Piz Terza

#storySchnee

Nach einem gemütlichen Frühstück im Hotel starten wir los zu unserer Skitour auf den Piz Terza oberhalb von Lü. Eigentlich hatten wir gestern den Piz Daint vom Ofenpass aus im Visier gehabt, aber durch die südseitige Exposition des Piz Terza wäre es bei der momentanen Wetter- und vor allem Temperaturlage gescheiter, zuerst hier mit einer Tour zu beginnen. Der Aufstieg verläuft mehr oder weniger komplett südseitig und liegt damit voll in der Sonne und die durch die inneralpine Lage ohnehin nicht gerade berauschenden Schneemengen sind dann schneller weg als man möchte. Also sind wir lieber zu früh als zu spät dran.

Also sitzen wir nun im Auto und fahren über den Ofenpass und durch den Nationalpark ins Val Müstair. Uns kommen Unmengen von Autos mit tschechischen, polnischen und deutschen Kennzeichen entgegen, was uns etwas wundert!? Verstehen wir nicht, aber solange sie uns nur entgegen kommen, macht das ja auch nix. Kurz nach Tschierv biegen wir linker Hand ab nach Lü und fahren einige Kehren hinauf in dieses sonnige winzige Dörfchen am Südhang des Piz Terza. Dort parkieren wir die Karre am Dorfeingang und machen uns bei bestem Wetter bereit für den Aufstieg.

Zuerst steigen wir auf einem breiten Waldweg durch den lichten Bergwald auf und nähern uns so den beiden Alpen Valmorain und Alp Tablatsch. Es gibt bereits einige Spuren und so können wir recht gemütlich diesen folgend an Höhe gewinnen. Bei der Alp überholt uns eine kleine geführte Gruppe von sechs oder sieben Personen, aber sonst scheinen wir hier recht alleine zu sein. Zwar treffen wir später noch auf ein paar weitere Skitourengänger und drei Schneeschuhläufer, aber im Grossen und Ganzen ist es hier bedeutend ruhiger als an den Modeskitouren in der Zentralschweiz.

Von den Alpen aus haben wir nun weitläufiges und lichtes Gelände vor uns; wir bewegen uns nun mehr oder weniger nordwärts auf die Fuorcla Sassalba zu, die den Mittelpunkt zwischen Piz Terza und Muntet (2763 m) bildet. Durch ein schönes kleines Tälchen bewegen wir uns immer weiter hinauf, mal holen wir die Gruppe wieder ein, dann nach einer kleinen Pause sind sie uns wieder auf den Fersen. Als sich langsam der erste Hunger bemerkbar macht, sind wir kurz vor der Fuorcla Sassalba und haben nun nur noch wenige Höhenmeter bis dort hinauf vor uns. Die bringen wir noch hinter uns, dann machen wir eine kleine Rast und stärken uns erst einmal. Hier oben ist im Sommer auch ein kleiner See, von dem ist im Moment aber nicht viel zu sehen. Wahrscheinlich stehen wir sogar mitten drauf.

Ab hier geht es nun etwas steiler einen vom Wind sehr bearbeiteten Hang hinauf, an manchen Stellen muss man hier etwas vorsichtiger aufsteigen, da es teilweise sehr hart und abgeblasen ist. Besonders Marina mit ihrer neuen (Alp)Traumbindung muss aufpassen, dass ihr hier der Ski nicht abhaut … Kurz drauf wird es aber erst einmal wieder flacher und wir nähern uns dem letzten Stück hinauf auf den Gipfel. Nach einer weiteren harten Passage wird es dann immer windiger, hier merken wir jetzt doch sehr den Wind. War es vorhin in der Sonne teilweise schon unangenehm warm, ist man jetzt froh um jede Schicht, die man anhat. Wir beeilen uns, den Gipfel zu erreichen und geniessen, dort angekommen, nur kurz die Aussicht ins Südtirol und auf den markanten Ortler. Abfellen (und aufpassen, dass der Wind die Felle nicht davonweht … ) und dann rutschen wir direkt wieder hinunter, um dem Wind zu entkommen. Schade eigentlich, denn die Sicht und das Wetter an sich sind wirklich bombig. Aber so ist das doch sehr unangenehm hier oben und wir beschliessen, etwas weiter unten eine Pause zu machen.

Die Abfahrt im oberen Teil geht durch harten und verblasenen Schnee, teilweise ist es fast pistenartig, teilweise auch recht mühsam durch kleine Sastrugis, die sich gebildet haben. Wir verlieren recht schnell an Höhe und es wird auch entsprechend schnell wieder wärmer. Da wir auch jetzt in der Abfahrt wieder an den kleinen Alphütten vorbeikommen, die wir im Aufstieg gesehen haben, beschliessen wir, dass wir dort etwas essen könnten. Die erste ist schon belegt, da haben sich schon welche breit gemacht. Also noch ein paar Meter hinunter zur zweiten.

Hier unten ist der Schnee teilweise schon komplett nass und faul und manchmal wechseln sich noch harte Passagen ab. Die sind dann nicht so toll zu fahren, besonders die Übergänge sind blöd. Zu blöd bin auch ich und so legt es mich dann an einem solchen Übergang prompt recht elegant im Salto auf den Arsch! Soweit so gut, nichts passiert, der eine Ski ist ab, den haben wir gleich und weiter gehts zur Hütte. Allerdings ist es irgendwie etwas zugig um die Hüfte und beim Runterschauen entdecke ich dann, dass durch den Sturz die Hose im Schritt komplett aufgerissen ist. Praktischerweise auch noch eine Goretex-Hose, die ja immer zu den allergünstigsten gehören. Tja, da hilft jetzt alles Fluchen nichts, die Hose ist definitiv im Eimer und wir müssen uns nun überlegen, wie wir es anstellen, morgen auch noch eine Tour machen zu können, denn eine zweite Hose habe ich in der Art nicht und schon gar nicht hier im Urlaub dabei.

Wir rutschen nun erst einmal weiter hinunter, der Schnee ist mittlerweile wirklich klatschnass und so nutzen wir über weite Strecken den Ziehweg, der uns halbwegs sicher vor Steinen hinunter zurück nach Lü bringt. Im Auto überlegen wir dann, was nun zu tun sei und beschliessen dann, nach Pontresina zu fahren, wo es einige Bergsport-Geschäfte gibt. Damit verbringen wir dann den Grossteil des restlichen Nachmittages, glücklicherweise finde ich auch eine passende Hose, die zumindest noch reduziert ist und wir können nun am Abend noch die Tour des nächsten Tages planen. Das machen wir dann nach einem gemütlichen Abendessen in der Arvenstube des Hotels, bis auf meine sich gerade zunehmend bemerkbar machende Erkältung wird es noch ein schöner Abend.

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