Schweizer Nationalpark

Nach unserer ersten Nacht im neuen Zelt auf dem Campingplatz von Bergün und einem gemütlichen Frühstück packen wir unser Gepäck in den kleinen Fiat. Unsere Fahrt führt uns über den Albulpass weiter nach Zernez. Im Dorf biegen wir nach rechts Richtung Ofenpass ab und erreichen nach ein paar Kilometern die Grenze des Schweizer Nationalpark.

Wir haben uns vorab eine Route ausgesucht, die es uns ermöglicht, eine schöne Runde durch den Nationalpark zu laufen. Ausgangspunkt unserer Wanderung ist Vallun Chaffoul P3. Im Park gelten strenge Regeln und alle Plätze entlang der Strasse, an denen Parkieren erlaubt ist, sind von 1-10 durchnummeriert. An anderen Stellen dürfen keine Fahrzeuge abgestellt werden und auch wildes Zelten ist überall verboten.

Also halten wir an P3 und laufen los. Es ist noch nicht mal Mittag, aber die Sonne knallt nur so herunter und auf sonnigen Wegabschnitten hat man das Gefühl, als würde man schmelzen. Wahnsinn, wie heiss es hier ist. Der Weg führt uns aber schnell in den Wald und etwas bergab, so können wir den Schatten und die (etwas) kühlere Waldluft geniessen. Kurz nach dem Start erreichen wir eine Brücke, die uns über den Lai da Ova Spin führt, einen kleinen, sehr verwinkelten Stausee, der das Flüsschen im Val dal Spöl auffängt. Nach einem kurzen Gegenanstieg erreichen wir die erste Freifläche, Plan Praspöl. Obwohl im Nationalpark seit guten 100 Jahren keine Landwirtschaft mehr betrieben wird, gibt es immer noch viele freie Flächen, die dank der vielen Hirsche und Rehe, die hier fressen, noch nicht verbuscht sind. Dass es hier viel Rotwild gibt lässt sich allerdings auch leicht an den jungen Nadelbäumen feststellen. Die Bäumchen wachsen hier in der Form von Zuckerhüten: in der Mitte ein hoher Stamm und aussen herum sehr breite Äste. Diese Wachstumsform ergibt sich daraus, dass die Jungtriebe vom Wild immer wieder abgefressen werden und der Baum erst sehr lange Seitenäste bilden muss, um später in der Mitte ungestört in die Höhe wachsen zu können. Überall auf den Freiflächen sieht man diese Wuchsformen.

Von Plan Praspöl gehts mal hoch, mal runter das Val dal Spöl entlang. Wald wechselt sich mit Freiflächen ab, Sonne mit Schatten. Unterwegs legen wir eine kleine Mittagsrast ein und geniessen unsere Brote im Schatten. Kurz bevor wir bei Punt Periv wieder die Flussseite wechseln überqueren wir noch zwei eindrückliche Wasserläufe. Hier herrscht ein angenehmen Klima, aber leider müssen wir weiter, wenn wir unsere Runde schaffen wollen.

Nach der Flussüberquerung geht es ein Stück bergan, bis wir am Pt. 1720 ankommen. Hier führt ein Abzweig zum Lago di Livigno, also direkt nach Italien. Wir lassen den Abzweig aber rechts liegen und steuern den Pt. 1828 an. Unser eigentlicher Plan würde uns hier wieder Richtung Passstrasse führen und an dieser ein Stück entlang, bevor wir dann an P6 die Runde über Grimmels zurück zu P3 antreten könnten. Da wir gerade aber wenig Lust haben, an der Strasse zu laufen, entscheiden wir uns für eine Routenänderung.

Ab Pt. 1828 geht es für uns also in Richtung Alp la Schera. Bisher sind wir hauptsächlich im Wald gelaufen. An sich merkt man keine grossen Unterschiede zu “normalen” Wäldern. Einzig die vielen Totholzbäume, die überall liegen, erinnern einen immer wieder daran, dass man sich im Schweizerischen Nationalpark befindet. Seit 1914 steht dieser unter Schutz und die Natur ist sich selbst überlassen. Ausser Massnahmen zur Verkehrssicherung werden hier keine Eingriffe in die Natur vorgenommen, es gibt nur wenige Wanderwege und diese darf man auch nicht verlassen. Dieses Verhalten wird nämlich genauso gebüsst wie das Baden in Flüssen oder Seen im Park. Der Mensch darf hier nur beobachten, aber nicht eingreifen, nichts verändern. Schön, dass es hier über 170km2 gibt, die nur der Natur vorbehalten sind und weitere Pärke im Entstehen sind.

Kurz vor der Alp la Schera steigen wir auf über 2000 m auf und verlassen damit den Wald. Zum Glück ist der Nachmittag etwas wolkiger und nicht mehr ganz so unerträglich sonnig wie der Vormittag. So können wir unsere kurze Rast an der Alp mit Blick auf den Lago di Livigno geniessen, bevor es weitere 300 Höhenmeter zu überwinden gilt. Unterhalb des Munt Chavagl durchqueren wir eine herrlich atemberaubende Landschaft – karg und endlos scheint sie zu sein. Fleckig bedeckt von pinkfarben blühenden Polsterpflanzen.

Am Pt. 2378 ist es dann soweit und wir verlassen den Nationalpark – mitten im Nichts liegt hier eine unsichtbare Grenzen. Zwei gelbe Pfosten und eine Hinweistafel sind die einzigen Merkmale, die darauf aufmerksam machen, dass hier “andere Gesetze” gelten.

Langsam abfallend führt uns unser Pfad talwärts, bis wir die Fahrstrasse zur Alp Buffalora erreichen. Von dort können wir die Passstrasse und das Gasthaus schon gut sehen. Nach ein paar Minuten erreichen wir die Bushaltestelle, an der uns kurz darauf die Linie 815 aufsammelt und an P3 wieder absetzt, wo unser kleines Auto auf uns wartet.

Mit Eis-Stop in Zernez gehts dann über den Albula zurück nach Hause.

Details zur Tour

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