand zu sehen. Verglichen mit dem Trubel, der sonst im Hochwinter am Roggenstock oft herrscht, ist das sehr entspannend.

Wind, Schnee und Sonne schaffen ein mystisches Ambiente kurz vor der Baumgrenze.

In strahlendem Sonnenschein erreichen wir den Gipfel nach einer guten Stunde Aufstieg. Schneeschuhe? Fehlanzeige. Aber Hauptsache, wir haben sie bis hier herauf getragen. Irgendjemand war sogar so mutig und ist mit den Ski bis auf den Gipfel gestiegen – nun ja. Kann man machen.

Eine Einführung in den Amateur-Funk

Am Gipfel marschiert unser „Verfolger“ schnurstracks an uns vorbei und packt sofort sein Funkgerät aus. Wir hingegen lassen das erste Mal unsere Fotodrohne in die Luft gehen – anfangs mit einem etwas mulmigen Gefühl, aber bald vertrauen wir der noch ungewohnten Technologie und versuchen einige gute Aufnahmen zu bekommen. Zweimal hören wir über den Bergen Helikopter-Geräusche. Ängstliche Blicke – wir wollen logischerweise auf jeden Fall vermeiden, einem Hubschrauber in die Quere zu kommen. Aber Marina gibt Entwarnung, wir sind mehrere Kilometer von der Fluglinie entfernt mit unserer in Sichtweite surrenden Drohne.

Während ich mich mit Joysticks und Foto-/Videomodi beschäftige, steigt Marina in das Amateurfunk-Business ein und unterhält sich mit dem anderen Mann. In einem spannenden und netten Gespräch erfahren wir einiges über die Funktechnologien und wie und mit wem er momentan am Funken ist. Und auch, dass die Kommunikation zwischen Drohne und Steuerung wohl teilweise im wahrsten Sinne des Wortes dazwischengefunkt hat. Hoppla… 🤭

Wenn ich ein Vöglein wär'…

Während wir etwas essen, unterhalten wir uns einige Zeit mit Christian, der gemäss eigenen Worten vor lauter Aufregung, dass er funken darf, seit er auf den Gipfel gekommen ist noch gar nichts getrunken hat. Es ist eine sehr entspannte Pause und wir geniessen das angenehme Gespräch, bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen.

Schneeschuh-Sherpas

Vom Gipfel aus steigen wir über unsere Aufstiegsroute wieder ab. Nicht einmal hier, wo nun die Sonne doch ein wenig auf den Schnee geschienen hat und ich eher weichere Verhältnisse erwartet hätte, müssen wir die Schneeschuhe benutzen. Im Januar bei Schnee zu Fuss auf den Roggenstock – das hatte ich in all den Jahren bisher auch noch nie.

Gegenüber im Hoch-Ybrig herrscht ein energieintensiver Rummel und es ist brechend voll, während wir auf unserer Wanderung ohne Auto, Zug, Lifte oder präparierten Pisten das schöne Gefühl geniessen können, etwas gemacht und geschafft zu haben. Wir machen uns so unsere Gedanken darüber, was so viele Menschen an dem teuren, überfüllten und irgendwie so sehr konsumorientierten Skizirkus reizt. Eine überzeugende Antwort finden wir nicht.

Schattenspiele.

Die oberen Hänge liessen sich sogar gut mit Ski befahren, aber die unteren zwei Drittel der Route müsste man sie definitiv tragen. Das muss dann doch nicht sein. Wir bereuen es auf jeden Fall nicht, dass wir keinen krampfhaften Versuch unternommen haben, die gegenüber den Schneeschuhen auf jeden Fall beliebteren Ski zu verwenden.

Wir sehen im Abstieg noch zwei Schneeschuhgängerinnen, die offenbar in Richtung Adlerhorst unterwegs sind. Ansonsten treffen wir aber auf keine Menschenseele mehr, als wir die verbleibenden Höhenmeter hinunter nach Oberiberg in Angriff nehmen. Im schattigen Teil vor dem Ort müssen wir nochmals etwas aufpassen, um nicht auf der nach wie vor mit Raureif bedeckten Strasse auszurutschen. Aber wir kommen mit heiler Haut unten an und tauchen wieder in die sonnige Ortschaft ein, um kurz darauf unser Zuhause zu erreichen.

Unsere Route auf den 1778 m hohen Roggenstock

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