Gimpel Südost-Wand

Dieses Wochenende beschliessen wir spontan ins Tannheimer Tal zu fahren. Am Freitag Abend buchen wir rasch ein Zimmer für Sonntag Abend auf dem Gimpelhaus und Sonntag morgens geht’s dann los. 5 Uhr aufstehen und um 6.30 sitzen wir schon im Auto. Nach vier Stunden Fahrt erreichen wir schliesslich Nesselwängle. An einem so schönen Sonntag ist hier der Teufel los. Der erste Parkplatz ist schon belegt, aber nur ein paar Meter weiter wartet schon die nächste Fläche, um mit einer Blechlawine gefüllt zu werden. Um 10.30 Uhr sind wir hier quasi in den Massenstart der Sonntagsausflügler gekommen. Aber wir nehmen es gelassen und laufen gemütlich Richtung Gimpelhaus los.

Die Wanderwege sind voll – Rentner, Familien mit Kindern, Hunde … Alles wälzt sich in der Hitze, die hier an der Südseite herrscht, den Berg hoch. Um kurz vor 12 Uhr sind wir dann am Gimpelhaus. Die Schattenplätze auf der Terrasse sind schnell belegt und die Sonntagswanderer stärken sich hier nach dem 500-Höhenmeter-Aufstieg erstmal mit Wurstsalat oder Schnitzel mit Pommes.

Wir deponieren ein paar Sachen, die wir am Nachmittag nicht brauchen, in der Hütte und marschieren nach einem erfrischenden Skiwasser weiter in Richtung Gimpel. Wir wollen heute noch über die Gimpel Südost-Wand auf den Gipfel klettern. Acht Seillängen sind dazu zu überwinden – eine Herausforderung, da wir beide so gut wie gar nicht klettern waren in den vergangenen Monaten.

Nach einem schuttigen Aufstieg erreichen wir den Einstieg in die Route. Falko kennt die Route gut, da er sie früher schon öfters geklettert ist und sie auch mit neuen Klebehaken saniert hat. Mit einer III+ bewertet sollte sie nicht all zu schwer sein, so auch seine Meinung. Doch sein Erinnerungsvermögen an die Route und den Abstieg ist etwas verblast, wie sich später noch herausstellen wird.

Wir steigen also in die erste Seillänge ein und es klappt ganz hervorrangend. Falko steigt vor und ich sichere von unten. Wenn er den nächsten Stand erreicht hat und sich selbst gesichert hat gibt er mir durch drei feste Züge am Seil das Zeichen, dass ich ihn aus der Sicherung nehmen kann, damit er das Seil durchziehen kann. Wenn er mich in der Sicherung hat, gibt es wieder drei Züge und das ist für mich das Zeichen meine Selbstsicherung zu lösen und nach zu klettern.

Schon in der ersten Seillänge fangen meine Füsse höllisch an zu schmerzen, da meine Kletterschuhe wirklich sehr eng sind und ich bin immer froh, wenn ich am Stand ankomme, um mal kurz aus den Schlappen raus zu kommen. So klettern wir also eine Seillänge nach der nächsten. An der ersten Schlüsselstelle kann ich Falko schon am Stand sehen und er kann mich ein wenig anleiten, wie ich die schwierige Stelle am besten überwinden kann. Mit einer straffen Sicherung von oben geht das dann auch einigermassen.

An einer späteren Stelle, die für mich sehr schwierig ist, dauert es dann etwas länger. Selbst mit der Bandschlinge, die ich als zusätzlichen Tritt/Griff in den Haken gefädelt habe, komme ich nicht über die 2m hohe Platte. Ich weiss nicht, wie ich da hoch kommen soll und bin wütend und genervt. Falko muss sich ganz schön anstrengen, um mir mit einem halben Meter Zug zu ermöglichen den super Griff oberhalb der Schlüsselstelle greifen zu können. Dann ist auch diese Stelle überwunden. Über eine Bewertung mit III+ lässt sich hier allerdings streiten! Soviel zur Erinnerung an die “Einfachheit” der Route.

Zum Glück sind es aber nur drei bis vier Stellen auf den insgesamt 240 Höhenmeter, die wir bis zum Gipfel klettern, die so schwierig sind. Das meiste ist angenehme Kletterei in griffigem Kalk und ein paar leichte Querungen, teils auf Gras- bzw. Erdbändern. Das sonnige Spätsommerwetter beschert uns eine wahnsinnige Aussicht in die Tiroler Bergwelt und wir geniessen die Stille hier oben, abseits des Rummels an der Hütte. Nur hin und wieder müssen wir uns in Acht nehmen, da von vorsteigenden Kletterern oder abfliegenden Bergdohlen immer wieder kleine Steinchen losgetreten werden, die zischend in Tal sausen. Ein Helm ist hier natürlich Pflicht, aber es gibt noch genügend andere Körperstellen, die ungeschützt sind … Wir haben aber Glück und kommen gut durch. Ab ca. der Hälfte der Route sind auch keine Kletterer mehr über uns und wir sind ziemlich ungestört.

Kurz vor dem Ende der Route schiesst Falko noch ein paar Kletterbilder, bevor wir aus der Route aussteigen und die letzten Meter zum Gipfel aufsteigen. Da es mittlerweile fast 17 Uhr ist haben wir den Gipfel ganz für uns alleine – wunderschön. Im Norden blicken wir nach Deutschland mit dem Allgäu, im Süden nach Tirol … Neben uns sind noch einige Wanderer auf dem Gipfel der Roten Flüh, aber sonst sind nicht mehr viele Wanderer oder Kletterer unterwegs.

Nachdem Gurte, Seil etc. im Rucksack verstaut sind gehts an den Abstieg. Laut Falko ist der Abstieg nicht sehr schwer, eben ein anspruchsvoller Weg. Die Erinnerung an den Normalweg vom Gimpel ist aber bei Falko wohl in irgendwelchen Untiefen seines Erinnerungsvermögens verloren gegangen, denn der Abstieg ist alles andere als einfach. Nach dem Gipfel sind es einige heikle Stellen, die wir teils rückwärts abklettern. Zurück auf der Südseite geht es erst mal etwas entspannter auf einem schottrigen Weg bergab. Das letzte Stück, das uns zurück zum Wanderweg führen soll ist aber gar nicht mehr lustig. Vorsichtig klettern wir Tritt um Tritt rückwärts ab und kommen so nur sehr langsam unserem Ziel näher. Dieser Teil fordert jetzt noch mal unsere ganz Aufmerksamkeit und wir sind beide heilfroh, als wir diese abschüssige Rinne endlich hinter uns lassen können. Falko holt schnell meinen Rucksack, den wir am Einstieg zurück gelassen haben, und dann geht’s flink über eine Schotterpiste zurück zum eigentlichen Wanderweg und von dort direkt zurück zum Gimpelhaus.

Dort haben wir für diese Nacht ein Doppelzimmer reserviert und wir haben Glück – ein Eckzimmer mit Blick über Nesselwängle bis zum Haldensee! Nach einer Katzenwäsche und T-Shirtwechsel wollen wir nur noch eins – Essen! Nach Leberkäse mit Bratkartoffeln gibt’s zum Abschluss noch Kaiserschmarrn und um halb zehn liegen wir schon zufrieden in unseren Betten.

Details zur Tour

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