Clariden Normalweg

Aktivitäten, Hochtouren

“WAS???”

Mein Vorschlag, wann wir uns am Klausenpass treffen, stösst bei Anna nicht gerade auf Begeisterung. Aber auch wenn der Clariden eine einfache und überschaubare Hochtour ist, ist es eine Hochtour und nicht unbedingt eine kurze. Also kommen sie und Lukas am Samstag Abend schon zu uns nach Bennau und wir starten am Sonntag Morgen um sechs und fahren auf den Pass. Einige Kurven und unterdrückte Würgereflexe später können wir kurz nach sieben oben starten und beginnen, die ersten 900 Hm auf einem ausgetretenen Pfad in Angriff zu nehmen. Das Wetter ist prima, gestern ist zwar noch eine Front über die Zentralschweiz gezogen und hat auch einigen Schnee gebracht, aber heute sind wir mitten im Föhnloch unterwegs  nördlich und südlich stauen sich die Wolken und im Norden erkennt man noch sehr schön die abziehende Kaltfront.

Auf 2900 m erreicht man einen netten Rastplatz, bevor der Gletscher anfängt. Hier machen wir eine ausgiebige Pause, ziehen die Gurte und Steigeisen an und starten dann in das furchterregende Iswändli, die Schlüsselpassage. Früher teilweise bis gute 50° steil, heute ein nicht mal wirklich erwähnenswerter Firnhang, der in unserem Fall noch mit einer bombigen Trittspur im gefrorenen  Schnee durchzogen ist. Also revidieren wir das “furchterregend” und stapfen die paar Meter den Hang hinauf, wo der Gletscher schnell wieder abflacht und sich zum Chamlijoch hin als grosses Plateau darstellt. Via Chammlijoch könnte man recht einfach die Planurahütte erreichen, wir biegen aber links ab in Richtung Clariden. Recht schnell erreicht man das obere Ende des Gletschers und gelangt auf einen schuttigen Kamm, der sich zum Vorgipfel aufsteilt und dann in einfacher Kletterei zum Claridengipfel führt.

Hier zeigen sich dann doch kleinere Konditionsdefizite und so warten Marina und ich kurz vor dem Vorgipfel, während Anna und Lukas die letzten Meter zum Clariden-Gipfel in Angriff nehmen. Wir haben derweil Gelegenheit, schwätzende Schwaben, einen Alleingänger mit Leichtwanderschuhen, ein Pärchen mit Strangulationsbedürfnis (Stichwort “Seilaufnehmen ohne dass ich mich im Sturzfall umbringe”) und unangeseilte Grossgruppen zu beobachten – dass man auf dem Weg hierher einige nicht gerade kleine Spalten überquert, das spielt wohl nicht für jeden hier eine Rolle.  Der Gletscher präsentiert sich zwar in schönem weiss und so sind ein Grossteil der Spalten gar nicht sichtbar, letztes Jahr war allerdings hier alles aper und man konnte sehr gut sehen, über was für Löcher man hier teilweise spaziert.

Nachdem die beiden vom Gipfel retour kommen, seilen wir wieder an und steigen über den Aufstiegsweg wieder ab zum Klausenpass – ein Abstieg, der sich ziemlich in die Länge zieht. Trotzdem eine schöne Tour, das nächste Mal im Winter mit Ski.

Details zur Tour

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