Twäriberg Vorgipfel

#storySchnee

Nach einem gemütlichen Frühstück nutze ich das wie immer schöne und warme Wetter und fahre mal wieder nach Weglosen, um mich zum Twäriberg aufzumachen.

Es geht wieder kurz die Piste hinter, bis ich den steilen Hang hinauf zum Forstweg in Angriff nehmen kann. Der präsentiert sich heute schön zerfahren und hart und ich schaue dass ich den Mist schnell hinter mich bringe. Auf dem Forstweg geht es dann weiter Richtung Druesberghütte, allerdings verlasse ich den Hauptweg an einer Abzweigung bei P. 1349 und wende mich auf einem anderen Weg noch ein paar hundert Meter Richtung Südwesten, bis man nach Südosten in freies Gelände abbiegt und den Wald verlässt. Hier halte ich mich an eine alte Spur (bin faul heute und hab keine Lust, selber zu spuren) und arbeite mich so weiter hinauf bis zum Bereich des Rossstelli auf rund 1800 m Höhe.

Hier beginnt nun der grosse und steile Westkessel, der zum Twäriberg-Vorgipfel hinaufführt. Es ist nicht viel los heute, ein Einzelgänger kommt mir gerade entgegen und vor mir ist ein weiterer Mann im Aufstieg, sonst bin ich hier für mich alleine. Spitzkehre für Spitzkehre arbeitet man sich nun hier im Kessel hinauf, es ist teilweise etwas eisig und immer wieder (auch schon vorher) sind Flächen mit bräunlichem Farbton zu finden – Sahara-Feeling in den Schweizer Alpen. Beim letzten Föhnsturm, der seinen Ursprung in irgendeiner Grosswetterlage mit Zentrum über der Sahara hatte, wurden vor wenigen Tagen Sandpartikel bis hier nach Europa (beziehungsweise in die Schweiz, das ist ja manchmal etwas spezielles … ) geweht und auf dem weissen Schnee sieht man das jetzt sehr gut. Kamele und Menschen mit Turbanen habe ich aber trotzdem keine gesehen, auch wenn ich angestrengt danach Ausschau gehalten habe.

Mittlerweile bin ich nun auf dem letzten steilen Rücken, die eisige alte Spur ist nun sehr steil und nervend und ich gehe meine eigene Spur daneben, da man sonst alle Schritte zurück rutscht. Wenige Minuten später und genau richtig als mein Magen anfängt zu knurren erreiche ich dann den Vorgipfel. Kein Wölkchen am Himmel, man hat eine herrliche Aussicht. In einer kleinen Mulde mache ich Pause und verwerfe den weiteren Aufstieg auf den exakt zwei Meter höheren Hauptgipfel. Das Gelände ist eher exponiert und etwas heikel, mich interessiert nun eher die direkte Linie hinab in den Kessel zwischen Twäriberg und Rütistein. Eigentlich wollte ich wieder ganz normal die Aufstiegsroute abfahren, aber das schaut jetzt hier doch sehr spannend (und steil, brrr …) aus.

Während ich meine Brote mampfe, studiere ich den Hang und die mögliche Abfahrtslinie. Vier oder fünf Spuren sind schon drin, aber sonst fährt hier glaube ich selten jemand runter. Es gibt keine durch die Abfahrer oder spontan abgegangene Lawinen oder Anzeichen dafür, Wind hatte es hier nur sehr sparsam und ich kann keine Triebschneefelder ausmachen. Auch ist es die Nordseite, die heute schon seit morgens scheinende Sonne dürfte hier nur mal ganz kurz am Morgen reingeschienen haben. Da sollte man die Abfahrt machen können, auch wenn die stellenweise sicherlich 45° steil ist und über lange Passagen zwischen 35 und 40° hat.

Ich mache mich bereit und fahre vorsichtig einen schmalen Rücken hinab, der kurz darauf steil hinab und in den eigentlichen Hang übergeht. Mit Schwung quere ich hinein und halte dann nochmal an. Macht immer noch alles einen guten Eindruck, ich hab ein gutes Gefühl. Trotzdem buddel ich jetzt hier nochmal im Hang und schaue mir die etwas tiefer gelegenen Schichten an, aber Schwimmschnee oder sonst etwas unschönes kann ich nicht entdecken, die oberste Schneeschicht ist auch über sicherlich 40 cm sehr homogen aufgebaut, der Untergrund ist dann fester Altschnee. Päääääärfegggd! Ich schaue mir nun noch mal an, welche Linie ich fahre, mache ein paar Schwünge in den alten Spuren und ziehe dann weit nach links hinüber. Hier ist es nun richtig steil, der Schnee ist saugut zu fahren, bester Pulver, der bis an die Ohren stiebt. Da man beim Fahren aber immer nur wenig mitbekommt von dem, was um einen herum passiert, fahre ich mit wenigen grossen Turns hinab und ziehe dann erstmal weit nach rechts hinüber, um eventuellen unangenehmen Dingen hinter mir aus dem Weg zu gehen. Da ist aber nix ausser meinen Spuren und so fahre ich gleich weiter wieder nach links, jetzt im flacheren Gelände. Noch mal warten nun einige Höhenmeter Powder, bis ich mit einer grossen Schneefahne im Kessel zwischen Rütistein und Twäriberg lande und nun flacheres Gelände erreicht habe.

Ich mache noch kurz ein Foto, dann stiebe ich auf dem Normalweg des Rütisteins hinunter Richtung Druesberghütte und an ihr vorbei auf den Forstweg. So schön der Schnee oben war, so bescheiden ist er nun hier, alles zerfahren und durch die Sonne aufgeweicht und Nachts wieder gefroren. Macht mässig Spass und so bin ich ganz froh, als ich auf dem Forstweg bin und wieder hinunter nach Weglosen rutschen kann, wo ich kurz darauf wieder am Auto ankomme.

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