Wetterkapriolen am Pazolastock und Piz Cavradi

#storySchnee

Dieses Wochenende wollen wir mal wieder etwas länger mit den Tourenski unterwegs sein und haben uns mit Patrick, Charlie und Menno verabredet.

Samstag 5.30 Uhr – der Wecker klingelt und wir kriechen aus unseren warmen Betten. Nach einem kurzen Frühstück packen wir die restlichen Sachen in unsere Rucksäcke, die Ski aufs Autodach und los gehts nach Schwyz. Um 7.30 Uhr treffen wir uns dort mit Charli und Menno zur Weiterfahrt Richtung Andermatt. Trotz Protest am Vortag von Menno, so früh aufzustehen, sind die beiden überpünktlich vor Ort und wir können gleich weiter.

In Andermatt laden wir unser Gepäck am Bahnhof aus, Falko versorgt noch das Auto auf dem nächsten Parkplatz und schon treffen wir auf Patrick, der mit dem ÖV angereist ist. Wir nehmen den nächsten (sehr vollen Zug) zum Oberalbpass, wo unsere Tour endlich startet.

Die meisten Zug-Insassen steigen hier ebenfalls aus, aber der Grossteil bewegt sich Richtung Skigebiet und nur ein Teil hat das gleiche Ziel wie wir – den Pazolastock. Wir machen uns also zurecht, sortieren alles nochmal und laufen dann los.

Gleich nach 100 Metern gibt’s das erste Problem. Meine neue Bindung ist leider nicht so toll wie gedacht. Während des Laufens verliere ich gleich zweimal hintereinander einen Ski – ohne grossen Druck auf die Bindung auszuüben, denn hier ist das Gelände noch richtig flach. Genervt bleibe ich stehen und schaue mir mit Patrick das Problem an, der die gleiche Bindung, aber nicht dieses Problem hat. Nachdem wir es leider erst nicht in den Griff bekommen, kommt Falko wieder zu uns zurück und dann wird gefachsimpelt und sich erst mal kräftig aufgeregt. Mein erster Gedanke ist, dass ich jetzt wieder umkehren und mit dem Zug nach Hause fahren muss. Schliesslich entscheiden wir, erst einmal den Z-Wert, also den Wert, der bestimmt bei wieviel Kraftausübung die Bindung auslösen muss, sehr weit nach oben zu drehen. Mit einem Z-Wert von circa 10 (was bei meiner Grösse wohl einer Person über 100kg entsprechen würde) kann ich dann auch weiterlaufen, ohne dass mir die Ski ständig von den Füssen plumpsen. Ein ungutes Gefühl bleibt trotzdem. Vor allem wenn ich an die spätere Abfahrt denke, wo wir den Z-Wert entweder wieder nach unten schrauben müssen oder ich auf gar keinen Fall stürzen darf, da die Bindung bei solch einem hohen Wert bei mir niemals auslösen würde.

Wir laufen also endlich weiter. Mittlerweile ist mir richtig kalt und ich bin froh, dass wir uns wieder bewegen und langsam warm werden.

Charli und Menno fahren beide noch nicht so lange Ski und es ist gerade mal die dritte Skitour, die Charli in ihrem Leben unternimmt. Dafür schlagen sich die beiden aber wirklich sehr gut. Das Tempo ist zwar sehr gemütlich, dafür klappt es technisch bisher ganz gut und auch in den Spitzkehren gibts es keine all zu grossen Probleme. Was nicht heisst, dass da nicht noch Potenzial ist, aber dazu später mehr.

Schritt für Schritt bewegen wir uns also Richtung Gipfel. Unser kleines Grüppchen zieht sich auseinander, weil die Tempovorstellungen etwas verschieden sind, aber immer wieder warten wir aufeinander und haben Zeit, zusammen zu quatschen. Die Aussicht können wir leider nicht all zu viel geniessen. Um uns herum ist es sehr nebelig und nur ab und zu sieht man einen Fetzen der umliegenden Bergwelt. Zum Glück bewegen wir uns oft hinter Geländekuppen, so dass uns der eisige Wind nicht ununterbrochen um die Nasen weht.

