Wanderung am Albula-Karussell in Bergün

Karussellfahren einmal anders: nach einer Wanderung von Bergün nach Preda können wir die Fahrt mit der Rhätischen Bahn auf der UNESCO Welterbe-Strecke geniessen. 

Pfingsten, Ferien und Ratlosigkeit

Was macht man bei Pfingsten, bestem Wetter und Ferien (unter anderem in Deutschland) und dementsprechend vielen Touristen? Marina und ich wissen es auch nicht so recht. Ursprünglich hatte ich mich mit einem Freund für eine Tour verabredet, aber uns fällt einfach nichts Vernünftiges ein. Auf eine Berghütte wollen wir an so einem Wochenende nicht, für lange alpine Unternehmungen ist es wettermässig zu unsicher, da die Gewitterneigung zunimmt und für vieles ist es uns einfach zu heiss.

Schlussendlich macht er eine Canyoning-Tour, während Marina und ich unsere Wander- und Campingsachen in unser Auto werfen und uns am Sonntag Mittag auf den Weg ins Engadin nach Bergün machen.

Wir fahren in einer unglaublichen Affenhitze am Walensee entlang. In Thusis machen an unserer Lieblingsraststätte Viamala halt, um dort frisch belegte Baguette zu mampfen. Mit Schinken und Käse aus der Region wird dort die gewünschte Kombination frisch zubereitet und schmeckt immer wieder sehr lecker. Auf dem Parkplatz ist die Hitze kaum zum aushalten. Wir sind wirklich froh, dass wir zum einen jetzt deutlich weiter hinauf wollen und es auch bei uns zuhause in Oberiberg einfach besser auszuhalten ist.

Vis-à-vis mit dem berühmten Landwasserviadukt

Weiter geht’s nun auf der Strasse nach Tiefencastel und via Surava nach Filisur. Von hier aus können wir den berühmten Landwasserviadukt der Rhätischen Bahn von der Strasse aus sehen. Steil windet sich unser Weg jetzt nach Bergün hinauf, am Bergünerstein entlang, wo die Strasse halsbrecherisch in den Fels gehauen ist und es direkt daneben viele Meter tief ins felsige Tal der Albula geht. Anschliessend folgt das malerische Örtchen Bergün/Bravuogn, welches wir auf Kopfsteinpflaster durchqueren. Unter den spektakulären Bauten der Bahnstrecke von Tiefencastel nach Bever schraubt sich unser kleines Auto Meter für Meter weiter nach oben.

Die Strasse ist ziemlich steil und auch sehr holprig. Der Albulapass ist nicht für den Wirtschaftverkehr ausgebaut, sondern hat (insbesondere nach dem Bau der Bahnstrecke) nur noch touristische Bedeutung. Nach dem Lai da Palpuogna verlassen wir nun langsam die Vegetationszone und nähern uns der Kurve, die ich mir vorher auf Karte und Luftbildern ausgesucht hatte und wo wir uns ein schönes Biwak-Plätzchen für unser Zelt suchen wollen.

Auf der Suche nach einem Biwakplatz

Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Exakt an dieser Stelle wird die komplette Strasse saniert und besteht gerade nur noch aus einer Schotterpiste. Keine Chance, das Auto hier an den Strassenrand stellen zu können. Zumindest kann ich hier die lästige Dame hinter mir abschütteln, die wohl in ihrem Front-Antriebs-Golf auf dem Schotter nicht so gut vom Fleck kommt und uns nun nicht mehr im Kofferraum hängt. Man holt sich halt seinen Kick, wo man ihn kriegen kann.

Notgedrungen fahren wir also weiter, es geht noch einige Kilometer weiter hinauf bis an die Passhöhe, wo wir dann kurz darauf halt machen und uns verschiedene mögliche Plätze anschauen. Zum Campen eignen die sich allerdings leider nicht, entweder es ist uns zu nah an der Strasse oder es gibt kein Wasser beziehungsweise nur Altschnee, der dann wirklich nicht mehr die Konsistenz zum Wasserkochen hat.

