Firsthöreli

#storySchnee

6.30 Uhr, der Wecker klingelt. Marina steht mit mir auf und bereitet freundlicherweise das Frühstück zu. Das ist auch ganz gut so, denn ich komme irgendwie überhaupt nicht aus den Federn. Verpennt und mittelmässig frisch stopfe ich mir eine Semmel rein, bevor ich mich auf den Weg ins Muothatal mache, wo ich mich um acht Uhr mit Anna und Michael treffe. Über die Ibergeregg und ein paar Schleichwege (die sich mit Schnee und Eis recht interessant gestalten) fahre ich ins Muothatal hinüber, wo die beiden bereits warten. Wir besprechen kurz, was wir für Touren-Möglichkeiten haben und entscheiden uns für das Balmer Grätli, kurz vor der bekannten Skitour auf den Glatten. Dazu fahren wir noch ein Stückchen das Tal hinter bis ins Bisisthal, wo es auf einer kleinen Strasse weiter hinauf geht. Am Gasthaus Schwarzenbach fahren wir vorbei und noch ein Stückchen die Strasse hinauf, bis sie gesperrt ist. Dort parkiert man normalerweise, allerdings ist hier bereits die Hölle los und jede Parkmöglichkeit komplett genutzt. Also wieder ein paar hundert Meter retour bis zum Gasthaus, wo wir einen grösseren Parkplatz haben und nun Plan B in Angriff nehmen, den Aufstieg in Richtung Galtenäbnet, von wo aus wir dann drei Möglichkeiten für einen Gipfel haben.

Es sind alles eher leichte Ziele, denn zum einen ist es für beide das erste Mal auf Ski in der Saison und vor allem Michael ist auf Ski noch recht am Anfang seiner Karriere. Von dem her passt der Aufstieg ganz gut, denn die ersten 600 Höhenmeter geht es auf einer gut zugeschneiten Forststrasse hinauf. Das ist zwar einfach, allerdings irgendwann auch ein wenig mühsam und langweilig, aber für heute langt das schon. Bei -10° C stapfen wir los und unterhalten uns, bis wir nach einiger Zeit endlich die steile Talflanke und die Forststrasse verlassen und in die Sonne kommen. Hier gibt es eine kleine Pause, bevor es über einen flachen Rücken weiter geht hinauf zur Galtenäbnet, einer flachen Alp auf rund 1800 m Höhe. Spuren müssen wir nicht, es sind schon einige vor uns aufgestiegen und wir haben eine gute Spur.

Zur Alp hin geht es sehr flach und wir können hier gut die unterschiedlichen Gipfelmöglichkeiten einsehen. Saligrat, Rossgrat oder Firsthöreli liegen vor uns. Der Saligrat bedingt allerdings, das wir ein „U“ gehen müssten, einen Grossteil davon im flachen Gelände. Das ist jetzt nicht so lukrativ und daher lassen wir das lieber. Der Rossgrat bietet einen schönen Gipfelhang, allerdings ist der auf den oberen 150 Hm mehr als 30° steil und das gefällt mir nicht. Gestern gab es bis zu 20 cm Neuschnee und man sieht recht eindeutig, dass es dort in dem Hang doch windig war. Ein, zwei Tage länger um sich zu setzen schadet dem Hang sicherlich nicht, zumal alles im Schatten liegt. Das Firsthöreli dagegen liegt schön in der Sonne und ist recht lawinensicher und so steuern wir diesen Gipfel an.

Nach der Alp geht es etwas steiler weiter hinauf und ich muss immer wieder auf die beiden warten – laut Anna sind die Ski einfach über den Sommer schwerer geworden. Michael kämpft ohnehin eher mal mit den Brettern, gerade bei engen Kurven sieht das noch nicht so geschmeidig aus. Aber er macht das sehr gut und nimmt eventuelle Malheurs auch mit Humor. Das ist ja schon mal sehr wichtig. Die Schneebedingungen lassen einige Freude für die Abfahrt aufkommen und auch wenn hier schon ein paar Leute abgefahren sind, gibt es noch genügend Platz, um weitere Spuren zu ziehen.

Wir erreichen den Grat und müssen nun noch ein paar Höhenmeter zum Gipfel aufsteigen, wo sich bereits der komplette Rentnerclub aus dem Kanton Schwyz versammelt hat. Wir stossen um Punkt 12 Uhr dazu, sorgen für eine gewaltige Reduzierung des Altersdurchschnitts und geniessen bei einer Pause die Sonne und die angenehmen Temperaturen.

Nachdem wir uns das Gipfelmeer angeschaut haben und uns gestärkt haben, geht es in die Abfahrt. Für Michael und Anna eine unangenehme Phase, da alle auf dem Gipfel gemütlich dasitzend zuschauen können, wie man sich denn so anstellt. Der Anfang der Abfahrt ist auch kurz etwas schmal und ich dirigiere Michael, wie er ungefähr fahren könnte, um möglichst sicher die ersten Meter zu überwinden. Bis auf einen kleinen Schneekontakt klappt das auch ganz gut. Dann fahre ich bis in das kleine Joch ab, wo wir dann nach Osten zurück über schöne Hänge die Alpfläche erreichen können. Es dauert etwas, bis beide da sind und Michael erscheint verdächtig weiss. Es geht weiter hinunter, vom eleganten Fahren sind die beiden noch etwas entfernt, aber trotz einiger Schneekontakte speziell vom Michi geht es ganz gut und wir kommen schnell wieder auf den flachen Boden, wo es einige Schiebemeter zu überwinden gibt.

Hier warte ich dann einige Zeit, dann kommt Anna und Michael ist noch sehr weit weg. Als er dann da ist, sehen wir, dass an seinen Ski der Schnee stollt (kleben bleibt). Wie das passieren kann, wissen wir jetzt nicht, aber für das Gleitvermögen ist das auf jeden Fall nicht sehr hilfreich. Mit einer EC-Karte schaben wir den Mist ab und ich lege ihm nahe, sich doch mal ein paar neue Tourenski zu kaufen. Die Spaghetti-Latten hat er sich mit einer – diplomatisch ausgedrückt – lausigen Bindung auf dem Skibazar an der Uni Konstanz zu einem ziemlichen Wucherpreis gekauft. Aber damit hat man einfach keine Freude, es ist sicherlich gut, um das Tourengehen mal grundsätzlich auszuprobieren, aber wenn man weiterkommen will, führt da kein Weg um einen ordentlichen, breiteren Ski herum.

Noch einmal können wir nach beendeter Operation einen schönen Hang hinunterfahren/-fallen, dann sind wir bereits wieder auf der Forststrasse, wo es relativ zügig wieder in den Schatten geht. Ich warte alle paar Kurven auf die beiden, die Oberschenkel sind glaube ich ziemlich am brennen. Aber insgesamt ist das jetzt ganz gut und es ist für beide deutlich einfacher zu fahren als weitere 600 Hm Tiefschnee und wir erreichen kurz nach 13 Uhr wieder die Autos.

Eine schöne Tour, die ich mir vor allem merken werde, wenn es mal wirklich ungünstige Lawinenverhältnisse hat, denn hier kann man auch bei deutlich schlechteren Bedingungen etwas machen.

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