Weissmies

#storyEis
Als der Wecker um fünf klingelt, haben wir im Zelt nicht so recht Lust, aufzustehen. Heute steht das Allalinhorn über den Hohlaubgrat auf dem Programm. Wir mühen uns aber dann doch raus und nach einem kurzen Frühstück fahren wir nach Saas Fee hinauf, von wo aus wir zur Talstation des Alpin-Express laufen. Dort angekommen ist es noch verdächtig ruhig – wir wissen aber auch nicht ganz genau, wann die erste „Bergsteiger-Gondel“ fährt. Ein Schild belehrt uns jedoch eines besseren: der Alpin-Express fährt im Moment gar nicht und wir müssen noch ein paar Minuten laufen, um stattdessen die Felskinn-Bahn zu nehmen. Dort angekommen ist es noch verdächtig ruhig – hatten wir das nicht gerade schon? Keine Infos zu einer Bergsteigergondel, die erste Bahn fährt erst um 8:30 Uhr. Reichlich spät … Ein bisschen Gefluche und Überlegen später beschliessen wir, uns zu beeilen und in Saas Grund die erste Bahn um 7:30 Uhr zum Hohsaas zu nehmen und statt dessen das Weissmies über den Normalweg zu besteigen. Also wieder zurück zum Parkhaus, ins Auto und runter nach Saas Grund. Dort klappt dann endlich alles wie geplant und wir gondeln/mogeln uns auf 3100 m Höhe hinauf – eigentlich nicht so die feine Art. Aber das ist das Schöne im Saastal und für den ersten 4000er für Marina ist das auch noch okay.

Vom Hohsaas steigt man kurz zum Gletscher ab. Wir seilen mit einigen anderen Seilschaften an und steigen dann langsam los, über das Plateau und durch ein paar Spaltenzonen unterhalb der Seraczone entlang. Dank der guten Spur keine allzu wilde Sache. Später wird das Gelände steiler und wir gehen am kurzen Seil in die Querung, die nach dem Übersteigen einiger Bergschründe zum Frühstücksplatz führt, wo wir uns eine kurze Pause gönnen. Von dort geht es steiler weiter, guter Trittschnee ermöglicht aber ein gleichmässiges und kraftsparendes Steigen. Oben geht es in einem Rechtsbogen zum finalen Gipfelhang, der in einen mässig ausgesetzten Grat übergeht und direkt auf den Gipfel leitet. Marina schlägt sich sehr gut und so erreicht sie nach einer letzten Anstrengung ihren ersten 4000 m hohe Gipfel, das Weissmies (4023 m). Das Ganze bei bestem Wetter und hervorragenden Bedingungen und so können wir die Wahnsinns-Aussicht bis weit in die Po-Ebene hinein und in die Alpen geniessen.

Der Abstieg führt uns auf dem selben Weg wieder zurück, auch hier gehen wir bis zum Gletscherboden alles am kurzen Seil, das Gelände erlaubt dies. Noch einmal die Querung unter dem Seracgürtel hindurch und wir erreichen wieder die Pistenrampe, die in wenigen Minuten zur Bergstation Hohsaas hinaufführt. Einsteigen, sich breit machen, damit nicht noch ein paar Rentner in die gleiche Gondel einsteigen und dann schweben wir wieder hinunter ins Tal.

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