Adlerhorst

Schnee

Und plötzlich ist alles unter einer Schneedecke begraben. Ja, so schnell kanns gehen. Am Wochenende hat es wunderbar geschneit und da ich mit meiner Bachelorarbeit zeitlich zum Glück sehr flexibel bin, kann ich diesen Dienstag für einen kleinen Vormittagsausflug nutzen.

Ich packe meine sieben Sachen in den Rucksack, krame die Schneeschuhe aus der Garage hervor und los geht’s. Erst durch^s Dorf und dann auf der kleinen Asphaltstrasse zum letzten Bauernhof über dem Dorf. Dort treffe ich auf einen ebenfalls unter der Woche Zeit habenden Skitourengeher. Dem Alter nach hat der seine Arbeitsjahre allerdings schon hinter sich gelassen.

Kurz nach dem Bauernhof lege ich die Schneeschuhe an. Von hier an habe ich keine Spur mehr und muss mich nun aus eigener Kraft durch die ca. 30 cm Pulverschnee kämpfen. Der Weg ist nicht schwer zu finden, denn ich folge eigentlich der Asphaltstrasse, die zur Schipfauweid und weiter zum Tubenmoos führt. Da sie aber dick eingeschneit ist, ist es fast so, als gäbe es die Strasse nicht.

Ich biege also Richtung Schipfauweid ab und geniesse die Stille, die ich nun ganz für mich habe, denn der Skitourengeher läuft eher Richtung Jäntli. Der Schnee um mich herum staubt nur so durch die Gegend, denn die Nordseite am Roggenstock liegt sehr lange im Schatten und dementsprechend pulvrig ist der Schnee. An ganz kalten Stellen haben sich grosse Eiskristalle an der Schneeoberfläche gebildet und es klirrt, wenn ich hindurch laufe.

Im Aufstieg zur Schipfauweid begutachte ich das Spurengewirr, das in der letzten Nacht entstanden ist. Ein Optimist würde sagen: Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Die Realität dieser Spuren endet wohl aber eher selten in einem Happy End – falls der Hase nicht schnell genug war.

An der Schipfauweid komme ich dann endlich in die Sonne, die von hinten über den Rücken scheint und es wird gleich wohlig wärmer auf den letzten Metern, bis ich an der Alp Tubenmoos, die am Ende dieses schönen Flachmoores steht, ankomme. An diesem Punkt verlasse ich das Strässchen und gehe den eingeschneiten Wanderweg Richtung Adlerhorst weiter. Zum Glück war ich schon im Sommer hier, sonst würde mir die Wegfindung wohl ein bisschen schwieriger fallen. So ist es aber kein Problem und nach der Überquerung des Tubenmoosbach winkt schon der letzte Anstieg Richtung Adlerhorst.

Das Adlerhorst ist übrigens ein Bergbeizli, das in der Nacht vom 26. auf den 27. Dezember 2012 niedergebrannt ist. Die Genossenschaft wollte dieses schöne Fleckchen aber nicht leer lassen und hat innerhalb eines knappen Jahres in Windeseile ein neues Bergbeizli gebaut, welches noch diesen Winter eröffnen soll.

Die letzten Meter Aufstieg zum genannten Beizli sind aber nochmal eine ganz schöne Anstrengung. Die Sonne hat an dem kleinen Südhang den nächtlichen Pulverschnee in eine nasse, pappige Masse verwandelt, die sich an Schuhen und Hose fest setzt und die Schneeschuhe 5x so schwer erscheinen lässt. Aber nach ein paar anstrengenden Minuten bin ich oben und geniesse die tolle Aussicht ins Ybrig und über Oberiberg.

Nach einer Apfel-Wasser-Pause in der Sonne und einem kurzen Foto-Stop geht es nun auf dem Forstweg Richtung Jäntli. Hier ist im Winter eigentlich ein präparierter Schneeschuh-/Winterwanderweg. Da es aber noch etwas früh in der Saison ist, bin ich auch hier die Erste, die ihre Spuren zieht – und somit auch wieder weiter spuren darf. Beim Chäswald biege ich bei einer kleinen Scheune Richtung Tal ab und folge einem weiteren Forstweg bis Grossweid und Stafel, wo ich wieder zu dem oben erwähnten Bauernhof komme.

Eine wunderbare erste Schneeschuhwanderung zum Winterstart.

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