Nach 700 Höhenmetern erreichen wir dann den unspektakulären Gipfel des Pazolastocks, ein kleines Plateau ganz ohne Gipfelkreuz oder ähnlichem. Wir freuen uns über die gemeinsame Leistung, ziehen uns dann aber schnell zur kleinen Alphütte einige Meter unterhalb des Gipfels zurück, wo wir windgeschützt die Felle versorgen und uns ein wenig stärken und über die bevorstehende Abfahrt diskutieren.

Viele der Tourengeher, die hier unterwegs sind, gehen von hier noch weiter zur Martschallücke beziehungsweise bis zum Rossbodenstock, um dann die Abfahrt nach Andermatt anzugehen. Wir wollen heute allerdings nicht zurück ins Tal. Unser Ziel ist die Maighelshütte, die von unserem Gipfel schon in Sichtweite liegt. Mittlerweile ist das Wetter etwas erträglicher geworden, die Sicht wird besser und endlich sehen wir auch die umliegende Bergwelt, die sich um uns herum gen Himmel streckt.

Über Nurschalas Grondas fahren wir eine lange breite Rinne hinunter. Der Schnee hier ist super schön weich, pulvrig und wir können herrliche Schwünge ziehen. Kurz bevor wir den ausgeschilderten und gut markierten Hüttenweg erreichen fellen wir wieder an und gönnen uns noch eine kurze Mittagsrast. Bei lustig bis lächerlichem Gequatsche machen wir uns dann an die letzten 300 Höhenmeter Aufstieg bis zu unserem Tagesziel, der Maighelshütte.

Der restliche Weg gestaltet sich sehr gemütlich. Über die Sommer-Alpzufahrt führt uns der ausgesteckte Weg langsam bergan zur Hütte, die wir am frühen Nachmittag erreichen.

Patrick hat noch nicht genug vom Aufstieg und nimmt mit Falko noch den Piz Cavradi gleich neben der Hütte in Angriff. Charli, mir und vor allem Menno ist jedoch nach keinem weiteren Höhenmeter mehr zumute. Bis Charli und ich uns angemeldet haben, Skischuhe verräumt, Felle aufgehängt und unser Zimmer bezogen haben, sitzt Menno schon längst in der Gaststube – mit Tee und Kuchen vor der Nase. Der arme Kerl ist so fertig, dass er Rucksack, Ski etc. draussen hat stehen lassen, sich direkt kulinarisch versorgt hat und kurz nachdem wir zwei Mädels zu ihm stossen noch auf der Bank im Gastraum einschläft.

Kurz später kommen Patrick und Falko von ihrer „Zusatztour“ zurück und dann beginnt für alle der gemütliche Teil. Bis zum Abendessen wird sich fleissig unterhalten, in Büchern oder Zeitschriften geschmökert und die Atmosphäre genossen.

Nach Suppe, Salat, Nudeln mit Speck-Tomatensosse und einem Dessert (natürlich mit Nüssen, grmpf…) lassen wir den Abend gemütlich ausklingen und verschwinden, wie sich das auf der Hütte gehört, pünktlich um 22 Uhr im Bett. Diese Nacht haben wir sogar Glück und in unserem Lager, in welchem insgesamt ca. 20 Personen schlafen, befindet sich kein Gewalt-Schnarcher und so ist es relativ ruhig.

