Biet und Rütistein

#storySchnee

Am Freitag hat Markus mich angerufen und wollte wissen, ob denn schon Schnee läge. Das konnte ich bejahen und da er heute am Samstag Zeit hat und für seine Bergführerkurse auf die Ski will/muss, verabreden wir uns für eine Tour. Durch den heftigen Wind gestern ist die Lawinengefahr etwas angespannt und unter anderem in unserer Gegend wird ein Dreier (erheblich) ausgegeben. Zusätzlich ist der Schnee für’s Abfahren mässig toll, wir müssen also nicht unbedingt eine Wahnsinnstour machen. Die Überschreitung Biet – RütisteinPfannenstöckli sollte dafür eigentlich ganz gut sein, alles eher flaches Gelände und der Ausgangspunkt ist von Konstanz her auch ganz gut erreichbar.

Um neun treffe ich mich mit ihm und Jakob, der auch noch mitgekommen ist, in Unteriberg. Mit Markus‘ Auto fahren wir noch die paar Minuten nach Weglosen hinter, wo wir starten können.

Von dort aus geht es über die Strecke der Talabfahrt, bis wir einen steileren Hang als Abkürzung Richtung Forststrasse nehmen können, die uns dann wie schon vor einigen Tagen mit Marina in Richtung Druesberghütte bringt. Es ist eher wenig los, ein paar andere „Türeler“ sind noch unterwegs. Relativ gemütlich steigen wir auf, bis wir kurz unterhalb der Druesberghütte sind. Hier verlassen wir die Hauptspur und wenden uns nach links. Unter dem Schüelberg queren wir hindurch, kurz vor der Lehhütte machen wir eine kleine Trinkpause. Ab hier geht es nun zwischen Schüelberg und Fidisberg hindurch und hier hat der Sturm wirklich ganze Arbeit geleistet. Der Schnee ist grösstenteils vereist und es haben sich recht grosse Sastrugis gebildet. Ein Glück wollen wir hier nicht wieder abfahren, das wäre wirklich kein Vergnügen.

Nachdem wir noch ein Stückchen am Fidisberg entlang seiner Südostflanke gequert sind, steigen wir in Richtung Biet auf und erreichen nach ein paar mühsamen steileren Aufstiegsmetern im harschigen Gelände das grosse Plateau, welches mässig ansteigend zum Gipfel hinauf zieht. Zwei Frauen kommen uns hier gerade in der Abfahrt entgegen und steuern vorsichtig durch die windgeprägte Schneelandschaft hier oben.

Am Gipfel gibt es nun eine längere Pause, bevor wir uns für eine kurze Abfahrt fertig machen und ein paar Meter auf der Aufstiegsspur hinunter rutschen. Juchu, macht das Spass. Der Schnee ist wirklich bescheiden zu fahren. Wir biegen nun ab und suchen uns eine Triebschneerinne, die in der windverblasenen Südflanke des Biet noch ein paar schöne Schwünge ermöglicht. Sicherheitshalber fahren wir einzeln, aber das Ganze macht einen recht stabilen Eindruck und liegt auch schon einige Stunden in der Sonne, wodurch sich der Schnee hier ganz gut setzen konnte.

Unten wird es dann noch mal spassig, aber mit etwas beherzterem Fahren kommt man ganz gut durch. Jakob eiert ein bisschen herum, Markus kommt eh gut durch solches Zeugs hindurch. Dann sind wir bei der Alp Hinterofen angekommen, wo wir wieder auffellen. Gemäss Jakob wissen wir jetzt auch, dass man nicht immer überall Pulverschnee erwarten kann, denn „Wer jeden Tag ein Schnitzel isst, der vergisst wann Sonntag ist.“. Gut, das wäre nun auch geklärt.

Von hier aus geht es nun flach östlich des Schüelberg in Richtung Rütistein. Auch das Pfannenstöckli lassen wir rechts liegen. Dann steigen wir langsam etwas mehr an und gelangen wenig später auf die Aufstiegsspur zum Rütistein. Die kurze steilere Engstelle macht einen guten Eindruck, ohnehin waren hier schon einige Leute unterwegs und das Gelände ist ziemlich zerfahren. Das war im Vorhinein noch ein unklarer Punkt, ob diese Passage möglich ist.

Nun haben wir noch rund 100 Höhenmeter vor uns, bis wir auf dem Rütistein stehen. Zwar war ich erst vor wenigen Tagen hier oben, aber das macht nichts, schön ist es trotzdem und im Moment sind wir sogar alleine auf dem Gipfel. Wir entscheiden uns, das Pfannenstöckli weg zu lassen, da es nicht sicher ist, ob es sich lohnt für 50 Hm die Felle nochmal aufzuziehen. Ob der Schnee auf der Rückseite des Pfannenstöckli wirklich besser ist – wir wissen es nicht, es sieht aber nicht unbedingt danach aus.

Also geht es in wundervollem Schnee wieder vom Rütistein hinunter, durch die Engstelle und über das weitläufige Gelände hinab zur Druesberghütte. Ein paar fies herausschauende Steine müssen wir beachten und Markus probt noch die Käferhaltung mit allen Extremitäten nach oben, nachdem er einen kleinen Bachlauf übersehen hat. Sonst kommen wir aber auf den ersten Blick recht ungeschoren an der Hütte an. Von hier aus geht es noch über ein paar schöne Hänge wieder zurück auf die Forststrasse, die wir dann schnell hinunter nach Weglosen gleiten.

Am Auto angekommen säubere ich die Ski etwas vom Schnee. Bei einem Ski von Markus entdecke ich dann leider im Belag eine fette Schramme, die sich über zwei Zentimeter Breite und bestimmt zehn Zentimeter Länge bis auf den Holz-/Kevlarkern eingegraben hat. Das ist natürlich Mist, aber ändern können wir es jetzt auch nicht. Er hat wie ich den Ski von Powderequipment, einer kleinen Konstanzer Ski-Schmiede, vielleicht können die da noch etwas richten.

Anschliessend rollen wir zurück nach Unteriberg, wo ich mich von den beiden verabschiede und wieder nach Hause zurückfahre.

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