Mönch via Nollen

Aktivitäten, Hochtouren

Die Kaltfront der letzten Woche hat einigen Neuschnee gebracht und unser ursprüngliches Ziel, das Bietschhorn, haben wir daher erstmal verschoben. Dafür dürften die Verhältnisse am Mönch im Berner Oberland recht gut sein und so treffen Steph und ich uns am Sonntag in Luzern und fahren nach Lauterbrunnen, wo wir das Auto parkieren und mit der Wengenalpbahn zur Kleinen Scheidegg tuckern. Ich finde die Strecke ja immer wieder cool, allerdings auch recht langatmig. An der Scheidegg lassen wir die Schirm-schwingenden Touristenführer schnell hinter uns und steigen weiter auf Richtung Hotel Eigergletscher, wo wir rechts abbiegen und mit einem kleinen Abstieg den Aufstieg zur Guggihütte einläuten. Die liegt ziemlich beeindruckend und ausgesetzt auf einem kleinen Absatz inmitten des markanten Nordwest-Pfeilers, der sich vom Mönch ins Lauterbrunnertal herabzieht.

Wir sind etwas überrascht, wie viel Schnee noch liegt, auch der Hüttenweg ist aufgrund der abschüssigen Kalkbänder nicht mehr so einfach zu begehen. Knapp drei Stunden später sind wir auf der Hütte, die im Moment noch leer ist – die Guggihütte ist grundsätzlich eine Selbstversorgerhütte, nur am Wochenende während der Sommersaison ist ein Hüttenwart oben und bietet Getränke an. So haben wir die Hütte für uns allein, glücklicherweise soll das dieses Mal auch so bleiben – schön, wenn man mal seine Ruhe hat.

Wir machen uns nochmal für eine Stunde auf und erkunden die ersten zweihundert Höhenmeter für den nächsten Tag – dank Spuren im Schnee und einigen Steinmanndli wäre das aber hier nicht mal unbedingt notwendig. Wir werden allerdings morgen direkt mit Steigeisen starten, der Neuschnee macht das Ganze sonst doch zu einer ziemlich rutschigen Angelegenheit.

Zurück auf der Hütte machen wir es uns gemütlich und kochen uns leckere Spaghetti mit Bolognese-Sosse. Problematisch ist allerdings, dass Steph ein Verfechter von sehr dicken Spaghetti ist (sogenannte Spaghettoni), während ich immer die allerdünnsten (Spaghettini) aussuche. Unser Kompromiss sind dann mitteldicke Spaghetti, wir werden das allerdings mal noch ausdiskutieren müssen. Geht ja nicht an, sowas. Auf jeden Fall schmeckt der Kram, besser als manches Essen auf bewarteten Hütten und nach Tee kochen für den nächsten Morgen hauen wir uns auf’s Ohr. Ausnahmsweise schlafe ich mal richtig gut, das könnte wegen mir gerne zur Regel werden.

5 Uhr. Wir haben beschlossen, nicht zu früh aufzustehen, wegen des überschaubaren Abstiegs ohne heikle Gletscher und wir wollen weiter oben schon Tageslicht haben, wenn wir am Nollen sind – gut, anders gesagt, wir haben auch nicht so richtig Bock, megafrüh aufzustehen. Obige Gründe sind aber trotzdem wahr. Wir frühstücken, packen noch zusammen und fegen kurz die Hütte durch und um 6 Uhr starten wir, noch im Dunklen, über die Felsstufe Richtung Oberes Mönchplateau. Das Gelände ist nicht schwer und dank unserer Spuren können wir einfach mit gesenktem Kopf vor uns hinstapfen. Das ist doch toll, wenn man da noch nicht denken muss. Das Plateau erreichen wir nach einer knappen Stunde, von dort aus zieht sich ein Firn-/Felsgrat zum eigentlichen Nollen, einer Eisbarriere, die teilweise steile Eiskletterei verlangt. Wir machen eine kurze Esspause und packen dann die Etappe bis unter den Nollen an. Dort seilen wir uns an und Steph geht noch die erste Seillänge bis unter die Steilstufe und macht dort Stand. Die restlichen drei steilen Längen “darf” ich dann vorsteigen. Hmpf. Aber gut, ich sehe es mal als gutes Training an und er ist zugegebenermassen mit seinem Eispickel und nur einem Eisgerät für steileres Eis etwas gehandicapt. Also drei Seillängen und links am Nollen vorbeigeschlüpft und weiter oben dann in einer Linkskurve wieder auf die obere Eiszunge. Das Eis wechselt zwischen sehr gut bis splittrig und der Wadenbeisser hat es auch schon wieder bis hier hinauf geschafft. Das könnte im Fall aber auch etwas an meinen Steigeisen liegen, deren dauerndes Nachschleifen die Frontalzacken mittlerweile auf kümmerliche knappe zwei Zentimeter schrumpfen lassen hat – das ist okay für die üblichen Firnwände, aber hier dürften es dann doch ein paar Millimeter mehr sein. Ist aber jetzt so und es geht auch recht gut. Steph ist etwas am Fluchen im Nachstieg, der Eispickel findet das Gelände wohl nicht mehr so toll. Oben erreichen wir das Plateau, zählen die schwarzen Punkte am Jungfraujoch und essen etwas, bevor wir die Gipfelflanke in Angriff nehmen. Interessantes Ambiente: man hört immer wieder die Durchsagen an der kleine Scheidegg und alles kommt einem ganz nah vor, aber letztlich ist man doch mutterseelenallein irgendwo in dieser Wand.

