Hungerast und Nebelbänke am Redertengrat

#storySchnee

Bei einer Skitour auf den Redertengrat im Wägital holt Marina ein Hungerast ein. Den Gipfel erreichen wir zwar, aber die Abfahrt wird ein wenig zur Tortur.

Winter, Schnee und – naja, ein perfekter Tag ist es nicht, auf die Sonne müssen wir am Nachmittag dann leider doch verzichten. Trotz sich nähernder Wolken wollen wir die verschneite Winterlandschaft und den Schnee geniessen. Wir entschliessen uns für eine Tour aus dem Wägital und wollen zum Redertengrat hinauf steigen.

Parkplatzmangel am Wägitalersee

Gemütlich und ohne Stress packen wir nach dem Frühstück unsere Rucksäcke, räumen alles ins Auto, legen die Ski aufs Dach und los geht’s. Wir fahren am Sihlsee entlang und über die Sattelegg nach Vorderthal. Von dort erreichen wir in ein paar Minuten Innerthal und den Wägitalersee.

Viele der spärlich gesäten Parkplätze entlang des Seeufers sind schon belegt. Es gibt eben doch viele Frühaufsteher unter den Tourengängern. Aber wir finden doch noch ein gutes Plätzchen zum Parken. Schnell machen wir uns abmarschbereit, denn hier unten im Schatten ist es jetzt unangenehm kalt und wir wollen rasch in Bewegung kommen.

Über einen steilen Weg am Anfang erreichen wir einen langgezogenen Wiesenhang. Die vorhandene Spur ist unangenehm steil angelegt. Das macht gleich zu Beginn der Tour nicht so riesig Spass, aber so ist es jetzt nun einmal. Wir ackern uns nach oben und tauchen etwas später in den Schlunen-Wald ein. Hier geht es auf dem verschneiten Sommerwanderweg immer bergan, zwischen hohen Fichten hindurch, bis wir auf ca. 1300 m ü. M. wieder auf offenes Gelände stossen.

Hier an der Alp Rinderweid geht es nun gemächlicher, bis die Spur wieder leicht ansteigt. Direkt vor uns liegt nun der Mutteristock. Wir halten uns links des markanten Felsrückens und gewinnen dabei immer weiter an Höhe. Das Gelände ist leicht gewellt und es braucht noch einige Zeit, bis unser „Gipfel“ am Redertengrat in Sichtweite rücken wird.

Schwere Beine bei Marina

Bei mir sind heute die Beine schwer und ich will nicht so recht in Schwung kommen. Deshalb entschliessen wir uns auf Höhe der Matt, bei ca. 1700 m ü. M. getrennt weiter zu gehen, jeder in seinem Tempo. So sind wir beide wohl glücklicher. Falko zieht davon und ich krieche gefühlt hinterher. Keine Ahnung, was heute mit mir los ist, aber letzten Endes komme ich nach den letzten 300 – 400 Höhenmeter doch noch am Redertengrat an. Lange bleiben wollen wir hier nicht. Mittlerweile ist die Sonne völlig verschwunden und Nebel macht sich breit. Unter uns liegt ein dickes Nebelband, das wir durchqueren müssen.

Nach einer kurzen Rast kommen also die Felle in den Rucksack, die Helme auf die Köpfe und schon zischen wir Richtung Tal. Nach ein paar Schwüngen verschluckt uns dann auch schon der Nebel. Kaum Sicht, alles weiss, und wo ist eigentlich Falko? Ich komme ihm leider nicht so schnell hinterher, wie ich das gerne hätte und stochere etwas verloren im Schnee herum. Zum Glück gibt es die Aufstiegsspur und viele, viele Abfahrtsspuren, die helfen, sich etwas zu orientieren. Und dann taucht auch Falko wieder auf und ich bin erleichtert. Ab jetzt bleiben wir etwas näher zusammen, damit ich mich nicht verfahre.

Kurz darauf löst sich dieses Problem aber buchstäblich in Luft auf. Wir haben die Nebelbank durchquert und befinden uns mittlerweile darunter. Die Sicht ist gut und ab jetzt können wir die Abfahrt so richtig geniessen. Lockerer Pulverschnee, der fast bis zu den Knien reicht, zaubert ein wunderbares Grinsen in unser Gesicht. Wir pulvern dem Tal entgegen und freuen uns über diese geniale Abfahrt.

Essen nicht vergessen

Der Aufstieg hat mich allerdings sehr angestrengt und da ich beim Hochlaufen schon so langsam war wollte ich nicht noch zusätzlich stehen bleiben und eine Verpflegungspause machen. Oben musste dann alles mehr oder weniger schnell gehen, da immer mehr Nebel aufzog und so hab ich auf der ganzen Tour fast nichts gegessen. Bei der tollen, aber auch anstrengenden Abfahrt merke ich dann plötzlich, dass ich keine Kraft mehr habe. Mir wird übel und ich bin total fertig. Als Erste Hilfe gibt es erst mal eine Hand voll Gummibären. Eine lange Pause will ich hier auch nicht machen. Einfach nur runter ins Tal. Also geht es weiter. Die Beine brennen und wollen nicht mehr so richtig das machen, was ich will. Nach jeder zweiten Kurve brauche ich eine kleine Pause und habe das Bedürfnis, mich endlich hinsetzen zu können.

Die letzten Meter geht’s auf einem kleinen Forstweg entlang. Dann folgt der letzte anstrengende Bremsschwung und es ist geschafft. Wir sind wieder an der Strasse, genau bei unserem Auto kommen wir aus dem Wald. So fertig wie gerade jetzt war ich schon sehr lange nicht mehr – ein typischer Hungerast! Zu wenig gegessen, zu lange und zu sehr angestrengt und plötzlich fehlt dem Körper Zucker, um alle Funktionen richtig auszuführen. Ein saublödes Gefühl. Und das Schlimmste daran: der Körper braucht Zucker, um wieder auf die Beine zu kommen, aber essen kann man eigentlich nix, weil der Magen so gereizt ist, dass fast alles wieder direkt retour kommt. Also gibt es für mich erst mal ein Päckchen Zucker (da hab ich fast immer eines im Rucksack) und anschliessend den trockenen Rand von meiner Pizza, die ich zwar dabei hatte, aber einfach vergessen habe zu essen.

An die Heimfahrt über den Pass der Sattelegg ist so erstmal nicht zu denken. Mir ist übel und ich bin am Zittern, weil mir kalt ist. Bis mein Körper sich etwas beruhigt hat, vergeht noch eine Viertelstunde. Dann machen wir uns auf den Weg und zu Hause gibt es erst mal heissen Tee mit ganz viel Zucker.

Neben all der schönen Natur und dem Sport sollte man doch auch der Anstrengung Rechnung tragen und seinen Körper mit genügend Zucker, Vitaminen und Co. versorgen! Das passiert mir bestimmt nicht so schnell wieder.

Schön war’s trotzdem!

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