Auf den Säntis über den Lisengrat

Wir haben uns für heute mit Patrick und mit – wie er es erst vollmundig angekündigt hat – noch zwei bis vier weiteren Damen zu einer Wanderung auf den Säntis verabredet. Da wir morgens etwas zu spät dran sind, geht es mit Volldampf bis nach Unterwasser und die kleine Alpstrasse zum Parkplatz Laui hinauf. Dort warten bereits die anderen. Allerdings erfahren wir, dass wir nun doch insgesamt nur zu viert sind, der Rest hat sich wohl spontan doch für andere Unternehmungen entschieden.

Uns ist das egal und so marschieren wir mit Patrick und Britta los, auf einer geteerten Alpstrasse zur Thurwis, wo gerade eine riesige Schafherde den Alpabtrieb beginnt. Wir schaffen es gerade noch kurz vor ihnen durch das Kuhgatter, sonst hätten wir wohl eine Weile warten müssen. Weiter geht’s hinauf, bis wir die Alpstrasse verlassen können und ein kleiner Wanderweg in Richtung Flis-Schafboden führt. Praktischerweise schaffen wir es gerade noch in die kleine Alp-Beiz, bevor der sich hinter uns schon anbahnende Regenguss über uns entleeren kann.

Also nutzen wir die Zeit und machen eine halbstündige Pause im Gastraum. Bei etwas zu Trinken unterhalten wir uns und warten ab, bis sich der Schauer wieder verzogen hat. Dann laufen wir weiter und erreichen nach rund 400 Höhenmetern den Rotsteinpass, wo ich mit Annika im Winter eine kleine Skitour hin gemacht habe. Dort machen wir noch eine kleine Trink- und Pinkelpause, bevor wir den Weiterweg über den Lisengrat in Angriff nehmen.

Erst führt uns der Weg noch recht entspannt zum ersten Aufschwung, ab da ist der Steig dann mit einigen Stufen und Ketten versichert. In teilweise ausgesetzter, aber nicht schwieriger Kletterei geht es hinauf auf den ersten hohen Aufschwung. Dahinter folgen sehr schöne Passagen auf dem Grat, der sich mit vielen kleinen und verwunschenen Türmchen in Richtung Säntis zieht. Eine Gruppe Appenzeller Jodler hat sich in einer kleinen Nische mitten am Grat versammelt und singen dort volkstümliche Jodel-Lieder. Das klingt hier oben sehr schön und wir machen eine kleine Pause, um ihnen zuzuhören.

Nun folgt eine sehr ausgesetzte Passage durch die Nordseite der Wisswand. Hier sollte man nicht unbedingt den Halt verlieren, aber der Weg ist sehr gut gesichert und man braucht keine Bedenken zu haben. Wir nähern uns immer mehr dem hässlichen Gipfelaufbau des Säntis, einem riesigen gelben Käsewürfel. Schön ist er nicht, aber der Weg hin und zurück entschädigen für den Klotz auf dem Gipfel. Kurze Zeit später haben wir den Chalbersäntis überschritten (ein kleiner Vorgipfel) und nehmen die letzten Meter in Angriff, bevor wir über eine kleine Treppe den Betonklotz erreichen. Nun geht es noch über Treppen, Treppen und noch mal Treppen hinauf auf das Gipfelplateau, wo wir uns zwischen Selfie-knipsenden Touristen ein Plätzchen suchen, um zu essen und über sie zu lästern.

Da der Wind recht kalt ist, verlassen wir unser gastliches Plätzchen aber bald wieder und laufen im Gebäude Treppe für Treppe hinunter (man könnte natürlich auch den Fahrstuhl nehmen, aber irgendwie widerstrebt uns das…). Nach einem kurzen Besuch auf der beheizten Toilette finden wir den Ausgang (das ist schwieriger als man denkt) und müssen ein Stück durch einen in den Fels gesprengten Stollen laufen, bevor wir den nördlichen Ausgang erreicht haben.

Ab hier steigen wir nun in einer steilen, versicherten Felsrinne ab. Wir müssen immer mal wieder entgegenkommenden Wanderern ausweichen und erreichen so schliesslich die Scharte vor dem Girenspitz, wo wir nach Westen abbiegen und in Richtung Tierwishütte absteigen. Patrick und ich erinnern uns, dass uns der Affenkopf von Hüttenwart vor einigen Jahren mal vergrault hat, weil wir in vielleicht 50 m Entfernung von der Hütte Pause gemacht und unsere eigenen Brote gegessen haben – ohne etwas in seinem Etablissement zu bestellen. Also kam er mit dem Tablett auf dem Arm zu uns und fragte, was wir wollten – natürlich nichts – worauf er uns des “Privatgrundstücks” verwies, auf welchem aber dummerweise der Wanderweg entlang führte. Da kann man nur noch den Kopf schütteln. Resultat ist aber, das wir die Hütte nicht für eine kleine Pause nutzen, da wir solche Hinterwäldler nicht unterstützen wollen und werden.

Wir lassen also die Hütte rechts liegen und biegen nach dem Durchqueren der herrlichen Karstlandschaft ab, um wieder nach Südwesten zu unserem Ausgangspunkt abzusteigen. Im Zickzack bahnt sich der Weg seinen Weg durch die gestufte Landschaft und nach rund 1400 Metern Abstieg erreichen wir wieder den Talboden bei Thurwis, wo wir heute morgen gestartet sind. Nun folgen wir wieder dem letzten Stück der Alpstrasse, bis wir den Parkplatz und das Auto erreichen und eine schöne Wanderung zu Ende geht.

Details zur Tour

, , , , , , , , , , , , , ,
Vorheriger Beitrag
Brudelhorn
Nächster Beitrag
Gimpel Südost-Wand

Altmann Ostgrat

Schöne Kletterei mit langem Zustieg, dafür aber auch einsam. Mit Steph geht es via Zwinglipasshütte zum Altmann Ostgrat und über diesen hinauf zum Gipfel.

Weiterlesen

Raten und Sattelegg

Die Raten- und Sattelegg-Runde fahren wir heute zusammen mit Charlie und Patrick. Ein lustiger Sonntagsausflug mit einem süssen Abschluss mit Eisbecher in Einsiedeln.

Weiterlesen

Warther Horn und Karhorn

Nach der Wanderung zum Warther Horn steigen wir über den Klettersteig zum Karhorn auf. Beim zweiten Teil dieses Steiges müssen wir leider passen und uns für den gerölligen Fussweg ins Tal hinunter entscheiden.

Weiterlesen
Menü