Gipfelwand: Der Bergschrund lässt sich in der Mitte sehr gut übersteigen und dann wuseln wir am laufenden Seil mit Tiblocs dazwischen zügig Richtung Südwestgrat hinauf, um die letzten Meter zum Gipfelgrat im (einfachen) Fels zurückzulegen. Interessant ist hier wieder die Gesteinsart am Mönch: während der Eiger ein kompletter Kalkberg ist und sich die Jungfrau für Gneis entschieden hat, ist der Mönch etwas wankelmütig und wechselt immer mal wieder zwischen Kalk und Gneis hin und her. Also da wo man sich auf einer glatten, abschüssigen Platte auf die Fresse gelegt hat, ist wahrscheinlich Kalk der Übeltäter, während die gröberen Blöcke, die Steph bisweilen von oben nach mir wirft, eher auf Gneis schliessen lassen. Oben treffen wir dann auf den eigentlichen Südwestgrat, der in rund drei, vier Stunden vom Jungfraujoch herauf zieht und eine schöne mittelschwere Tour darstellt. Die letzten Meter auf dem markanten Firngrat ziehen sich wie immer (“Das ist der Gipfel” – “DAS ist er jetzt aber wirklich” – “Grummel”), aber nach knapp siebeneinhalb Stunden steigen wir dem Gottesdiener auf sein Haupt. Eine österreichische Seilschaft, die vom Südwestgrat her kam, folgt uns nach und wir können noch ein paar schöne Bilder von ihnen machen.

Wir machen eine kurze Pause und essen etwas. Dann beginnen wir mit dem Abstieg über den Normalweg. Der ist nicht besonders schwierig, allerdings läuft man teilweise wirklich einfach auf einem 50 cm breiten Firngrat und kann sich entscheiden, rechts in die sonnenbeschienene Südwand oder links in die schattige Nordostwand zu fallen – beides sieht nicht sehr anziehend aus. Also nochmal aufpassen, weiter unten verbreitert sich der Grat dann aber schnell etwas und es geht im einfachen Fels weiter hinab. Oben wurden vom Grindelwaldner Bergführerverband Sicherungsstangen montiert, wo man das Seil einfach drum herum legen kann und so auf jeden Fall den Seilschaftsabsturz verhindern kann. Eine gute Sache, unverständlich aber, warum es immer wieder Seilschaften gibt, die die Dinger ignorieren und sich (und die anderen weiter unten) massiv gefährden. Der Österreicher vor uns jagt sein Mädel ziemlich, es piept ihn augenscheinlich etwas an, dass sie bedeutend langsamer sind als wir. Wobei das hier kein Problem ist, es ärgert ihn wohl einfach. An einer guten Stelle lassen sie uns dann vorbei, wir tauschen noch Email-Adressen aus, dann kann ich ihnen das Foto vom Gipfelgrat schicken.

Der weitere Abstieg geht dann recht zügig vonstatten, immer mehr nähern wir uns dem planierten Pistenband, welches Mönchsjochhütte und Jungfraujoch verbindet – ziemlich grausig sieht das aus. Die letzten Meter muss der Betbruder dann ja unbedingt nochmal von Gneis (schön zum Klettern) auf Kalk wechseln und prompt wird es etwas ungemütlich. Als wir den Firn erreichen können wir uns endlich unserer Gurte entledigen und gemütlich stapfen wir dann zum Eingang des Jungfraujoch-Stollens. Hier in der Sonne auf dem Gletscher rächen sich jetzt die Powerstretch-Unterhosen und wir kommen noch ziemlich ins Schwitzen. Aber im Stollen ist es dann wieder angenehm kühl und – wo müssen wir eigentlich hin? In diesem verdammte System aus Tunneln und Gängen mal die Bahnstation zu erreichen ist gar nicht so einfach, aber wir schaffen sogar noch den 16 Uhr-Zug und können nun via Kleine Scheidegg entspannt zurück nach Lauterbrunnen fahren.

Im Parkhaus stelle ich dann fest, dass Klein-Falko gestern statt seinem Ticket für die Bergfahrt zur Kleinen Scheidegg wohl das Parkhausticket in den Ofen auf der Guggihütte geworfen hat – ganz grosses Kino. Aber dank des sehr hilfsbereiten Pförtners können wir das Parkhaus dann doch noch Richtung Heimat verlassen.

Details zur Tour

Vorheriger Beitrag
Leistchamm
Nächster Beitrag
Clariden Normalweg

Piz Cambrena

Überschreitung des Piz Cambrena mit Aufstieg über die ehemalige Eisnase (NW-Grat) und Abstieg über den Piz d’Arlas zurück zur Diavolezza.

Weiterlesen
Menü