Altmann Ostgrat

#storyFels
Ich treffe mich mit Steph mal wieder in Pfäffikon, wo er mit dem ÖV hinkommt. Nachdem ich ihn aufgesammelt habe, fahren wir über den Rickenpass ins Alpsteingebiet und bis nach Wildhaus, wo wir das Auto an der Talstation der Gamplüt-Seilbahn abstellen. Nun geht’s mit den Rucksäcken den steilen Weg hinauf in Richtung Gamplüt, den wir aber alsbald nach rechts verlassen und in den Flürentobel queren, wo sich der Weg zwischen steilen Felswänden hinauf windet.

Kurz nach dem Verlassen des Tobels gelangen wir so auf die Teselalp, ein flaches Hochtal, wo uns der breite Weg taleinwärts bringt. Unter der gewaltigen Südwand des Wildhuser Schafbergs entlang, laufen wir bis kurz unterhalb der Chreialp, wo ein Bergweg links abzweigt. Diesem folgen wir, mit einer kleinen Esspause verbunden, bis hinauf zur Zwinglipasshütte. Diese kleine bewirtschaftete Hütte steht auf 1999 m direkt unter der Altmann-Südwand, die aber nicht unser Ziel ist. Wir steigen noch ein wenig weiter den Weg hinauf in Richtung Altmann, bevor wir ihn auf rund 2094 m Höhe verlassen und auf kaum erkennbaren Wegspuren um den Altmann süd- und ostseitig herum queren. So gelangen wir nach vielleicht einer Viertelstunde an den markanten Ostgrat.

Da der kalte Föhnwind uns direkt aus dem Rheintal heraus trifft fackeln wir nicht lange herum und legen unsere Klettergurte und das restliche Gerödel an. Ich fange die erste Seillänge an, muss mir aber alsbald eingestehen, dass es mir heute nicht so rein läuft und mich auch der Wind ziemlich nervt und nicht gerade für ruhigere Nerven sorgt. Eigentlich sind die Seillängen nicht schwer, laut Führer 3b, was allerdings nach historischem Standard „gemessen“ wurde, als die Skala nur bis 6a reichte. Das führt dann dazu, dass die Schwierigkeit sich sicherlich eher im 4. Grad abspielt – auch nicht wirklich schwer, aber mir taugt’s gerade irgendwie einfach nicht. Ich mache also Stand, hole Steph nach und er steigt weiter vor. Im Nachstieg ist es auch für mich kein Problem und macht dann auch wieder mehr Spass, obwohl der Wind trotzdem recht an den Nerven zieht.

Seillänge für Seillänge steigen wir so hinauf, es geht recht zügig und läuft alles gut ab. Nach der fünften Seillänge sucht Steph etwas nach einem Standplatz (eigentlich sind die alle eingerichtet) und baut schliesslich selber einen an einem Felsköpfl. Das passt aber auch, erst im Nachhinein sehen wir im Führer, dass bei dieser Länge der Stand am letzten Bohrhaken gewesen wäre.

Ein Alleingänger überholt uns in dieser Länge noch – angesichts der Tatsache, dass ich solches Zeug vor ein paar Jahren durchaus auch solo gegangen bin, führt mir das recht deutlich meinen momentanen Nervenzustand vor Augen. Aber gut, da kann man jetzt nicht einfach mal so einen Schalter umlegen, für mich ist es jetzt erst mal gut, dass ich die Kletterei geniessen kann und zumindest auch mittlerweile wieder einen Lauf hab und mir zumindest auch den Vorstieg zutrauen würde. Steph macht das aber auch sehr gut und so bleiben wir in dieser Reihenfolge (ich im Nachstieg, er im Vorstieg), bis wir nach acht Seillängen einen Vorgipfel erreichen. Hier endet die eigentliche Kletterei und wir legen bis auf die Gurte alles Gerödel ab und machen erst einmal eine ausgiebige Mittagspause.

Ab hier geht es nun auf einem einfachen Anstieg durch den Schaffhauser Kamin hinauf auf den Gipfel – allerdings fragen wir uns, ob es so sinnvoll ist, hier ohne Helm herum zu steigen, wie es eine Dreier- oder Vierergruppe etwas unterhalb von uns das gerade vormacht. Ist uns aber im Endeffekt egal, wir schauen dass wir noch durch den Kamin und leichte Kletterei rechts davon auf den Gipfel kommen.

Nach ein paar Fotos und Umherschauen machen wir uns an den Abstieg über den Normalweg – der ist zwar nicht schwer, aber ekelhaft abgeschmiert und bei Nässe sicherlich ein extrem heikles Unterfangen. Selbst jetzt bei Trockenheit schauen wir sehr sorgfältig, wo wir hintreten, denn ein Ausrutschen ist hier nicht erlaubt. Glücklicherweise dauert der blöde Teil aber nur knapp 100 Hm, dann erreichen wir schnell den Altmannsattel, wo es nach rechts zur Rotsteinpasshütte ginge.

Eigentlich wollten wir ab hier über den blau markierten Weg zum Nädliger und via Schafbodenalp wieder zurück absteigen, aber da der Grat anfangs sehr schmal ist und der Föhn wirklich heftig mit voller Breitseite pfeift, lassen wir das lieber und steigen auf dem normalen Wanderweg wieder hinab zur Zwinglipasshütte. Hier gibt es dann noch etwas zu Trinken (und Schokoladenpudding gratis, da er vom Abendessen vom Vortag übrig geblieben ist ) und anschliessend laufen wir uns auf dem Aufstiegsweg wieder zurück ins Tal.

Hier geht es nun noch gemütlich wieder wie am Morgen zurück zum Auto, wo wir gegen 16 Uhr ankommen.

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