Nebelwanderung auf den Speer

Mit Patrick und Charlie habe ich mich für heute verabredet, um eine Wanderung auf den Speer zu machen. Der Speer ist Europas höchster Molasse-Berg, das heisst ein Berg, der aus Nagelfluh-Fels besteht. Das ist so eine Art Konglomerat aus Molasse und eingelagerten Steinen, was recht lustig ausschaut.

Ich fahre morgens mit dem Voralpen-Express in Richtung St. Gallen. Kurz bevor ich aussteigen muss, steigt Patrick noch zu und wir können die restlichen Minuten bis zum Umsteigen in Wattwil gemeinsam fahren. Dort steigen wir dann in die S-Bahn Richtung Nesslau/Alt St. Johann um, die uns ins Toggenburg bringt. Hier treffen wir nun noch Charlie, die direkt aus Schaffhausen gekommen ist.

Am Endpunkt der Bahn angekommen, starten wir in einen nebeligen und grau-trüben Vormittag hinein. Über Asphalt-Strassen geht es nun in sehr gemütlichem Tempo via Egg und Eggli (kleine Gehöfte am Strassenrand) hinauf in Richtung Blässe-Chopf. Wir verlassen nun die Strasse und es geht in etwas undurchdringlichem Gehölz und auf einem selten begangenen Pfad hinauf. Auf rund 1195 m erreichen wir die Alp Windpläss, wo wir eine Pause einlegen. Wir bewegen uns tendenziell immer mehr in den Nebel hinein, um uns wird die Suppe immer dichter. Eigentlich schade, denn normalerweise hätte man von hier aus eine herrliche Aussicht. Aber ändern können wir es ohnehin nicht.

Also stapfen wir weiter über Alpwiesen hinauf und erreichen bald den Bläss-Chopf auf 1459 m Höhe. Kurz sind wir uns wegen dem Weiterweg unsicher, aber ein Blick auf die Karte verschafft Klarheit und wir können bald den Weg fortsetzen. Nun geht es eine ganze Weile auf der sogenannten Heumooshöchi in südwestlicher Richtung zum Speer. Auch hier ist die Sicht nach wie vor null, aber mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt. Wir kreuzen diverse Alphütten am Weg und wandern mehr oder weniger auf gleicher Höhe.

An einer windgeschützten Stelle zwischendurch machen wir eine längere Mittagspause und verdrücken einen Teil unserer Vorräte. Charlie hat praktischerweise noch ein paar Kinder-Schoggi-Bonbons dabei und wir können ihr ein paar als Dessert abluchsen.

Anschliessend geht es weiter und nach einiger Zeit erreichen wir dann ein Schneefeld, welches auf der anderen Seite von einem markanten Felsriegel begrenzt wird. Hier müssen wir nun in der Suppe das “Leiterli” finden, welches einen Durchschlupf durch diesen Felsriegel ermöglichen sollte. Im Zickzack steigen wir neben dem Schneefeld hinauf und finden auch wenig später die Wegmarkierung wieder. Praktischerweise ist der Schnee hier auch nur rund drei bis vier Meter breit und wir können mit ein paar Tritten im Schnee rasch den Beginn der “Schlüsselstelle” erreichen. Nach einer Trinkpause geht es dann über ein paar Stufen und in den Fels gehauene Tritte das “Leiterli” hinauf und dann queren wir einige Zeit unter den östlichen Ausläufern des Speer entlang. Immer wieder müssen wir nun Schneefelder traversieren, aber es ist alles kein Hexenwerk und gut machbar. Rund vier Stunden nach dem Aufbruch erreichen wir einen Wegweiser; hier müssen wir im Abstieg in Richtung Weesen hinunter. Jetzt geht es aber erstmal weiter hinauf, die letzten 180 Hm zum Gipfel.

Hier treffen wir nun auch zum ersten Mal auf weitere Wanderer, die offenbar alle von der Südseite her hinauf gekommen sind. In Serpentinen steigen wir weiter auf und nun reisst auch endlich teilweise der Himmel auf und die Sonne kommt durch. Und kurze Zeit später treffen wir an der Seite auf eine Steinbockfamilie, die sich in der Sonne wärmt. Nun sind es auch nur noch wenige Meter hinauf auf den Gipfel, vorbei an schrattigen Nagelfluh-Felsformationen.

Oben angekommen stehen wir nun tatsächlich mal in der Sonne und geniessen durch die immer wieder aufreissenden Wolkenlöcher die Sicht hinunter in die verschiedenen Täler. Eine Nachmittagspause später machen wir uns dann auf den noch recht langen Abstieg, denn wir wollen nun hinunter bis nach Weesen am Walensee. Da warten noch ungefähr 1500 Hm auf uns.

An der Steinbockfamilie vorbei geht es nun ein kurzes Stück auf dem gleichen Weg wieder hinunter, bis wir zur Alp Oberkäseren absteigen können. Von hier aus geht es dann weiter in schnurgerader Linie den Saumchengel hinab zur Alp Unterkäseren. Dann folgen wir teilweise der Alpstrasse oder einem kurzen Wanderweg immer weiter talwärts. Der Abstieg zieht sich nun noch recht in die Länge, am Schluss geht es entspannt die Asphaltstrasse weiter hinunter, bis wir am Abend um kurz nach 18 Uhr wieder im Tal angelangt sind und Weesen am Walensee auf 423 m Höhe erreichen.

Nun steht uns nur noch ein kurzer Marsch zum Bahnhof Weesen bevor, wo wir dann kurz darauf feststellen, dass hier sicherlich keine Züge mehr fahren werden. Beziehungsweise fahren schon, aber nicht halten. Hmpf … Keine Schilder, keine Fahrpläne, nur ein stillgelegter alter Bahnhof. Wie wir nun wissen, muss man erst mit dem Bus nach Ziegelbrücke fahren, wo man dann in den Zug steigen kann. Das klappt dann auch kurze Zeit später prima und um kurz vor 21 Uhr bin ich dann wieder zuhause in Oberiberg.

Details zur Tour

, , , , ,
Vorheriger Beitrag
Ferienwohnung Drexel in Elbigenalp
Nächster Beitrag
Furggelen

Sustenhorn

Traumhafte Skitour auf den höchsten Berg im Sustengebiet mit unglaublicher Firnabfahrt. Nach einem dekadenten Mittagessen im Café muss ich dann noch mit Marina auf den Mythen und sammle so ein paar Höhenmeter.

Weiterlesen

Pazolastock

Patrick und ich nutzen den Neuschnee des Wochenendes für eine kleine Skitour Richtung Pazolastock vom Oberalppass aus. Die Schneeverhältnisse lassen den Gipfel nicht ganz zu, dafür ist die Abfahrt für November durchaus genial.

Weiterlesen

Pizzo Centrale

Wir machen eine alpine Wanderung vom Gotthardpass aus entlang des Lago di Sella zum Pizzo Centrale. Von diesem knapp 3000 m hohen Gipfel aus geht es entlang einer Steinbockkolonie wieder zurück zum Pass.

Weiterlesen
Menü