Schneeprofil graben am Laucherenstöckli

#storySchnee

Arbeiten von zuhause aus, Neuschnee und schönes Wetter. Was macht man da? Es ist Mittag und ich nutze das gute Wetter, um noch eine kleine Skitour auf’s Laucherenstöckli zu machen. Diesmal aber nicht mit Schneeschuhen, sonst ärgere ich mich nur wieder. Ich werfe das Geraffel ins Auto, tanke noch fix in Unteriberg (die Digitalanzeige zeigt nicht mal mehr eine „solange-reicht-es-noch-Entfernung“ an, da sollte man dann glaube ich mal langsam was nachfüllen ) und fahre anschliessend ein paar Minuten wieder retour und Richtung Ibergeregg, um am Wandli-Parkplatz zu starten. Es sind tatsächlich schon wieder einige Personen unterwegs, aber so kann ich mich einer meist ganz guten Spur erfreuen und vor mich hin trotten. Der Aufstieg – nix Besonderes, im unteren Teil könnte etwas mehr Schnee liegen. Das könnte ein paar Bodenkontakte geben.

Natürlich gibt es ein paar Nebelschwaden und die sind natürlich genau an dem Ort, wo ich mich gerade aufhalte. Aber ansonsten scheint die Sonne und es ist nicht zu kalt. Oben angekommen, laufe ich noch ein paar Meter auf dem Kamm und felle dann ab. Ich hab noch Zeit und will mir mal noch den Schneedeckenaufbau anschauen. Also Schaufel, Sonde und Schreibkram heraus sowie das Schneeprofil-Formular.

An einem kleinen Nordwesthang wühle ich dann vor mich hin, schaue mir die einzelnen Schneeschichten an und trage alles in mein Formular ein. Interessant sind ausser der toten Spinne (schon wieder eine, das hatten wir doch erst letztens am Chli Chärpf…) vor allem zwei Eislamellen, die als dünne Schicht rund 20 cm unter der Oberfläche liegen. So etwas stellt bei entsprechendem Schnee (gebunden und damit brettartig) eine gefährliche Gleitschicht dar. Entstanden ist die durch die warmen Tage vor dem Niederschlag gestern Nacht, wo es tagsüber warm war und die Schneeoberfläche angetaut ist, während es nachts wieder gefroren ist und der feuchte Schnee nun einen „Deckel“ bildet. Dieser Deckel wurde anschliessend eingeschneit (besser gesagt wurden zwei Schichten eingeschneit, das macht es aber nicht besser). Auf jeden Fall ist das gut zu wissen, so etwas kann sich an entsprechenden Sonnenhängen lange halten und den ganzen Winter über eine heimtückische Gefahrenquelle darstellen.

Am Schluss mache ich noch ein paar Fotos sowie einen ECT, einen Extended Column Test. Der dient dazu, die Bruchausbreitung in einem Schneeblock von 30×90 cm zu ermitteln. Dieser Schneeblock wird in einem Hang freigeschaufelt, so dass er völlig frei steht. Dann wird das Schaufelblatt auf eine Ecke aufgelegt und mit definierten Schlägen aus dem Handgelenk, Ellenbogen und aus der Schulter versucht, einen Bruch auszulösen. Nun gibt es bestimmte Regeln, wann und wie sich der Bruch ausbreitet, wodurch man sich ein Bild der Stabilität in diesem Hangbereich machen kann. Interessant ist das vor allem hier in Kombination mit den beiden Eislamellen.

Es passiert bei mir allerdings in dem Fall nix, was wohl auch an der geringen Hangneigung von 20° liegt. Die obere Neuschneeschicht ist an dieser Stelle auch nicht gebunden, sondern eher locker. Dadurch neigt sie auch nicht zur Bruchausbreitung. Langsam wird mir kalt und die Hände/Handschuhe sind klatschnass von dem ganzen Gegrabe. Also Schuhe zu, trockene Handschuhe an, Brille auf und ab geht er. Gerade war es noch klar, jetzt zieht der blöde Nebel wieder herein. Das gibt’s doch gar nicht. Ohne Brille geht es besser und so zische ich zügig nach unten. Bei einer Querung und ganz am Schluss rattert es wie zu erwarten war ein paarmal, aber der Skibelag hat es gut überstanden. Schnell bin ich wieder am Auto, verlade mein Zeugs und rolle die paar Meter wieder retour nach Hause.

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