Balmer Grätli

Heute habe ich Geburtstag – satte 30 Jahre werden es nun schon. Aber damit bin ich ja (hoffentlich) noch nicht alt. Und um das gleich mal auszutesten, ist für den heutigen Tag bei strahlendem Sonnenschein eine Skitour geplant.

Am Vorabend ist noch Anna aus Konstanz zu uns gekommen, um uns zu begleiten. Da wir uns lange nicht mehr gesehen haben gibt es viel zu bequatschen. Trotzdem liegen wir bald in den Federn, denn der Wecker klingelt schon um 5.30 Uhr. Nach einem frühen Frühstück und einer raschen “ich packe meinen Rucksack”-Aktion geht’s dann endlich los. Über die Ibergeregg und dem kurvenreichen Schleichweg nach Illgau schlängeln wir uns ins Moutathal und von dort ins Bisisthal.

Anna liegt das Frühstück noch schwer im Magen und die Kurven machen ihr ganz schön zu schaffen – obwohl Falko heute einen sehr zurückhaltenden Fahrstil an den Tag legt. Aber es hilft nichts – kurz vor unserem Ziel müssen wir einen Zwischenstopp einlegen. Anna verabschiedet sich am Strassenrand von ihrem Frühstück und sieht ganz grün um die Nase aus. Von Aufgeben aber keine Spur. Nach einer kurzen Erholung fahren wir zum Ausgangspunkt der Tour – hier ist schon viel los. Aber da wir jetzt einen der wenigen, begehrten Parkplätze haben, haben wir von nun an viiiiiel Zeit. Anna bekommt erst mal ein Stück Brötchen, während wir Rucksäcke, Ski und Schuhe bereit machen.

Nach einiger Zeit kehrt auch wieder bei Anna Farbe ins Gesicht zurück und wir laufen los. Wir schlagen ein gemütliches Tempo ein und sind alle drei zufrieden damit. Wir wollen uns nicht an den sinnlosen Wettrennen der vielen Tourengeher, die hier heute unterwegs sind beteiligen.

Zuerst schlängelt sich die Spur durch lichten Wald, bevor wir bei ca. 1350 m offene Sömmerungsflächen erreichen. Nach der ersten Alphütte, als wir endlich in der Sonne sind, die sich hinter dem Glatten erhebt, legen wir eine erste Versorgungspause ein. Uns geht es gut. Wir machen Spässchen und geniessen die Zeit zu dritt. Unsere zweite Pause ist eine freiwillige Zwangspause. An einem kurzen Steilstück tummeln sich gleichzeitig nicht weniger als 18 Tourengänger, von denen einer schneller sein will als der andere und jeder seine Spitzkehre schlechter hinbekommt als der, der ungeduldig hinter ihm wartet. Ein unglaublich dummes Bild. Da der Hang auch noch vom Wind beeinflusst ist und das Gelände nicht gerade flach schauen wir uns dieses traurig peinliche Spektakel aus sicherer Entfernung an.

Danach sind wir an der Reihe, alles klappt und nun trennen uns nur noch eine Querung und ein paar Höhenmeter von unserem (unspektakulären) Ziel. Ein Grat, hinter dem das Geländ steil in Richtung Klausenpass und Unterschächen abbricht. Kein richtiger Gipfel, dafür eine wahnsinnig tolle Aussicht und Freude, am Ziel angekommen zu sein.

Hier ist es allerdings sehr windig. Und da wir gerne eine gemütliche Pause machen und später hinter dem Chli Glatten durch ein schmales Tälchen eine Variante abfahren wollen, queren wir wieder zurück und laufen noch ein paar Meter Richtung Glatten. An einer schönen, sonnigen Stelle unterhalb der glatten Steilwänden des Glatten (woher der Name nur stammen mag? ) machen wir es uns gemütlich, packen Brote aus, quatschen und geniessen die Sonne.

Aufgrund der Schneeverhältnisse und des Windeinflusses entscheiden wir uns bzw. entscheidet Falko für uns, dass wir doch nicht die Variante abfahren, sondern die paar Meter wieder zurück laufen, um auf unserer Aufstiegsroute abzufahren. Dort ist es wesentlich flacher und der Schnee nicht minder schlecht. Gesagt – getan. Gestärkt packen wir unsere Helme aus und die Felle ein und schon kann’s losgehen.

Der Schnee ist wirklich herrlich, da wir uns ja auf der Nordseite befinden und die Sonne hier nicht so viel Schaden angerichtet hat. So pulvern wir einen Hang nach dem anderen hinunter – mehr (Falko) oder weniger (Anna und ich) elegant. Spass macht’s aber so oder so und wir sind begeistert von den mässig steilen Hängen, die trotz vieler Spuren immer noch Platz für eigenen Linien lassen – einfach herrlich.

Die letzten paar Meter gleiten wir auf dem Forstweg hinab, den wir am Morgen durch die Abkürzung durch den Wald umgangen haben. Wieder am Auto haben wir das Gefühl, vom Winter direkt in den Sommer gefahren zu sein – T-Shirt Wetter pur. Nachdem alles im Auto verstaut ist gehts es mit offenem Fenster dem Talausgang Richtung Schwyz, wo zur Feier des Tages im geliebten Café Haug schon Torte, Kaffee und Eis auf uns wartet. Schöner kann ein Geburtstag wohl nicht sein.

Details zur Tour

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