Am nächsten Tag frühstücken wir um kurz nach 7 Uhr, danach wird beraten, wie wir den Tag angehen. Die Sicht ist nicht gerade überzeugend und geht man nach dem Wetterbericht, der aushängt, wird es im Verlauf des Tages auch nicht mehr wirklich besser. Wir sind skeptisch. Charli und Menno haben noch nicht viel Erfahrung, ich bin nicht gerade die Schnellste. Was macht man mit so einer Gruppe bei unserem Wetter? Patrick versucht mit nicht ganz nachvollziehbaren Argumenten (eher sehr subjektive Empfindungen) zur ursprünglich geplanten Tour zu drängen. Er möchte offenbar unbedingt etwas machen. Falko ist skeptisch. Die „Argumente“ von Patrick können aber alle nicht so recht überzeugen und so beschliessen wir, keinen weiteren Aufstieg in Angriff zu nehmen, sondern auf dem markierten Weg Richtung Tschamut zu fahren und bei der Abfahrt noch die ein oder andere Übung einzubauen. Gesagt, getan.

Wir packen unsere Rucksäcke und machen uns an die Abfahrt. Ein Stück unterhalb der Hütte finden wir einen schönen kleinen Hang, an dem sich super Spitzkehren üben lassen. Falko gibt eine detaillierte Einweisung und macht uns die schönsten Spitzkehren vor. Wir versuchen es mit mehr oder weniger spürbarem Erfolg nachzuahmen. Bei mir klappt’s ganz gut und bei Charli immer besser. Menno sollte noch mehr üben, aber statt dessen blödelt er, nachdem ihn die Lust verlassen hat, mit Patrick im steilen Gelände rum, bis er irgendwann kopfüber in den Schnee purzelt. Nach der Übungseinheit geht es weiter ins Tal. Die Abfahrt bietet nicht all zu viel Gelände, in dem man schön fahren könnte, das meiste legen wir auf der Alpfahrstrasse zurück, bis wir die Passstrasse erreichen. Da der Oberalbpass im Winter für Autos gesperrt ist, kann man auch hier mit den Ski auf der Strasse abfahren. Nur bei den Galerien, die die Autos im Sommer vor Steinschlag schützen, müssen wir kurz ein bisschen ausweichen.

Entgegen dem Wetterbericht wird die Sicht immer besser statt schlechter. Je näher wir dem Tal kommen, desto häufiger zeigt sich die Sonne. Schliesslich erreichen wir bald Tschamut – bei strahlendem Sonnenschein. Wir ärgern uns, dass in der Hütte nicht der aktuelle Wetter- und Lawinenlagebericht von heute vorhanden war (leider konnte man uns dort nur mit dem von gestern dienen und mobilen Datenempfang hatten wir dummerweise nicht). Denn mit so einer Prognose hätten wir sicherlich noch einen schönen Aufstieg und eine noch coolere Abfahrt nach Andermatt erleben können. Jetzt ist es aber zu spät und wir sind schon in Tschamut angekommen.

Von hier aus können wir mit dem Zug über den Oberalbpass zurück nach Andermatt fahren. Da es allerdings gerade mal Mittag ist, beschliessen wir, noch einen Lektion Lawinenverschüttetensuche einzubauen. Gemeinsam zertrampelt wir ein Tiefschneefeld, in dem Falko anschliessend ein Gerät vergräbt. Durch das Zertrampeln sieht man keine Spuren und der Suchende muss unter halbwegs realen Bedingungen das Gerät zuerst über das Signal orten, dann mit der Sonde aufspüren und schliesslich ausgraben. Nicht immer eine leichte Aufgabe und es braucht doch einiges an Übung, dass es richtig funktioniert.

Anschliessend stampfen wir die paar Meter zum Bahnhof und warten auf den nächsten Zug, der uns wieder zurück nach Andermatt bringt.

Dort angekommen verabschiedet sich Patrick direkt und springt in den bald abfahrenden nächsten Zug nach Zürich. Wir vier fahren wieder gemeinsam zurück nach Schwyz und lassen das gemeinsame Wochenende nach unserer „Tradition“ bei Kaffee und Kuchen im Café Haug ausklingen.

Ein gelungenes Skitouren-Wochenende mit neuen und alten Freunden!

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