Nach einigem Überlegen fahren wir dann noch mal ein Stück den Pass zurück und schauen uns noch ein, zwei andere Stellen auf dem Weg an, aber das Wasserproblem macht uns einen Strich durch die Rechnung. Schlussendlich beschliessen wir, uns einfach für die Nacht auf den Campingplatz in Bergün zu stellen. Der sah im Vorbeifahren ja auch recht gemütlich aus.

Wandern von Bergün nach Preda

Wir rollen also wieder zurück, richten uns auf dem recht netten Platz häuslich ein und überlegen, was wir mit dem Rest des Tages machen. Da direkt am Campingplatz der Bahnlehrpfad der Rhätischen Bahn vorbei führt, beschliessen wir, ein Stückchen hinauf in Richtung Preda zu laufen. Mit ein bisschen Wasser im Rucksack marschieren wir los, glücklicherweise mit unseren Geldbeuteln und dem GA, denn etwas später überlegen wir uns, dass wir eigentlich bis nach Preda laufen, dort in den Zug steigen und nach Bergün zurück fahren könnten.

Gesagt, getan. Auf einem schön angelegten Wanderweg, von dem aus man immer wieder gute Blicke auf die vorbeifahrenden Züge hat, steigen wir weiter hinauf in Richtung Preda. Immer wieder kreuzt man die Bahnstrecke, die sich in diesem Bereich mit drei Kehrtunneln und jeder Menge Viadukten hinaufschraubt. Wir haben auch ab und zu Glück und können noch ein paar Bilder von Zügen machen, die gerade vorbeifahren. Es sieht schon sehr malerisch aus, wenn sich die roten Züge und der Glacier Express dort ihren Weg durch die Landschaft bahnen. Die Strecke ist sicherlich absolut zu Recht ein UNESCO Welterbe geworden.

Im Wald ist es glücklicherweise nicht so heiss und wir legen ein bisschen Tempo zu, denn mittlerweile ist es schon halb sechs. Wir haben nicht mal ein Handy dabei, um auf den Fahrplan schauen zu können. Daher wissen wir nicht, ob und wann die Züge zurück fahren. Wir wollen natürlich nicht riskieren, den vielleicht letzten Zug um fünf Minuten zu verpassen.

Kurze Bahnfahrt auf dem UNESCO Welterbe

Nach rund acht Kilometern Weg erreichen wir also die kleine Hochebene von Preda auf knapp 1800 m Höhe und kurz darauf den Bahnhof. Der nächste Zug fährt um 18.30 Uhr, wir haben also noch ein bisschen Zeit und warten im Schatten. Dann geht es gemütlich im Wagen sitzend wieder auf der kurven- und tunnelreichen Strecke (das sogenannte Albula-Karussell) in einer guten Viertelstunde zurück nach Bergün, wo wir kurz vor sieben Uhr am Bahnhof ankommen. Jetzt müssen wir noch durch Bergün laufen, um zum Campingplatz zu gelangen. Durch das hübsche kleine Dorf mit seinen Engadiner Häusern geht’s nun in einer Viertelstunde zurück zum Platz.

Nach einer Dusche und Spaghetti Bolognese aus dem Campingtopf beschliessen wir, noch mal nach Bergün zu laufen und einer Beiz noch einen Besuch abzustatten. Am Fluss entlang laufen wir ins Dorf und finden ein schönes Restaurant mit Terrasse, wo noch einiges los ist. Praktischerweise haben sie dort Frappé und so bestelle ich mir zwei Mal hintereinander einen Erdbeer-Frappé, während Marina sich mit einem Eiscafé vergnügt.

Kurz vor dem Dunkelwerden sind wir dann wieder zurück am Zelt, geniessen noch ein bisschen die ruhige Nacht und schlüpfen bald ins Zelt, um uns in die Schlafsäcke zu verkriechen. Morgen soll es in den Nationalpark gehen, wo wir eine Wanderung unternehmen wollen.

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