Ein Besuch auf dem Chli Chärpf

#storySchnee

Eigentlich wollte ich heute nochmal etwas mit Juho und Markus machen. Sie haben sich aber entschieden, nach Davos/Sertig zum Eisklettern zu fahren. Da mir das mit über drei Stunden Anreise pro Fahrt plus Zustieg für einen Tag zu lange dauert, funke ich noch schnell Steph an. Wir haben recht ähnliche Ansichten, was die Schneebedingungen und die möglichen Touren anbelangt und er ist ohnehin schon mit einem Kollegen für den Chli Chärpf verabredet. Ich hänge mich da kurzerhand mit dran und wir treffen uns morgens am Parkplatz hinten im Sernftal, kurz hinter Elm.

Da sie bei der Anfahrt zufälligerweise direkt hinter mir fahren und Steph mich angerufen hat, lassen wir mein Auto etwas weiter unten stehen und können so später eine andere Abfahrtsroute wählen, ohne danach zum Auto zurück latschen zu müssen. So fahren wir also wenige Minuten zusammen zum Ausgangspunkt (jetzt bin ich also auch mal mit einem Porsche Cayenne mitgefahren, eine riesige Dreckschleuder, die auch nur fährt und Krach macht, da ist ja unser Subaru leiser… ) und starten dann auf der gleichen Route wie bereits vor einigen Wochen Ende November.

Steph ist zusammen mit Laurent gekommen, der oft mit seinem Hund zusammen auf Touren geht. Heute ist der aber nicht dabei. Ist vielleicht besser so. Durch den Wald geht es (dieses Mal ohne die Ski tragen zu müssen) hinauf bis zur Skihütte. Der Schnee ist erstklassig, pulvrig und es hat wenig Spuren. War es bisher noch schattig und ziemlich kalt, so kommen wir jetzt an der Hütte in die Sonne und es wird ein deutlich angenehmer. Wir machen eine kurze Pause, bevor es in der teilweise unangenehm steilen Spur weiter geht.

Laurent gibt das Tempo vor, ich mache den Abschuss und habe so immer mal wieder Zeit für ein paar Fotos. An einem kleinem Hüttchen, wo wir letztes Mal Pause gemacht haben, steigen wir dieses Mal vorbei, denn hier ist schon gerade eine grössere Gruppe am rasten. Oberhalb einer kleinen Rinne machen wir an einem warmen Felskopf dann eine Essenspause und geniessen die Aussicht auf die gegenüberliegende Bergwelt mit unter anderem dem Glarner und Bündner Vorab.

Anschliessend geht es weiter, immer durch besten Powder in Richtung Gipfel. Kurz vorher können wir bereits einen Blick in die geplante Abfahrtsvariante werfen, die sich im oberen Teil nicht gerade einladend präsentiert, denn hier lauern doch einige Tretminen in Form von versteckten Steinen und Felsen. Unten schaut es aber besser aus, auch von der Lawinenlage her dürfte es vertretbar sein.

Wir erreichen jetzt aber erstmal das Skidepot, wo wir abfellen und dann den kurzen, mit Fixseilen versicherten Aufschwung auf den Gipfel hinauf klettern. Nach dem Geniessen der Rundumsicht in alle Richtungen steigen wir wieder ab. Ich finde etwas links von der Aufstiegsstelle eine dick mit Schnee gefüllte Rinne, wo wir mehr oder weniger einfach in den tiefen Schnee reinspringen können.

Laurent fährt schon mal einige Meter vor, bis er in der Sonne steht. Ich warte noch, denn Steph ist mal wieder ewig am Rödeln. Dann muss er noch in die Bindung rein, das gestaltet sich bei ihm auch immer etwas schwieriger. Aber irgendwann ist er dann mal ready und wir können starten. Der erste Hang ist von den anderen schon völlig „vercharet“ –zerfahren und zerpflügt. Da hilft nur eins: Tempo und mit ein paar Schwüngen durch.

Dann biegen wir linkerhand ab und müssen uns einige Meter durch eine felsige Wüste durchmogeln, wo man sich dann doch den ein oder anderen Kratzer holt. Ich bin etwas skeptisch, denn im Moment hätten wir im Bereich der Aufstiegsspur doch durchaus auch genügend unverspurte Hänge und ich muss mir nicht hier die Ski ruinieren (besonders da ich gerade erst einige Macken rausgeschliffen hab). Aber gut, probieren wir es aus. Ein etwas steilerer Hang beziehungsweise ein Couloir folgt, Laurent fühlt sich sichtlich etwas unwohl. Nun gut, er kennt die Abfahrt und wollte sie fahren, da muss er jetzt halt durch. Steph fährt als erster, dann komme ich und Laurent macht den Schluss. Es geht aber gut, etwas weiter links haben allerdings andere in einer ähnlichen Steilheit ein kleines Schneebrett ausgelöst. Einzeln fahren ist also weiterhin Pflicht und wir sollten uns auch in den eher flacheren Hängen halten.

Nun geht es erstmal flacher an den Beginn eines grossen Kessels. Ich ziehe mit ein paar wenigen, langen Schwüngen hier durch, bis es wieder flacher wird. Die anderen kommen nach, dann geht es über weitere breite, schöne Hänge mit perfektem Champagner-Powder weiter runter. Besser können wir es hier gerade kaum erwischen: eine gute Unterlage, darauf ca. 40 – 50 cm Powder. Jiiiiiiiihaaa!!!

Irgendwann sind wir dann im Talgrund angekommen und müssen nun etwas langatmig auf der rechten Talseite langqueren. Ein paar Bäche gilt es auch noch zu überqueren, was aber mit Ski ganz passabel geht. Laurent löst das ganz besonders elegant, indem er einfach hindurch rutscht. Bei Steph und mir geht es erst Mal etwas langsamer, indem wir die Ski möglichst nur auf Schnee aufsetzen. Kurze Zeit später treffen wir dann wieder auf Laurent, der fluchend versucht, den stollenden Schnee von seinen nassen Ski abzukratzen.

Weiterhin querend gelangen wir dann an den letzten, bewaldeten Hang, wo es recht eng und stotzig auf einem schmalen Sommerbergpfad hindurch geht. Hier ist die Schneemenge dann doch an der Grenze, aber da zumindest der Untergrund meistens weich ist, geht es zum Glück ohne grössere Kratzer. Nochmals ein paar Bäche, die meisten kann man mit Schwung einfach überspringen und dann rausche ich wenige Meter neben meinem Auto aus dem Wald heraus. Ich warte auf die anderen, dann fahren wir kurz zu Laurents Kiste hinauf. Anschliessend verabschiede ich mich und fahre wieder zurück. An der Stelle, wo wir angekommen sind, ist gerade eine 3er-Gruppe Snowboarder angekommen, die da offensichtlich kein Auto stehen haben. Ich drehe kurz um und nehme einen von ihnen nochmal mit hinauf zu ihrem Parkplatz, bevor es dann entgültig nach Hause geht. Eine kleine gute Tat zum Jahresende.

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